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Markus Lanz kritisiert Berichterstattung über Ostdeutschland: „So einfach kann man sich das nicht machen“

Tumisu (CC0), Pixabay

Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Markus Lanz deutliche Kritik an der Berichterstattung über Ostdeutschland geübt. In seiner Talkshow warnte der Moderator davor, Menschen im Osten vorschnell in bestimmte Schubladen zu stecken und insbesondere AfD-Wähler als dumm, rückständig oder grundsätzlich rechtsradikal darzustellen.

Lanz stört vor allem ein Journalismus, bei dem seiner Ansicht nach bereits vor einer Reportage festzustehen scheint, welches Bild am Ende gezeigt werden soll.

„Der vermeintlich doofe Ossi wird vorgeführt“

Lanz beschrieb seinen Eindruck sehr deutlich. In manchen Berichten werde ein bestimmter Mensch herausgesucht, der sich vor der Kamera möglicherweise nicht besonders gut ausdrücken könne. Anschließend werde dieser stellvertretend für eine ganze Region oder Wählergruppe gezeigt.

Über die Berichterstattung aus Ostdeutschland sagte Lanz:

„Da wird der vermeintlich doofe Ossi vorgeführt.“

Dahinter stehe sinngemäß die Botschaft: Dieser Mensch sei einfach gestrickt und wähle deshalb natürlich die AfD.

Genau gegen diese Verallgemeinerung wehrt sich Lanz.

Für ihn steht fest: Ostdeutschland lässt sich nicht auf solche Bilder reduzieren.

Lanz zieht Vergleich mit den USA

Der Moderator verglich die Situation mit Erfahrungen aus den USA.

Dort habe er eine ähnliche Art der Berichterstattung über Anhänger von Donald Trump beobachtet. Fernsehteams würden beispielsweise in die Südstaaten fahren und Menschen interviewen, die sich vor der Kamera möglicherweise nicht besonders gut ausdrücken könnten.

Durch die Art der Fragen könne dann ein bestimmtes Bild entstehen: der ungebildete, rückständige und rechte Trump-Wähler.

Lanz kritisiert daran, dass einzelne Menschen anschließend stellvertretend für Millionen andere stehen.

Seiner Ansicht nach hat diese Form der Berichterstattung viele Menschen verletzt und das Misstrauen gegenüber den Medien verstärkt.

„Ich weigere mich, zu glauben, dass der gesamte Osten so sein soll“

Genau diese Gefahr sieht Lanz inzwischen auch bei Berichten über Ostdeutschland.

Er sagte:

„Ich weigere mich, zu glauben, dass der gesamte Osten so sein soll. So ist er nicht!“

Medien müssten deshalb stärker darauf achten, welches Bild sie von einer ganzen Region zeichnen.

Besonders ärgert ihn die pauschale Verbindung zwischen Ostdeutschland, Rechtsextremismus und AfD-Wahlergebnissen.

Sein Eindruck sei teilweise: „Alle braun im Osten.“

Eine solche Darstellung werde der Wirklichkeit nicht gerecht.

Ostdeutsche nicht als „zurückgebliebene Hinterwäldler“ darstellen

Auch die Autorin Sabine Rennefanz kritisierte Erklärungsversuche, bei denen heutige politische Einstellungen im Osten pauschal mit Erfahrungen aus der DDR und der früheren Diktatur erklärt würden.

Lanz griff diesen Gedanken auf. Es werde teilweise so dargestellt, als gebe es bei Ostdeutschen aufgrund ihrer Geschichte einen besonderen „Defekt“.

Seine deutliche Reaktion:

„Die wollen nicht als zurückgebliebene Hinterwäldler dargestellt werden!“

Damit spricht Lanz einen Punkt an, der seit Jahren für Diskussionen sorgt: Werden politische Einstellungen in Ostdeutschland ausreichend differenziert betrachtet – oder wird zu schnell versucht, sie mit DDR-Vergangenheit, wirtschaftlichen Problemen oder vermeintlicher Rückständigkeit zu erklären?

Journalisten sollten nicht mit einem fertigen Urteil anreisen

Rennefanz kritisierte außerdem eine bestimmte Herangehensweise an Interviews mit AfD-Politikern.

Ihr sei aufgefallen, dass Journalisten teilweise bereits mit dem Ziel zu einem Gespräch fahren würden, den jeweiligen Politiker „entlarven“ zu wollen.

Ihre Schlussfolgerung:

„Ich glaube, wir kommen mit diesem Journalismus nicht weiter!“

Lanz stimmte ihr zu.

Besonders kritisch sieht er einen belehrenden Umgang mit AfD-Wählern. Er sprach von einem „elitären intellektuellen Gestus“, bei dem Menschen sinngemäß vermittelt werde: Du verstehst die Zusammenhänge nicht – wir erklären dir jetzt, wie die Welt funktioniert.

Wenn Menschen sich vorgeführt fühlen, reden sie irgendwann nicht mehr

Auch der Journalist Marc Felix Serrao sieht darin ein Problem. Durch manche Berichte sei der Eindruck entstanden, dass es nicht um eine objektive Darstellung gehe, sondern darum, Menschen vorzuführen.

Die Folge sei, dass sich diese Menschen zurückziehen und gegenüber Journalisten verschließen.

Das wiederum schafft ein weiteres Problem: Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen Medien nicht mehr vertrauen und nicht mehr mit Journalisten sprechen wollen, wird es noch schwieriger, ein wirklich vielfältiges Bild der Gesellschaft abzubilden.

Kritik an der Berichterstattung bedeutet keine Verharmlosung der AfD

Die Aussagen von Lanz bedeuten allerdings nicht, dass Journalisten die AfD oder extremistische Positionen weniger kritisch betrachten sollten.

Politiker müssen kritisch befragt, Aussagen überprüft und extremistische Entwicklungen benannt werden.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob über konkrete politische Positionen und Personen berichtet wird oder ob Millionen Menschen aufgrund ihres Wohnortes oder ihrer Wahlentscheidung pauschal beurteilt werden.

Ein AfD-Wähler ist nicht automatisch ungebildet. Ein Ostdeutscher ist nicht automatisch rechts. Und einzelne besonders auffällige Aussagen in einer Straßenumfrage bilden nicht automatisch die Meinung einer ganzen Region ab.

Eine notwendige Debatte über den Umgang mit Ostdeutschland

Lanz trifft mit seiner Kritik einen empfindlichen Punkt.

Gerade vor Wahlen richtet sich die Aufmerksamkeit der Medien besonders stark auf Regionen mit hohen AfD-Werten. Dabei besteht die Gefahr, dass immer wieder dieselben Bilder gezeigt werden: Protest, Wut, wirtschaftliche Probleme und besonders radikale Aussagen.

Dadurch kann beim Zuschauer der Eindruck entstehen, diese Ausschnitte würden den gesamten Osten Deutschlands darstellen.

Genau davor warnt Lanz.

Kritischer Journalismus muss Missstände und extremistische Positionen klar benennen. Er sollte Menschen aber nicht vorführen und schon gar nicht eine ganze Region über einzelne Stimmen definieren.

Wer Ostdeutsche ernst nehmen will, muss ihnen zuhören, ihre Aussagen kritisch prüfen und trotzdem akzeptieren, dass ihre politischen Entscheidungen unterschiedliche Gründe haben können.

Denn mit dem einfachen Bild vom „doofen Ossi“ lässt sich weder Ostdeutschland erklären noch verstehen, warum sich ein Teil seiner Bevölkerung von Politik und Medien nicht mehr vertreten fühlt.

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