Der Siemens Euroinvest Aktien blickt auf ein insgesamt erfolgreiches Geschäftsjahr 2025/2026 zurück. Der aktiv gemanagte europäische Aktienfonds erzielte im Berichtszeitraum vom 1. Juni 2025 bis zum 31. Mai 2026 eine Wertentwicklung von 14,77 % nach BVI-Methode. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund eines von geopolitischen Spannungen, steigenden Energiepreisen, Inflationsrisiken und erhöhter Marktvolatilität geprägten Umfelds ein überzeugendes Ergebnis. Der Fonds verfolgt einen quantitativen, wertorientierten Ansatz und konzentriert sich auf europäische Unternehmen, bei denen insbesondere Bewertung, Kursdynamik sowie erwartete Gewinne und Dividenden berücksichtigt werden.
Hohe Aktienquote sorgt für Renditechancen – aber auch für Marktrisiko
Zum Geschäftsjahresende belief sich das Fondsvermögen auf rund 130,2 Mio. Euro. Mit 93,92 % Aktienquote ist der Fonds sehr offensiv positioniert. Weitere 3,63 % entfielen auf Investmentfondsanteile und lediglich 1,61 % auf Bankguthaben. Anleger müssen daher damit rechnen, dass der Fonds in schwachen europäischen Aktienmarktphasen nahezu vollständig an Kursverlusten partizipiert.
Geografisch ist das Portfolio breit über Europa verteilt, weist jedoch einige deutliche Schwerpunkte auf. Großbritannien stellt mit 20,03 % die größte Länderposition dar, gefolgt von Frankreich mit 15,27 %, der Schweiz mit 13,60 %, den Niederlanden mit 10,20 % und Deutschland mit 10,04 %. Damit besteht zwar eine gute regionale Diversifikation, gleichzeitig entstehen durch die hohen Positionen außerhalb des Euroraums zusätzliche Währungsrisiken, vor allem gegenüber britischem Pfund und Schweizer Franken.
Auch auf Einzeltitelebene zeigt sich eine gewisse Konzentration. Größte Einzelposition ist ASML mit 5,85 % des Fondsvermögens. Daneben zählen beispielsweise HSBC mit 4,10 % und AstraZeneca mit 2,67 % zu den bedeutenden Positionen. Die Gewichtung von ASML ist für einen breit angelegten europäischen Fonds durchaus erheblich und macht die Entwicklung des Fonds teilweise von wenigen großen Unternehmen abhängig.
Das Ergebnis ist nicht nur durch Buchgewinne getragen
Positiv ist die Qualität des Jahresergebnisses. Insgesamt erzielte der Fonds ein Geschäftsjahresergebnis von 17,05 Mio. Euro. Davon entfielen 11,39 Mio. Euro auf realisierte Ergebnisse und 5,66 Mio. Euro auf noch nicht realisierte Wertsteigerungen. Allein aus Veräußerungsgeschäften entstand ein positives Ergebnis von rund 9,56 Mio. Euro, während der ordentliche Nettoertrag aus Dividenden und anderen laufenden Einnahmen nach Kosten bei rund 1,83 Mio. Euro lag.
Damit basiert die gute Entwicklung nicht ausschließlich auf Bewertungsgewinnen bestehender Positionen. Ein erheblicher Teil der Gewinne wurde tatsächlich realisiert. Die Erträge werden zudem nicht ausgeschüttet, sondern wiederangelegt: Für das Geschäftsjahr wurden 11,39 Mio. Euro beziehungsweise 1,85 Euro je Anteil zur Wiederanlage ausgewiesen. Für langfristig orientierte Anleger unterstützt diese Thesaurierung den Zinseszinseffekt.
Anteilwert steigt deutlich – Anleger ziehen dennoch Kapital ab
Besonders interessant ist die Entwicklung der Anlegergelder. Obwohl der Fonds eine starke Wertentwicklung erzielte, kam es netto zu Mittelabflüssen von rund 12,25 Mio. Euro. Den Mittelzuflüssen von lediglich 0,53 Mio. Euro standen Anteilsrücknahmen von rund 12,79 Mio. Euro gegenüber. Bezogen auf das Fondsvermögen zu Geschäftsjahresbeginn entspricht der Nettoabfluss fast 10 %.
Auch längerfristig ist dieser Trend sichtbar: Die Zahl der umlaufenden Anteile sank von rund 8,63 Mio. Stück 2022/2023 auf nur noch 6,16 Mio. Stück 2025/2026. Der Anteilwert entwickelte sich dagegen positiv von 15,42 Euro über 17,74 Euro und 18,41 Euro auf nunmehr 21,13 Euro.
Für Anleger ist diese Kombination bemerkenswert: Die Investmentperformance ist positiv, gleichzeitig verliert der Fonds kontinuierlich Anlegerkapital. Die Mittelabflüsse sind deshalb kein Beleg für eine schlechte Anlageperformance, sollten aber beobachtet werden. Bei einem Fondsvermögen von weiterhin rund 130 Mio. Euro stellen sie aktuell noch kein offensichtliches Liquiditätsproblem dar.
Kosten sind der deutlichste Schwachpunkt
Weniger attraktiv erscheint die Kostenstruktur. Die Gesamtkostenquote beträgt 1,29 % pro Jahr, wobei Transaktionskosten ausdrücklich noch nicht enthalten sind. Zusätzlich entstanden im Geschäftsjahr Transaktionskosten von rund 129.668 Euro. Allein die Verwaltungsvergütung belastete den Fonds mit knapp 1,58 Mio. Euro.
Für einen aktiv gemanagten Aktienfonds ist dieses Kostenniveau zwar nicht ungewöhnlich, aus Anlegersicht muss das Management jedoch dauerhaft einen entsprechenden Mehrwert gegenüber kostengünstigen europäischen Aktien-ETFs erzielen. Der Bericht nennt für den betrachteten Zeitraum allerdings keine direkt vergleichbare Benchmarkrendite, sodass sich aus dem Jahresbericht allein nicht beurteilen lässt, ob die 14,77 % Wertentwicklung tatsächlich eine Überrendite gegenüber einem geeigneten europäischen Aktienindex darstellen. Gerade für die Beurteilung eines aktiven Fonds ist dies ein wichtiger Punkt.
Risikoprofil bleibt typisch für einen Aktienfonds
Die ausgewiesene jährliche Volatilität des Anteilpreises lag bei 13,54 %. Als wesentliche Risiken nennt die Fondsgesellschaft neben allgemeinen Aktienkursrisiken insbesondere geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Inflation, restriktivere Geldpolitik, hohe weltweite Verschuldung, Klimarisiken und den technologischen Wandel. Außerdem bestehen bei Aktien außerhalb des Euroraums Währungsrisiken. Außergewöhnliche Markt- oder Liquiditätsrisiken traten im Geschäftsjahr nach Angaben der Fondsgesellschaft jedoch nicht auf.
Seit April 2026 verfügt der Fonds außerdem über zusätzliche Liquiditätsmanagementinstrumente wie Swing Pricing und Gating. Diese sollen verbleibende Anleger bei außergewöhnlich hohen Mittelbewegungen schützen. Gating bedeutet allerdings auch, dass die Rückgabe von Fondsanteilen unter außergewöhnlichen Umständen zeitweise eingeschränkt werden kann.
Nachhaltigkeit
Der Fonds ist nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert und fördert damit ökologische beziehungsweise soziale Merkmale. Dies ist für ESG-orientierte Anleger grundsätzlich positiv. Eine Artikel-8-Einstufung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ausschließlich nachhaltige Unternehmen gehalten werden oder dass der Fonds ein explizites Nachhaltigkeitsziel verfolgt.
Fazit aus Anlegersicht
Der Siemens Euroinvest Aktien liefert für 2025/2026 ein insgesamt überzeugendes Bild. Besonders positiv sind die Wertentwicklung von 14,77 %, der deutliche Anstieg des Anteilwerts auf 21,13 Euro, die hohe Zahl realisierter Gewinne und die breite geografische Streuung innerhalb Europas. Das Portfolio ist zugleich offensiv ausgerichtet und bietet damit langfristig attraktive Renditechancen.
Kritischer zu beurteilen sind die Gesamtkostenquote von 1,29 %, die Konzentration auf einzelne große Positionen sowie vor allem die erheblichen und bereits über mehrere Jahre sichtbaren Anteilsrücknahmen. Die starken Mittelabflüsse stehen in einem auffälligen Gegensatz zur guten Performance. Außerdem fehlt im Jahresbericht eine geeignete Benchmarkrendite, anhand derer sich beurteilen ließe, ob das aktive Management nach Kosten tatsächlich Mehrwert geschaffen hat.
Gesamturteil: Für langfristig orientierte Anleger, die gezielt ein aktiv gemanagtes und nahezu voll investiertes europäisches Aktienportfolio suchen, präsentiert sich der Fonds solide bis attraktiv. Die aktuelle Performance überzeugt. Ob der Fonds gegenüber deutlich günstigeren europäischen Indexfonds langfristig die bessere Anlage darstellt, lässt sich aus diesem Jahresbericht jedoch noch nicht ableiten. Entscheidend wäre hierfür ein Vergleich der mehrjährigen Nettorendite mit einer geeigneten europäischen Benchmark.