Für Sparer stellt sich nach der Zinswende erneut eine entscheidende Frage: Wie lange sollte Geld fest angelegt werden? Wer sich die aktuellen Festgeldzinsen für mehrere Jahre sichert, erhält Planungssicherheit, kann aber von später steigenden Zinsen möglicherweise nicht profitieren. Bei kurzen Laufzeiten bleibt man dagegen beweglicher, trägt jedoch das Risiko, dass die Konditionen bei der nächsten Geldanlage bereits wieder schlechter sind.
Eine Möglichkeit, diesen Zielkonflikt zu entschärfen, ist die sogenannte Festgeld-Zinstreppe. Dabei wird das vorhandene Kapital nicht vollständig für eine einzige Laufzeit angelegt. Stattdessen verteilt der Anleger sein Geld auf mehrere Festgeldanlagen mit unterschiedlichen Fälligkeitsterminen.
So funktioniert die Zinstreppe
Das Prinzip ist vergleichsweise einfach. Ein Anlagebetrag wird beispielsweise in drei gleich große Teile aufgeteilt. Ein Teil wird für ein Jahr, der zweite für zwei Jahre und der dritte für drei Jahre festgelegt.
Nach einem Jahr wird die erste Anlage fällig. Das frei werdende Geld kann anschließend entweder verwendet oder erneut angelegt werden. Soll die Zinstreppe fortgeführt werden, wird der Betrag wiederum für die längste vorgesehene Laufzeit angelegt.
Ein Jahr später wird die ursprünglich zweijährige Anlage frei und kann nach demselben Prinzip wieder investiert werden. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein Kreislauf, bei dem regelmäßig ein Teil des Kapitals verfügbar wird.
Der entscheidende Unterschied zu einer einzigen langfristigen Festgeldanlage besteht darin, dass nicht das gesamte Geld bis zu einem bestimmten Termin gebunden ist.
Beispiel mit 30.000 Euro
Wer beispielsweise 30.000 Euro anlegen möchte, könnte daraus drei Festgeldanlagen zu jeweils 10.000 Euro bilden:
10.000 Euro für ein Jahr, 10.000 Euro für zwei Jahre und 10.000 Euro für drei Jahre.
Nach zwölf Monaten werden die ersten 10.000 Euro einschließlich der Zinsen frei. Benötigt der Sparer das Geld nicht, kann er es wieder für drei Jahre anlegen. Im folgenden Jahr wird die zweite ursprüngliche Anlage fällig und kann ebenfalls neu investiert werden.
Damit steht regelmäßig ein Teil des Vermögens zur Verfügung, während andere Teile weiterhin fest verzinst bleiben.
Keine Wette auf die weitere Zinsentwicklung
Die Zinstreppe garantiert allerdings nicht, dass Anleger damit die höchstmögliche Rendite erzielen.
Steigen die Festgeldzinsen in Zukunft kräftig, wäre es im Nachhinein möglicherweise günstiger gewesen, zunächst ausschließlich kurze Laufzeiten zu wählen. Fallen die Zinsen dagegen deutlich, könnte eine frühzeitig abgeschlossene langfristige Festgeldanlage vorteilhafter gewesen sein.
Der eigentliche Zweck der Strategie liegt deshalb in der Verteilung des Zinsänderungsrisikos. Anleger müssen sich nicht mit ihrem gesamten Kapital auf eine einzige Einschätzung über die zukünftige Zinsentwicklung festlegen.
Ein Teil des Geldes bleibt länger zu vereinbarten Konditionen investiert, während ein anderer Teil früher zur Wiederanlage zur Verfügung steht.
Festgeld bleibt trotzdem gebunden
Die zusätzliche Flexibilität darf jedoch nicht mit der Verfügbarkeit eines Tagesgeldkontos verwechselt werden. Während der vereinbarten Laufzeit können Sparer über Festgeld normalerweise nicht frei verfügen.
Deshalb eignet sich eine Zinstreppe vor allem für Kapital, das während der jeweiligen Laufzeiten voraussichtlich nicht benötigt wird. Eine ausreichende finanzielle Reserve für unerwartete Ausgaben sollte separat und kurzfristig verfügbar bleiben.
Einlagensicherung beachten
Neben dem Zinssatz und der Laufzeit spielt bei größeren Anlagebeträgen auch die Einlagensicherung eine wichtige Rolle.
Nach den Angaben im zugrunde liegenden Beitrag sind Guthaben im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung grundsätzlich bis 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt. Bei größeren Beträgen kann deshalb eine Verteilung auf mehrere Kreditinstitute sinnvoll sein.
Auch die Besteuerung der Zinsen spielt eine Rolle
Bei einer Zinstreppe entstehen durch die unterschiedlichen Laufzeiten möglicherweise auch zu verschiedenen Zeitpunkten Zinserträge. Dadurch können sich steuerliche Auswirkungen ergeben.
Der Ausgangstext weist darauf hin, dass die Verteilung von Zinserträgen über mehrere Jahre helfen kann, den jeweils verfügbaren Sparer-Pauschbetrag besser auszunutzen. Außerdem sollte gegebenenfalls ein Freistellungsauftrag bei der Bank berücksichtigt werden.
Für wen eine Zinstreppe interessant sein kann
Besonders interessant kann das Modell für Sparer sein, die sich nicht vollständig auf eine bestimmte zukünftige Zinsentwicklung festlegen möchten. Statt die Frage beantworten zu müssen, ob heute eine kurze oder lange Laufzeit die bessere Entscheidung sein wird, verteilen sie ihr Kapital auf verschiedene Zeiträume.
Die Strategie tauscht damit einen Teil der möglichen Maximalrendite gegen mehr Planbarkeit und regelmäßige Fälligkeiten.
Gerade in einem Zinsumfeld, in dem die weitere Entwicklung schwer vorherzusagen ist, liegt darin der wesentliche Gedanke der Zinstreppe: Nicht den perfekten Zeitpunkt und die perfekte Laufzeit treffen zu müssen, sondern das Risiko einer ungünstigen Entscheidung auf mehrere Anlagen zu verteilen.