Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Bornhorster See Beteiligungs GmbH aus Bremen liefert ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite wächst die Bilanzsumme kräftig, das Bankguthaben hat sich mehr als verdreifacht und die Eigenkapitalquote liegt bei komfortablen 91,7 Prozent. Auf der anderen Seite schreibt die Gesellschaft erneut rote Zahlen – und der Jahresfehlbetrag steigt deutlich von 2.197,70 Euro auf 3.744,49 Euro. Das entspricht einer Verschlechterung um rund 70,4 Prozent.
Eine akute bilanzielle Krise ist daraus allerdings nicht abzulesen. Entscheidend ist eine andere Veränderung: Während Ende 2024 noch die Hälfte des Stammkapitals als nicht eingeforderte Einlage ausgewiesen wurde, stehen 2025 die kompletten 25.000 Euro als eingefordertes Kapital in der Bilanz. Diese Veränderung verschafft der kleinen Beteiligungsgesellschaft einen erheblichen Eigenkapitalpuffer.
Die Windpark Bornhorster See Beteiligungs GmbH wurde 2023 gegründet und ist unter HRB 39003 HB beim Amtsgericht Bremen registriert. Ihr Unternehmensgegenstand ist der Erwerb, das Halten und Verwalten von Beteiligungen an Windparkgesellschaften. Im Beteiligungsverzeichnis des wpd-Konzerns wurde die Gesellschaft zum 31. Dezember 2024 als 100-prozentige Beteiligung geführt.
Wichtig für die Einordnung ist deshalb: Die vorliegende Bilanz ist nicht automatisch die Bilanz eines operativen Windparks mit Windenergieanlagen im Millionenwert. Es handelt sich um eine Beteiligungs-GmbH. Entsprechend klein fällt ihre eigene Bilanz aus.
Die Bilanzsumme steigt von 8.833,62 Euro auf 17.192,18 Euro. Das ist ein Zuwachs von 8.358,56 Euro beziehungsweise rund 94,6 Prozent. Die Gesellschaft hat sich bilanziell innerhalb eines Jahres also nahezu verdoppelt.
Der wesentliche Treiber ist die Liquidität. Das Bankguthaben steigt von 3.833,62 Euro auf 12.192,18 Euro. Das entspricht einem Plus von 8.358,56 Euro beziehungsweise rund 218 Prozent. Die liquiden Mittel haben sich damit mehr als verdreifacht.
Zusammen mit den Finanzanlagen von unverändert 5.000 Euro besteht die Aktivseite aus nur zwei Positionen. Rund 70,9 Prozent des Vermögens liegen als Bankguthaben vor, die restlichen rund 29,1 Prozent entfallen auf Finanzanlagen.
Anders als bei manchen anderen kleinen Projekt- und Beteiligungsgesellschaften gibt es hier 2025 keinen sichtbaren Wertverlust der Finanzanlagen. Sie stehen sowohl 2024 als auch 2025 unverändert mit 5.000 Euro in der Bilanz. Nach den Angaben im Anhang werden Anteile an verbundenen Unternehmen grundsätzlich zu Anschaffungskosten beziehungsweise – soweit erforderlich – mit einem niedrigeren beizulegenden Wert angesetzt.
Aus dem unveränderten Buchwert lässt sich allerdings nicht ableiten, welchen wirtschaftlichen Marktwert die zugrunde liegende Beteiligung tatsächlich besitzt. Die 5.000 Euro sind ein handelsrechtlicher Bilanzwert und keine aktuelle Unternehmensbewertung.
Noch interessanter ist die Passivseite. Das Eigenkapital steigt von 7.012,92 Euro auf 15.768,43 Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 8.755,51 Euro beziehungsweise rund 124,9 Prozent.
Damit verbessert sich auch die Eigenkapitalquote deutlich. Sie steigt von rund 79,4 Prozent im Jahr 2024 auf 91,7 Prozent Ende 2025.
Das sieht zunächst nach einer ausgesprochen positiven Ergebnisentwicklung aus. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall: Das Unternehmen schreibt erneut Verlust, und dieser ist deutlich größer als im Vorjahr.
Der Jahresfehlbetrag erhöht sich von 2.197,70 Euro auf 3.744,49 Euro. Das sind 1.546,79 Euro mehr Verlust, entsprechend einem Anstieg um rund 70,4 Prozent.
Hinzu kommt der Verlustvortrag. Dieser wächst von 3.289,38 Euro auf 5.487,08 Euro. Der Verlust des Jahres 2024 ist damit im Wesentlichen in den Verlustvortrag des folgenden Jahres eingegangen.
Zum Jahresende 2025 stehen somit insgesamt
5.487,08 Euro Verlustvortrag plus 3.744,49 Euro Jahresfehlbetrag = 9.231,57 Euro kumulierte Verluste
in der Eigenkapitalrechnung.
Diese 9.231,57 Euro entsprechen bereits rund 36,9 Prozent des Stammkapitals von 25.000 Euro.
Das ist für die weitere Beobachtung eine wichtige Kennzahl. Innerhalb der noch jungen Gesellschaft hat sich bereits ein erheblicher Verlustsaldo angesammelt. Von einer existenzbedrohenden Situation kann anhand der Bilanz dennoch keine Rede sein, weil die Gesellschaft inzwischen das vollständige Stammkapital als eingefordert ausweist.
Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen 2024 und 2025.
Im Vorjahr betrug das gezeichnete Kapital zwar ebenfalls 25.000 Euro. Davon waren jedoch 12.500 Euro als nicht eingeforderte ausstehende Einlagen abgesetzt, sodass bilanziell lediglich 12.500 Euro eingefordertes Kapital verblieben.
2025 steht diese Position bei null. Das eingeforderte Kapital beträgt nun die kompletten 25.000 Euro.
Die Eigenkapitalrechnung ist deshalb ausgesprochen übersichtlich:
25.000 Euro eingefordertes Kapital
– 5.487,08 Euro Verlustvortrag
– 3.744,49 Euro Jahresfehlbetrag
= 15.768,43 Euro Eigenkapital.
Damit lässt sich auch erklären, weshalb das Eigenkapital trotz des höheren Verlusts um fast 125 Prozent steigt: Der bilanzielle Effekt des nun vollständig eingeforderten Stammkapitals ist wesentlich größer als der aktuelle Jahresfehlbetrag.
Dabei sollte allerdings sprachlich sauber unterschieden werden. Aus dem Abschluss lässt sich sicher feststellen, dass die zuvor als nicht eingefordert ausgewiesenen 12.500 Euro Ende 2025 nicht mehr offen sind und das eingeforderte Kapital nun 25.000 Euro beträgt. Der genaue gesellschaftsrechtliche und zahlungsbezogene Ablauf wird im vorliegenden Anhang nicht näher erläutert.
Die gute Nachricht für Gläubiger ist, dass die Gesellschaft keinerlei Verbindlichkeiten ausweist. Es gibt weder Bankkredite noch kurzfristige Lieferantenverbindlichkeiten noch Gesellschafterdarlehen in der vorliegenden Bilanz.
Als einzige fremdkapitalähnliche Position stehen Rückstellungen von 1.423,75 Euro in den Büchern. Im Vorjahr waren es noch 1.820,70 Euro. Die Rückstellungen sind damit um 396,95 Euro beziehungsweise rund 21,8 Prozent gesunken.
Den 1.423,75 Euro Rückstellungen stehen Bankguthaben von 12.192,18 Euro gegenüber. Das Bankguthaben beträgt damit mehr als das 8,5-Fache der Rückstellungen.
Aus einer reinen Stichtagsbetrachtung ergibt sich daher kein erkennbares Liquiditätsproblem. Selbst wenn sämtliche Rückstellungen kurzfristig zahlungswirksam würden, wäre dafür rechnerisch mehr als ausreichend Liquidität vorhanden.
Das eigentliche Thema ist deshalb nicht die Verschuldung, sondern die Ertragskraft.
Die Gesellschaft weist inzwischen das dritte Verlustelement ihrer kurzen Unternehmensgeschichte auf: Zum Jahresbeginn bestand bereits ein Verlustvortrag von 5.487 Euro, und 2025 kommen weitere 3.744 Euro hinzu. Gleichzeitig liefert der vorgelegte Abschluss keine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung, aus der ersichtlich wäre, wodurch dieser Verlust verursacht wurde.
Deshalb wäre es nicht belastbar, die 3.744 Euro beispielsweise bestimmten Verwaltungskosten, Beratungsleistungen oder Aufwendungen der Beteiligung zuzuordnen. Auch lässt sich aus der Bilanz nicht erkennen, ob und in welcher Höhe die Gesellschaft 2025 Beteiligungserträge vereinnahmt hat.
Gerade bei einer Beteiligungs-GmbH ist das entscheidend. Ihr wirtschaftlicher Zweck besteht laut Registerangaben im Erwerb, Halten und Verwalten von Beteiligungen an Windparkgesellschaften. Damit sollte langfristig die Frage gestellt werden, ob die gehaltenen Beteiligungen ausreichend Ausschüttungen oder andere Erträge liefern, um die laufenden Aufwendungen der Gesellschaft zu decken.
Bislang zeigt die Ergebnisentwicklung jedenfalls noch keine nachhaltige Profitabilität.
Dabei muss auch der Konzernzusammenhang berücksichtigt werden. Laut dem vom Nutzer vorgelegten Anhang wird die Gesellschaft in den Konzernabschluss der wpd GmbH einbezogen. Eine externe Quelle zum wpd-Konzern bestätigt zudem, dass die Windpark Bornhorster See Beteiligungs GmbH Ende 2024 als 100-prozentige Beteiligung aufgeführt wurde.
Eine isolierte Betrachtung dieser gerade einmal 17.192 Euro großen Bilanz sagt daher nur begrenzt etwas über die wirtschaftliche Größe des dahinterstehenden Windparkprojekts oder des Konzerns aus.
Für einen Gläubiger sieht die Einzelbilanz zunächst ausgesprochen komfortabel aus: 91,7 Prozent Eigenkapitalquote, keine bilanzierten Verbindlichkeiten und mehr als 12.000 Euro Liquidität bei lediglich rund 1.424 Euro Rückstellungen.
Für einen Investor stellt sich jedoch eine andere Frage: Warum schreibt eine Beteiligungsgesellschaft mit einer Finanzanlage von 5.000 Euro Jahr für Jahr Verluste – und wann beginnt die Beteiligungsstruktur, einen positiven Ergebnisbeitrag zu liefern?
Besonders deutlich wird die Situation bei einer hypothetischen Fortschreibung. Würde die Gesellschaft jedes Jahr erneut einen Verlust von rund 3.744 Euro erzielen und gäbe es keine Gewinne oder weiteren Kapitalmaßnahmen, wäre das derzeitige Eigenkapital von 15.768 Euro nach einigen Jahren weitgehend aufgezehrt. Das ist keine Prognose, sondern lediglich eine mathematische Sensitivitätsbetrachtung. Beteiligungserträge, Projektentwicklungen oder andere Effekte können die Entwicklung vollständig verändern.
Im direkten Jahresvergleich ist die Lage deshalb paradox: Die Bilanz ist 2025 erheblich stärker geworden, während sich das Jahresergebnis verschlechtert hat.
Das Vermögen steigt um 94,6 Prozent, die Liquidität um rund 218 Prozent und das Eigenkapital um knapp 125 Prozent. Gleichzeitig nimmt der Jahresverlust um rund 70 Prozent zu. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich vor allem durch die Veränderung beim eingeforderten Stammkapital.
Unter dem Strich präsentiert sich die Windpark Bornhorster See Beteiligungs GmbH zum 31. Dezember 2025 bilanziell solide und nahezu schuldenfrei. Von einer finanziellen Schieflage lässt sich anhand dieser Zahlen nicht sprechen. Die Gesellschaft besitzt eine sehr hohe Eigenkapitalquote und reichlich Liquidität im Verhältnis zu ihren ausgewiesenen Verpflichtungen.
Der kritische Punkt liegt woanders: 9.231,57 Euro kumulierte Verluste haben bereits rund 36,9 Prozent des Stammkapitals aufgezehrt. Das vollständige eingeforderte Kapital schafft derzeit einen komfortablen Puffer. Dieser Puffer sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesellschaft bislang Verluste produziert.
Der nächste Jahresabschluss wird deshalb besonders interessant. Entscheidend wird sein, ob der Fehlbetrag von 3.744 Euro nur eine typische Kostenphase einer jungen Beteiligungsgesellschaft widerspiegelt oder ob sich daraus ein dauerhaftes Muster entwickelt. Die Bilanz ist stabil – die Profitabilität ist es bislang nicht.