Österreichs Investmentfonds haben im zweiten Quartal 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Ende Juni verwalteten die von österreichischen Kapitalanlagegesellschaften und Fondsmanagern aufgelegten Investmentfonds ein Vermögen von insgesamt 260,1 Milliarden Euro. Das waren 7,6 Prozent mehr als noch Ende März.
Noch deutlicher fällt der Vergleich mit dem Vorjahr aus: Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 erhöhte sich das verwaltete Vermögen nach Angaben der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA um zwölf Prozent.
Damit hat sich die heimische Fondsbranche nach einem von geopolitischen Spannungen geprägten Jahresauftakt deutlich erholt. Rückenwind kam nach Einschätzung der FMA vor allem von der positiven Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten.
19 Milliarden Euro mehr innerhalb eines Quartals
Die Größenordnung des Anstiegs wird besonders deutlich, wenn man die Veränderungsrate auf den vorherigen Vermögensstand zurückrechnet.
Bei einem Anstieg um 7,6 Prozent auf 260,1 Milliarden Euro dürfte das verwaltete Vermögen Ende März rechnerisch bei rund 241,7 Milliarden Euro gelegen haben. Innerhalb von drei Monaten kamen somit rund 18,4 Milliarden Euro hinzu.
Nur ein kleiner Teil dieses Anstiegs lässt sich durch neu investiertes Anlegergeld erklären. Die Nettomittelzuflüsse über sämtliche österreichischen Fonds hinweg beliefen sich im zweiten Quartal lediglich auf 628 Millionen Euro.
Der weitaus größere Teil der Veränderung dürfte damit auf die Wertentwicklung der Fondsvermögen und andere Bewertungseffekte zurückzuführen sein. Die FMA verweist ausdrücklich auf die positive Entwicklung an den globalen Finanzmärkten.
Entspannung an Energiemärkten hilft der Stimmung
Das Umfeld hatte sich gegenüber dem Jahresbeginn verändert.
Nach einem von geopolitischen Spannungen geprägten Auftakt sorgten laut FMA die Entspannung an den Energiemärkten und eine verbesserte Stimmung unter den Anlegerinnen und Anlegern für Unterstützung an den internationalen Aktienmärkten.
Davon profitierten dem Bericht zufolge auch Europa und Österreich.
Für Fonds ist eine solche Marktbewegung unmittelbar relevant: Steigen die Kurse der gehaltenen Aktien, Anleihen und anderer Vermögenswerte, wächst grundsätzlich auch der Wert des verwalteten Fondsvermögens – selbst wenn Anleger kein zusätzliches Kapital einzahlen.
Das erklärt, weshalb die Entwicklung des gesamten Fondsvermögens wesentlich stärker ausfallen kann als die reinen Nettomittelzuflüsse.
2.110 Investmentfonds am österreichischen Markt
Der Rekordwert verteilt sich auf insgesamt 2.110 Investmentfonds, die von österreichischen Kapitalanlagegesellschaften und Fondsmanagern aufgelegt wurden.
Rechnerisch entspricht das einem durchschnittlichen verwalteten Vermögen von rund 123 Millionen Euro je Fonds.
Dieser Durchschnittswert ist allerdings nur eine statistische Orientierungsgröße. Über die tatsächliche Größenverteilung der einzelnen Fonds macht die vorliegende Mitteilung keine Angaben. Große Fonds können ein Vielfaches des Durchschnitts verwalten, während kleinere Produkte deutlich darunter liegen.
Anleger stecken mehr als eine Milliarde Euro in Rentenfonds
Besonders gefragt waren im zweiten Quartal Rentenfonds.
Sie verzeichneten Nettomittelzuflüsse von 1,05 Milliarden Euro und lagen damit mit deutlichem Abstand an der Spitze der in der FMA-Mitteilung genannten Fondskategorien.
Auch Aktienfonds konnten zusätzliches Anlegergeld einsammeln. Ihnen flossen netto 242 Millionen Euro zu.
Damit zeigen die Zahlen, dass sowohl Anleihe- als auch Aktienprodukte im zweiten Quartal unter dem Strich neue Mittel erhielten – allerdings in sehr unterschiedlicher Größenordnung.
Rentenfonds kamen auf mehr als das Vierfache der Nettomittelzuflüsse der Aktienfonds.
Mischfonds verlieren 301 Millionen Euro
Auf der anderen Seite standen deutliche Kapitalabflüsse.
Mischfonds, die typischerweise verschiedene Anlageklassen miteinander kombinieren, verzeichneten im zweiten Quartal Nettoabflüsse von 301 Millionen Euro.
Die Zuflüsse in Renten- und Aktienfonds bedeuten somit nicht, dass Anleger ihr Kapital generell stärker in sämtliche Arten österreichischer Investmentfonds verlagerten.
Vielmehr zeigen die Zahlen erhebliche Verschiebungen zwischen den unterschiedlichen Fondskategorien.
Immobilienfonds verlieren weitere 346 Millionen Euro
Besonders auffällig bleibt die Situation bei den Immobilienfonds.
Aus dieser Kategorie flossen im zweiten Quartal netto 346 Millionen Euro ab. Die FMA spricht ausdrücklich von einer Fortsetzung der Tendenz der vergangenen Jahre.
Damit verzeichneten Immobilienfonds unter den in der Mitteilung genannten Kategorien die höchsten Nettoabflüsse.
Zusammen verloren Misch- und Immobilienfonds netto 647 Millionen Euro an Anlegergeldern.
Dem standen allein bei Rentenfonds Zuflüsse von mehr als einer Milliarde Euro gegenüber.
Unter dem Strich fließen 628 Millionen Euro neu in Fonds
Über sämtliche österreichischen Fonds hinweg blieb die Kapitalbewegung dennoch positiv.
Insgesamt flossen im zweiten Quartal netto 628 Millionen Euro neue Mittel in österreichische Investmentfonds.
Der Vergleich mit dem gesamten verwalteten Vermögen zeigt allerdings, dass die neuen Anlegergelder nur einen kleinen Anteil ausmachen: Die Nettomittelzuflüsse entsprechen knapp 0,25 Prozent des Vermögens von 260,1 Milliarden Euro zum Quartalsende.
Das unterstreicht noch einmal, wie stark die Entwicklung des Gesamtvermögens im zweiten Quartal von der Entwicklung an den Finanzmärkten geprägt war.
Zwölf Prozent mehr Vermögen als vor einem Jahr
Auch der längerfristige Vergleich fällt deutlich aus.
Das Fondsvermögen lag Ende Juni zwölf Prozent höher als im entsprechenden Vorjahresquartal.
Rechnerisch bedeutet das: Ein Jahr zuvor dürfte das von den österreichischen Gesellschaften verwaltete Fondsvermögen bei ungefähr 232,2 Milliarden Euro gelegen haben.
Innerhalb eines Jahres hätte sich das Volumen damit rechnerisch um knapp 28 Milliarden Euro erhöht.
Auch hier gilt allerdings: Der Unterschied darf nicht mit Nettomittelzuflüssen gleichgesetzt werden. Veränderungen des verwalteten Vermögens entstehen sowohl durch Ein- und Auszahlungen der Anleger als auch durch Kurs- und Bewertungsveränderungen.
FMA verschlankt ihren Quartalsbericht
Mit den neuen Rekordzahlen verändert die österreichische Finanzmarktaufsicht zugleich die Präsentation ihrer Fondsstatistik.
Der „Quartalsbericht Asset Management“ erscheint erstmals in einem neuen und nach Angaben der FMA verschlankten Format.
Die wichtigsten Kennzahlen werden in einem kompakten zweiseitigen Design dargestellt. Gleichzeitig soll die zugrunde liegende Datenbasis detaillierter sein und auch digital zum Download zur Verfügung stehen.
Damit will die Aufsicht offenbar zwei Anforderungen miteinander verbinden: eine schnell erfassbare Darstellung der wichtigsten Entwicklungen und einen weiterhin detaillierten Zugang zu den zugrunde liegenden Daten.
Rekordwert verdeckt unterschiedliche Anlegertrends
Der neue Höchststand von 260,1 Milliarden Euro zeichnet auf den ersten Blick das Bild einer kräftig wachsenden österreichischen Fondsbranche. Bei genauerem Hinsehen ist die Entwicklung jedoch differenzierter.
Die Verbesserung an den Finanzmärkten ließ das verwaltete Vermögen innerhalb nur eines Quartals kräftig steigen. Gleichzeitig investierten Anleger netto zusätzliches Kapital. Mit 628 Millionen Euro blieb dieser Zufluss jedoch vergleichsweise klein gegenüber dem gesamten Vermögensanstieg.