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Illegaler Handel mit Kühlmitteln boomt – Schwarzmarkt bremst Europas Klimaschutz

u_ssfofehsaj (CC0), Pixabay

Sie befinden sich in Klimaanlagen, Kühlanlagen und zahlreichen anderen technischen Systemen und bleiben für Verbraucher normalerweise unsichtbar: Kältemittel sind für die moderne Kühltechnik unverzichtbar.

Ein Teil der bislang eingesetzten Stoffe hat allerdings eine problematische Eigenschaft. Werden bestimmte fluorierte Treibhausgase freigesetzt, können sie das Klima erheblich stärker belasten als Kohlendioxid.

Genau deshalb soll ihr Einsatz schrittweise reduziert werden.

Doch während legale Anbieter strengere Vorgaben erfüllen müssen, hat sich parallel ein Schwarzmarkt entwickelt. Illegal gehandelte Kältemittel können die Bemühungen um den Ausstieg aus besonders klimaschädlichen Stoffen unterlaufen.

Warum Kältemittel zum Klimaproblem werden

Kältemittel zirkulieren normalerweise in geschlossenen technischen Anlagen. Solange sie dort verbleiben, gelangen sie nicht unmittelbar in die Atmosphäre.

Problematisch wird es bei Leckagen, unsachgemäßer Wartung, Unfällen oder einer nicht fachgerechten Entsorgung.

Bestimmte fluorierte Gase – häufig als F-Gase bezeichnet – können eine sehr hohe Treibhauswirkung besitzen. Deshalb setzt die europäische Klimapolitik darauf, besonders klimaschädliche Varianten zunehmend durch Alternativen zu ersetzen.

Der Wandel betrifft einen riesigen Markt. Kältetechnik wird nicht nur für private Klimaanlagen benötigt, sondern beispielsweise auch in Supermärkten, Industrieanlagen, Restaurants, Rechenzentren, Fahrzeugen und großen Kühlketten.

Strengere Regeln verändern den Markt

Der schrittweise Ausstieg hat wirtschaftliche Folgen.

Wenn bestimmte Kältemittel knapper werden oder ihr Einsatz stärker eingeschränkt wird, steigt der Anreiz, vorhandene Anlagen auf andere Stoffe beziehungsweise neue Technik umzustellen.

Gleichzeitig kann die Verknappung jedoch die Preise der weiterhin benötigten Kältemittel erhöhen.

Und genau an diesem Punkt entsteht ein Geschäftsfeld für den Schwarzmarkt.

Wer Kältemittel außerhalb der vorgesehenen Mengenbegrenzungen und Vertriebswege nach Europa bringt, kann von der Nachfrage nach günstigeren Produkten profitieren.

Schwarzmarkt gefährdet den geplanten Ausstieg

Das Problem reicht über gewöhnlichen Zollbetrug hinaus.

Wenn große Mengen klimaschädlicher Kältemittel illegal in den Markt gelangen, wird ein zentraler Mechanismus der Regulierung geschwächt: Die politisch gewollte Verknappung verliert einen Teil ihrer Wirkung.

Unternehmen können dann möglicherweise weiterhin auf ältere Stoffe zurückgreifen, obwohl der Markt eigentlich schrittweise auf klimafreundlichere Alternativen umgestellt werden soll.

Der Schwarzmarkt kann den technologischen Wandel dadurch verlangsamen.

Legale Unternehmen geraten unter Preisdruck

Hinzu kommt ein Wettbewerbsproblem.

Unternehmen, die sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllen, müssen sich an Importmengen, Dokumentationspflichten und weitere Vorgaben halten.

Illegale Händler können diese Kosten teilweise umgehen.

Wer geschmuggelte Ware günstiger anbietet, verschafft sich damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen, die sich an die Regeln halten.

Die Bekämpfung des Schwarzmarkts ist deshalb nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch des fairen Wettbewerbs.

Kontrollen sind schwierig

Für Zoll- und Ermittlungsbehörden stellt der illegale Handel eine besondere Herausforderung dar.

Kältemittel lassen sich in Gasflaschen transportieren und über internationale Lieferketten handeln. Angebote können zudem über Onlineplattformen und andere Vertriebskanäle verbreitet werden.

Entscheidend ist daher nicht nur, verdächtige Lieferungen an den Außengrenzen aufzuspüren. Behörden müssen auch nachvollziehen können, woher Produkte stammen, wer sie eingeführt hat und ob sie innerhalb der zulässigen Regelungen gehandelt werden.

Bei einem internationalen Schwarzmarkt endet die Kontrolle zudem nicht an einer nationalen Grenze.

Auch Sicherheitsrisiken möglich

Neben der Klimawirkung können bei illegal gehandelten Produkten weitere Probleme entstehen.

Bei Ware aus nicht nachvollziehbaren Lieferketten kann schwieriger zu beurteilen sein, ob Kennzeichnung, Zusammensetzung, Behälter und Transport den vorgeschriebenen Standards entsprechen.

Gerade bei Kältemitteln ist das relevant, weil Fachbetriebe bei Wartungs- und Reparaturarbeiten wissen müssen, mit welchem Stoff sie umgehen.

Deshalb betrifft der illegale Handel nicht ausschließlich Umweltbehörden. Auch Zoll, Marktaufsicht, Unternehmen und Fachbetriebe spielen bei seiner Bekämpfung eine Rolle.

Wärmepumpen und Klimaanlagen machen das Thema wichtiger

Die Bedeutung der Kältetechnik dürfte in den kommenden Jahren kaum abnehmen.

Steigende Temperaturen erhöhen in vielen Regionen die Nachfrage nach Klimatisierung. Gleichzeitig werden Wärmepumpen für die Umstellung der Wärmeversorgung eingesetzt.

Damit wächst der Bedarf an Technologien, die nach dem Prinzip eines Kältekreislaufs funktionieren.

Umso wichtiger wird die Frage, welche Kältemittel in diesen Anlagen eingesetzt werden und wie verhindert werden kann, dass besonders klimaschädliche Stoffe unkontrolliert in Umlauf gelangen.

Der Ausstieg funktioniert nur mit wirksamen Kontrollen

Die europäischen Vorgaben können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn der legale Markt nicht dauerhaft durch illegale Importe unterlaufen wird.

Strengere Grenzwerte allein reichen deshalb nicht.

Neben neuen technischen Lösungen braucht es Kontrollen, nachvollziehbare Lieferketten und ein Vorgehen gegen Händler, die Kältemittel außerhalb der gesetzlichen Vorgaben in Verkehr bringen.

Für die Klimapolitik ist das eine ungewöhnliche, aber entscheidende Erkenntnis: Ein Teil des Kampfes gegen Treibhausgase findet nicht in Kraftwerken oder auf internationalen Klimakonferenzen statt, sondern bei Zollkontrollen, in Lagerhallen und entlang internationaler Handelswege.

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