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dm führt Wero ein: Europäische PayPal-Alternative erreicht einen der größten deutschen Online-Händler

Hans (CC0), Pixabay

Für Wero ist die Einführung bei dm ein wichtiger Schritt. Bislang kämpft die noch junge Bezahllösung vor allem darum, eine größere Reichweite im europäischen Online-Handel aufzubauen. Mit dm kommt nun ein Händler hinzu, dessen Online-Geschäft zu den bedeutenden E-Commerce-Angeboten für Produkte des täglichen Bedarfs in Deutschland zählt.

Zunächst befindet sich die Integration allerdings noch in der Testphase. Nach einem abschließenden Funktionstest soll Wero ab dem 25. August für alle Kunden des dm-Onlineshops verfügbar sein.

dm will bei Wero früh dabei sein

Das Unternehmen betrachtet die neue Zahlungsmethode offenbar nicht lediglich als weitere Option im Checkout. dm-Finanzchef Martin Dallmeier sieht nach Angaben von COMPUTER BILD durchaus Chancen für eine größere Bedeutung des europäischen Systems.

„Wir glauben, dass Wero ein relevantes Zahlungsmittel werden kann. Deshalb wollen wir als einer der Ersten dabei sein“, wird Dallmeier zitiert.

Für dm bedeutet die Integration zunächst vor allem mehr Auswahl. Kunden können bereits zwischen mehreren etablierten Zahlungswegen wählen. Wero muss sich damit nicht nur gegen PayPal behaupten, sondern konkurriert indirekt auch mit Kreditkarten, Klarna und den Wallet-Angeboten großer Technologiekonzerne.

Was steckt hinter Wero?

Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. Das ambitionierte Ziel: Europa soll eine eigene, grenzüberschreitende digitale Zahlungsinfrastruktur bekommen und bei alltäglichen Zahlungen weniger stark von amerikanischen Anbietern abhängig sein.

Wero soll dabei unterschiedliche Zahlungsanwendungen in einer Plattform zusammenführen. Neben direkten Geldtransfers zwischen Privatpersonen wird insbesondere das Bezahlen bei Händlern zu einem entscheidenden Baustein.

Der Aufbau einer solchen Alternative ist allerdings anspruchsvoll. Ein Bezahlsystem wird für Verbraucher erst dann wirklich attraktiv, wenn es bei genügend Händlern akzeptiert wird. Gleichzeitig lohnt sich die Integration für Händler besonders dann, wenn bereits genügend Kunden das System verwenden. Genau deshalb sind große Handelspartner für Wero von erheblicher Bedeutung.

Sieben Millionen Wero-Konten – PayPal bleibt deutlich größer

Noch liegen zwischen Wero und dem Marktführer erhebliche Größenunterschiede. Laut den im Bericht genannten Zahlen kommt Wero inzwischen auf mehr als sieben Millionen registrierte Konten.

PayPal soll allein in Deutschland rund 39 Millionen Nutzerinnen und Nutzer erreichen.

Die gelegentlich verwendete Bezeichnung als „PayPal-Killer“ ist daher vorerst eher Ausdruck der Ambitionen als eine Beschreibung der tatsächlichen Marktverhältnisse. Entscheidend wird sein, ob Wero in den kommenden Jahren sowohl auf Kundenseite als auch bei Händlern eine kritische Masse erreicht.

Die Voraussetzungen verbessern sich zumindest: Neben dm akzeptieren laut dem vorliegenden Bericht bereits Lidl und Decathlon Wero als Zahlungsmethode. Damit taucht das System zunehmend bei großen und bekannten Handelsunternehmen auf.

Warum Wero für Händler interessant sein könnte

Neben dem politischen und wirtschaftlichen Wunsch nach einer europäischen Zahlungsinfrastruktur gibt es für Händler einen sehr praktischen Grund, sich Wero genauer anzusehen: die Kosten.

Zahlungsdienstleister verlangen für die Abwicklung von Transaktionen Gebühren. Bei großen Online-Händlern können bereits geringe Unterschiede bei den prozentualen Kosten erhebliche Summen ausmachen.

COMPUTER BILD verweist auf Zahlen des EHI Retail Institute, wonach PayPal Händler im Durchschnitt 1,94 Prozent des Umsatzes koste. Wero soll günstiger sein. Wie groß der tatsächliche Kostenvorteil für dm ausfällt, geht aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht hervor.

Sollte sich Wero tatsächlich dauerhaft unter den etablierten Zahlungsmethoden positionieren und gleichzeitig niedrigere Händlergebühren verlangen, könnte das den Wettbewerb im europäischen Zahlungsmarkt erhöhen.

Wero könnte später auch in dm-Filialen kommen

Besonders interessant ist, dass dm offenbar nicht ausschließlich an den Online-Shop denkt. Sollte sich die Zahlungsmethode im Internet bewähren und von genügend Kunden angenommen werden, könnte eine Einführung in den stationären dm-Märkten folgen.

Damit würde Wero einen wichtigen nächsten Schritt machen. Denn dm verfügt über ein dichtes Filialnetz und erreicht täglich eine große Zahl von Kunden. Eine Integration an den Ladenkassen könnte die Sichtbarkeit der europäischen Bezahllösung erheblich erhöhen.

Eine konkrete Zusage oder einen Termin für eine Einführung in den Filialen gibt es dem Bericht zufolge allerdings noch nicht. Zunächst dürfte dm beobachten, wie häufig Kunden Wero beim Online-Einkauf tatsächlich auswählen.

Mehr als nur ein neuer Button im Checkout

Die Einführung ist zugleich Teil einer größeren Entwicklung auf dem europäischen Zahlungsmarkt. Über Jahre haben sich US-amerikanische Unternehmen und internationale Kartennetzwerke eine starke Stellung bei digitalen Zahlungen aufgebaut. Mit Wero versucht die europäische Bankenbranche, eine eigene Alternative zu etablieren.

Dabei scheint dm nicht davon auszugehen, dass künftig ein einzelner Anbieter alle anderen verdrängen wird. Finanzchef Dallmeier erwartet vielmehr ein Nebeneinander verschiedener Systeme – von europäischen und internationalen Zahlungsinfrastrukturen über digitale Wallets bis hin zu neuen, KI-gestützten Einkaufsmöglichkeiten.

Für Wero dürfte genau diese Offenheit eine Chance darstellen. Das System muss PayPal nicht zwangsläufig vollständig ersetzen, um erfolgreich zu sein. Schon eine relevante Position als zusätzliche Bezahlmethode könnte den Wettbewerb verändern.

dm wird zum wichtigen Praxistest für Wero

Mit dem Start bei dm erhält Wero nun die Gelegenheit, sich bei einem großen deutschen Online-Händler im Alltag zu beweisen. Entscheidend dürfte weniger sein, dass Kunden einen weiteren Zahlungsbutton angezeigt bekommen, sondern wie viele ihn tatsächlich verwenden.

Für dm wiederum könnte sich die Integration doppelt auszahlen: Das Unternehmen erweitert die Auswahl für seine Kunden und unterstützt gleichzeitig eine europäische Zahlungsinfrastruktur, die möglicherweise niedrigere Transaktionskosten verspricht.

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