Dark Mode Light Mode

Betrug mitten im Feed: Warum Social-Media-Werbung immer häufiger zur Scam-Falle wird

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Betrüger verlagern ihre Maschen zunehmend dorthin, wo Millionen Menschen täglich Nachrichten, Videos und Beiträge konsumieren: in die sozialen Netzwerke. Statt ausschließlich auf klassische Phishing-Mails oder betrügerische SMS zu setzen, kaufen Kriminelle Werbeanzeigen bei Facebook, Instagram und anderen Plattformen – und platzieren ihre Angebote damit mitten zwischen regulären Inhalten.

Eine aktuelle Untersuchung des Sicherheitsunternehmens Bitdefender verdeutlicht das Ausmaß. Für den „Global Scam Intelligence Report 2026“ wurden nach Angaben des Unternehmens Milliarden Betrugsversuche aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Social-Media-Scams machten demnach inzwischen sieben Prozent der erfassten Fälle aus und zählen damit laut Studie zu den bedeutenden Betrugskategorien.

Das Problem: Eine bezahlte Werbeanzeige kann auf den ersten Blick seriös wirken.

Sie erscheint im selben Feed wie Beiträge von Freunden, Medien oder bekannten Unternehmen. Kriminelle profitieren damit von der vertrauten Umgebung der Plattformen. Bitdefender-Experte Bogdan Botezatu beschreibt Social-Media-Werbung deshalb als besonders effizienten Verbreitungsweg für Betrug: Täter könnten Reichweite einkaufen und bestimmte Zielgruppen gezielt ansprechen.

Die Bandbreite der Maschen ist groß. Beworben werden beispielsweise angeblich extrem günstige Produkte, Gewinnspiele, vermeintliche Angebote bekannter Marken oder lukrative Investitionsmöglichkeiten. Nach einem Klick können Nutzer auf manipulierten Internetseiten landen oder zur Eingabe persönlicher Informationen aufgefordert werden.

Besonders verbreitet sind laut dem Bericht Anzeigen für Fake-Shops. Dabei imitieren die Betreiber bekannte Marken oder werben mit außergewöhnlich hohen Rabatten. Nach einer Bestellung erhalten Betroffene unter Umständen minderwertige Produkte – oder überhaupt keine Ware.

Doch ein verlorener Kaufpreis kann nur der Anfang sein. Andere Betrugsseiten zielen gezielt auf Zugangsdaten, Kreditkarteninformationen oder Bankdaten. Als mögliche Folgen nennt der Bericht unberechtigte Abbuchungen bis hin zum Identitätsdiebstahl.

Gerade hohe Rabatte sollten deshalb nicht automatisch als Schnäppchen verstanden werden. Vorsicht ist insbesondere angebracht, wenn ein Produkt erheblich günstiger angeboten wird als bei etablierten Händlern, künstlicher Zeitdruck erzeugt wird, ein unbekannter Shop hinter der Anzeige steht oder bereits sehr früh persönliche Daten beziehungsweise Zahlungsinformationen verlangt werden.

Eine einfache Schutzmaßnahme kann viele dieser Risiken reduzieren: Nicht unmittelbar über die Werbeanzeige kaufen.

Wer beispielsweise eine vermeintliche Rabattaktion einer bekannten Marke sieht, kann den Browser oder die offizielle App des Unternehmens selbst öffnen und dort nach dem Angebot suchen. Auf diese Weise lässt sich vermeiden, dass ein täuschend echt gestalteter Werbelink direkt auf eine nachgebaute Webseite führt. Auch der zugrunde liegende Bericht empfiehlt, Angebote über die offizielle Internetseite des jeweiligen Unternehmens zu überprüfen und sich nicht ausschließlich auf Links aus Werbeanzeigen zu verlassen.

Die Entwicklung verändert damit auch eine lange eingeübte Sicherheitsregel. Betrugsversuche befinden sich längst nicht mehr nur im Spam-Ordner. Sie können als professionell gestaltete und bezahlte Werbung genau dort auftauchen, wo Nutzer normalerweise seriöse Anzeigen erwarten.

Das Werbeformat selbst ist deshalb kein Qualitätssiegel.

Für Verbraucher bedeutet das: Ein Angebot sollte nicht deshalb als vertrauenswürdig gelten, weil Facebook, Instagram oder eine andere große Plattform die Anzeige ausspielt. Entscheidend bleibt, wer tatsächlich hinter dem Angebot steht, wohin der Link führt und ob sich Händler, Produkt und Preis unabhängig überprüfen lassen.

 

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

210.000 Euro Bußgeld: BaFin deckt Mängel bei Geldwäschekontrollen der Volksbank Düsseldorf Neuss auf

Next Post

Streit um Kanada eskaliert: Trump droht Europa mit hohen Zöllen und Handelsstopp