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AfD im Osten bei 45 Prozent: Warum der Unterschied zwischen Ost und West noch immer so groß ist

IO-Images (CC0), Pixabay

Eine neue Umfrage zeigt einen gewaltigen politischen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Osten kommt die AfD auf 45 Prozent, die CDU dagegen nur auf zwölf Prozent. Bundesweit erreicht die AfD 28 Prozent und die Union 21 Prozent.

Doch warum ist der Unterschied auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung noch so groß?

Dafür gibt es nicht nur einen Grund. Wirtschaft, die Erfahrungen nach der Wiedervereinigung und eine große Unzufriedenheit mit der heutigen Politik spielen zusammen.

Der Osten hat aufgeholt – aber nicht überall

Seit 1990 hat sich in Ostdeutschland sehr viel verbessert. Städte wurden saniert, Straßen gebaut, Unternehmen gegründet und die Einkommen sind gestiegen.

Trotzdem gibt es weiterhin Unterschiede.

Besonders groß ist der Abstand beim Vermögen. Das mittlere Nettovermögen ostdeutscher Haushalte liegt bei rund 43.400 Euro. Im Westen sind es etwa 127.900 Euro.

Ein wichtiger Grund: Viele Familien im Westen konnten über mehrere Generationen Häuser, Grundstücke, Unternehmen oder Geldvermögen aufbauen und später vererben. In der DDR waren diese Möglichkeiten deutlich eingeschränkter.

Solche Unterschiede lassen sich nicht innerhalb weniger Jahrzehnte ausgleichen.

Die Jahre nach 1990 haben viele Menschen geprägt

Die Wiedervereinigung brachte den Ostdeutschen Freiheit und neue Möglichkeiten. Gleichzeitig war sie für viele Menschen ein harter wirtschaftlicher Einschnitt.

Betriebe wurden geschlossen, Arbeitsplätze gingen verloren und viele Menschen mussten sich beruflich völlig neu orientieren.

Hinzu kam eine starke Abwanderung. Vor allem viele junge und gut ausgebildete Menschen gingen in den Westen.

Manche Regionen leiden bis heute unter den Folgen: weniger Einwohner, eine ältere Bevölkerung, fehlende Fachkräfte und teilweise weniger Geschäfte, Ärzte oder andere Angebote.

Viele fühlen sich noch immer nicht gleichberechtigt

Neben Geld und Arbeitsplätzen geht es auch um das persönliche Gefühl.

Ein Teil der Menschen im Osten hat den Eindruck, dass wichtige Entscheidungen weiterhin überwiegend im Westen getroffen werden und Führungspositionen nicht ausreichend mit Ostdeutschen besetzt sind.

Dabei vergleichen sich die Menschen heute nicht mehr mit dem Lebensstandard der DDR.

Sie vergleichen ihre Situation mit der von Menschen im heutigen Westdeutschland. Und dabei werden Unterschiede bei Vermögen, Erbschaften und wirtschaftlichen Möglichkeiten weiterhin wahrgenommen.

Weniger feste Bindung an CDU und SPD

Im Westen konnten CDU/CSU und SPD über viele Jahrzehnte feste Wählergruppen aufbauen.

Im Osten gab es diese lange Bindung nach der Wiedervereinigung nicht. Viele Menschen wechseln deshalb leichter zwischen verschiedenen Parteien.

Früher profitierte davon besonders die Linke. Heute gelingt es vor allem der AfD, unzufriedene Wähler für sich zu gewinnen.

AfD profitiert von allgemeiner Unzufriedenheit

Dabei wählen Menschen die AfD aus unterschiedlichen Gründen.

Manche unterstützen ihre politischen Positionen. Andere wollen gegen die Bundesregierung oder das politische System protestieren. Themen wie Migration, Energiepreise, Wirtschaft, Russlandpolitik oder die Corona-Jahre spielen ebenfalls eine Rolle.

Die aktuelle Umfrage zeigt, wie groß die allgemeine Unzufriedenheit inzwischen ist.

Nur sieben Prozent der Menschen im Osten sind mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden. 91 Prozent sind unzufrieden.

Das trifft insbesondere die CDU.

55 Prozent vertrauen keiner Partei die Lösung der Probleme zu

Eine Zahl der Umfrage ist möglicherweise noch alarmierender als die 45 Prozent für die AfD im Osten.

Auf die Frage, welcher Partei die Menschen am ehesten zutrauen, Deutschlands Probleme zu lösen, nennen nur 13 Prozent die AfD und zwölf Prozent die Union.

55 Prozent sagen dagegen: keiner Partei.

Das zeigt: Es geht nicht nur um einen Höhenflug der AfD. Dahinter steckt auch ein großer Vertrauensverlust gegenüber der Politik insgesamt.

Der Unterschied zwischen Ost und West verschwindet nur langsam

Deutschland ist seit 36 Jahren wiedervereinigt. Trotzdem verschwinden Unterschiede, die über Jahrzehnte entstanden sind, nicht automatisch.

Straßen und Häuser kann man vergleichsweise schnell erneuern. Vermögen, Familiengeschichten, wirtschaftliche Strukturen und politische Erfahrungen verändern sich wesentlich langsamer.

Allerdings lässt sich die heutige Situation auch nicht mehr ausschließlich mit DDR und Wiedervereinigung erklären. Die Politik der vergangenen Jahre und die aktuelle Bundesregierung tragen selbst Verantwortung dafür, ob Menschen Vertrauen gewinnen oder verlieren.

Die 45 Prozent für die AfD im Osten sind deshalb nicht mit einem einzigen Grund zu erklären. Sie sind das Ergebnis aus alten Ost-West-Unterschieden und einer neuen, sehr starken Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Politik.

Genau das ist das eigentliche Warnsignal dieser Umfrage.

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