Eine angebliche Belohnungsaktion im Namen des ADAC sorgt derzeit für eine neue Phishing-Warnung. Empfänger werden mit einer vermeintlich kostenlosen Auto-Kühlbox im Wert von 129 Euro gelockt. Dafür sollen sie lediglich an einer kurzen Umfrage teilnehmen. Tatsächlich führt die Aktion nach den vorliegenden Informationen jedoch nicht zu einem offiziellen Angebot des Automobilclubs, sondern in eine Daten- und Zahlungsfalle.
Die Masche ist geschickt aufgebaut, weil sie zunächst relativ harmlos erscheint. Statt einer angeblichen Kontosperrung, einer hohen Rechnung oder einer dramatischen Sicherheitswarnung versprechen die Absender schlicht ein Geschenk. Eine kurze Umfrage soll genügen, um eine hochwertige Kühlbox zu erhalten.
Genau dieses Belohnungsprinzip soll die Empfänger dazu bringen, ihre Skepsis abzulegen.
Die Nachricht trägt laut dem vorliegenden Bericht den Titel „ADAC Umfrage-Belohnung“ und beginnt mit der Anrede „liebe ADAC-Fans“. Anschließend sollen die Empfänger über einen Button an einer angeblich nur zwei Minuten dauernden Befragung teilnehmen und danach ihre Lieferadresse bestätigen.
Doch spätestens beim angeblichen Versand wird aus dem kostenlosen Geschenk plötzlich ein Geschäft: Für die Lieferung der Kühlbox sollen 2,85 Euro bezahlt werden.
Aus der Gratis-Kühlbox werden plötzlich 2,85 Euro Versandkosten
Gerade der geringe Betrag dürfte Teil der psychologischen Wirkung der Masche sein.
Wer glaubt, eine Kühlbox im Wert von 129 Euro zu erhalten, könnte 2,85 Euro Versandkosten für nebensächlich halten. Das Verhältnis wirkt schließlich verlockend: wenige Euro bezahlen und dafür angeblich ein Produkt erhalten, das ein Vielfaches wert sein soll.
Doch genau an dieser Stelle können Zahlungsdaten ins Spiel kommen.
Nach dem vorliegenden Bericht warnt Mimikama vor der Aktion und stuft sie als Phishing-Versuch ein. Die Nachricht soll Nutzer dazu bringen, persönliche Informationen preiszugeben und Zahlungen vorzunehmen.
Dabei ist wichtig: Aus der Quelle lässt sich nicht ableiten, dass bei jedem Empfänger automatisch Geld abgebucht oder jede eingegebene Information zwingend missbraucht wird. Entscheidend ist vielmehr, dass die Nachricht als betrügerische beziehungsweise Phishing-Kampagne identifiziert wurde und die angegebenen Links nicht zu einer offiziellen ADAC-Aktion führen sollen.
Zeitdruck soll zum schnellen Klick verleiten
Zusätzlich arbeitet die Nachricht mit einem bekannten Manipulationsmittel: künstlicher Zeitknappheit.
Die angebliche Belohnung soll nur noch am selben Tag verfügbar sein. Wer nicht schnell genug reagiert, dem wird suggeriert, dass die Kühlbox anschließend an einen anderen Teilnehmer vergeben werde.
Gleichzeitig wird eine Lieferung innerhalb von drei Werktagen versprochen.
Damit werden mehrere psychologische Reize kombiniert: ein vermeintlich wertvolles Geschenk, sehr geringer eigener Aufwand, niedrige Versandkosten und die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen.
Genau dieser Zeitdruck ist bei verdächtigen Nachrichten ein Warnsignal. Wer glaubt, innerhalb weniger Stunden handeln zu müssen, prüft Absender, Internetadresse und Geschäftsbedingungen möglicherweise weniger sorgfältig.
Die Absenderadressen haben mit dem ADAC nichts zu tun
Bei genauerem Hinsehen zeigen sich laut Bericht allerdings gleich mehrere Auffälligkeiten.
Die Nachrichten kommen beispielsweise von Domains wie „carpecool.fr“ oder „salmonserenade.com“. Diese haben nach den vorliegenden Informationen keine Verbindung zum ADAC.
Als Absendername erscheint teilweise „ADAC Umfrage-Insider“. Hinzu kommt die ungewöhnlich allgemeine Anrede „Lieber ADAC-Fan“.
Besonders deutlich wird die Sache beim eigentlichen Umfrage-Button: „JETZT UMFRAGE STARTEN“ führt laut Bericht nicht auf eine offizielle Seite des ADAC.
Damit gibt es eine ganze Reihe von Warnsignalen gleichzeitig.
Das größte davon ist jedoch der Widerspruch im Angebot selbst: Angeblich wird die Kühlbox kostenlos verschenkt – trotzdem sollen Zahlungsinformationen für Versandkosten angegeben werden.
Der bekannte Markenname schafft Vertrauen
Die Täter setzen offenbar darauf, dass der Name ADAC bei vielen Menschen sofort Vertrauen erzeugt.
Gerade das macht Phishing im Namen großer Unternehmen oder Organisationen so wirkungsvoll. Ein Empfänger muss die Absender nicht kennen. Es reicht, wenn ihm das Logo oder der Name vertraut erscheint.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der ADAC selbst hinter der Nachricht steht.
Im Gegenteil: Nach den vorliegenden Informationen wird der Name des Automobilclubs für die Kampagne missbraucht. Die angebliche Umfrage ist keine offizielle ADAC-Aktion.
Für Verbraucher ist deshalb eine einfache Regel hilfreich: Nicht danach urteilen, welches Logo in einer E-Mail angezeigt wird, sondern überprüfen, wohin ein Link tatsächlich führt und von welcher Domain die Nachricht stammt.
Ein Logo lässt sich kopieren. Ein bekannter Firmenname lässt sich in eine E-Mail schreiben. Beides beweist nicht, dass die Nachricht tatsächlich vom genannten Unternehmen stammt.
Wer die Nachricht erhält, sollte nicht auf den Button klicken
Wer eine solche angebliche ADAC-Umfrage erhält, sollte den enthaltenen Button nicht öffnen und dort keine persönlichen oder finanziellen Daten eingeben.
Offizielle Angebote lassen sich unabhängig von der verdächtigen Nachricht über die bekannte Internetpräsenz oder App des ADAC überprüfen. Die Phishing-Nachricht sollte gelöscht beziehungsweise als Spam markiert werden.
Besonders wichtig wird es für Menschen, die bereits Zahlungsinformationen eingegeben haben.
In diesem Fall empfiehlt die Quelle, unverzüglich die eigene Bank oder den Kreditkartenanbieter zu kontaktieren, um mögliche Schäden zu begrenzen.
Darüber hinaus sollten Betroffene genau beobachten, ob ungewöhnliche Abbuchungen auftreten. Wurden Zugangsdaten oder Passwörter eingegeben, sollten diese beim echten Dienst über den selbst aufgerufenen offiziellen Zugang geändert werden – insbesondere dann, wenn dasselbe Passwort auch an anderer Stelle verwendet wurde.
Ein Geschenk, das keines ist
Die aktuelle Masche zeigt, dass Phishing längst nicht mehr ausschließlich mit Drohungen funktioniert.
Manchmal reicht ein vermeintliches Schnäppchen.
129 Euro Warenwert, zwei Minuten Umfrage, 2,85 Euro Versand – und nur heute verfügbar. Das Angebot ist so konstruiert, dass der Aufwand klein und der versprochene Gewinn groß erscheint. Gleichzeitig erzeugt die angebliche Befristung Handlungsdruck.
Doch mehrere Details verraten die Fälschung: fremde Absenderdomains, eine ungewöhnliche Anrede, ein Link außerhalb der offiziellen ADAC-Seiten und die Forderung nach einer Zahlung für ein angebliches Gratisgeschenk.
Die entscheidende Warnung lautet deshalb: Es gibt im Rahmen dieser Nachricht keine kostenlose ADAC-Kühlbox. Wer die vermeintliche Belohnung abholen will, riskiert stattdessen, persönliche oder finanzielle Daten an die Betreiber der Phishing-Seite zu übermitteln.
Aus dem versprochenen Geschenk kann so innerhalb weniger Klicks eine kostspielige Falle werden.