Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten innerhalb der König Gruppe in Moringen erfassen eine weitere Gesellschaft. Nachdem für die König SE & Co. KG ein Insolvenzantragsverfahren in vorläufiger Eigenverwaltung läuft, ist nun auch die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH von einem Insolvenzantragsverfahren betroffen.
Das Amtsgericht Göttingen hat am 19. August 2026 um 18.30 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gesellschaft angeordnet. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 71 IN 71/26 NOM geführt.
Firmensitz der König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH ist die Nienhagener Straße 30, 37186 Moringen. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Göttingen unter HRB 207014 eingetragen. Sie wurde im März 2023 gegründet und verfügt über ein Stammkapital von 25.000 Euro.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Markus Kohlstedt aus Hannover. Verfügungen der Gesellschaft sind seit der gerichtlichen Anordnung nur noch mit seiner Zustimmung wirksam.
Damit unterscheidet sich dieses Verfahren wesentlich von dem nahezu zeitgleich eingeleiteten Verfahren über das Vermögen der König SE & Co. KG. Während diese ihr Vermögen im Rahmen einer vorläufigen Eigenverwaltung weiterhin selbst verwalten darf und Kohlstedt dort als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde, steht die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH unter einer klassischen vorläufigen Insolvenzverwaltung mit Zustimmungsvorbehalt.
Verwaltungs-GmbH ist persönlich haftende Gesellschafterin des Produktionsunternehmens
Die Bedeutung des neuen Insolvenzverfahrens erschließt sich insbesondere aus der gesellschaftsrechtlichen Funktion der König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH.
Sie ist die Komplementärin und damit persönlich haftende Gesellschafterin der König Profilsysteme GmbH & Co. KG. Das operative Produktionsunternehmen hat ebenfalls seinen Sitz in der Nienhagener Straße 30 in Moringen und ist beim Amtsgericht Göttingen unter HRA 202189 eingetragen. Auch auf den aktuellen Internetseiten von König wird die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH ausdrücklich als Komplementärin der operativen Gesellschaft ausgewiesen.
Der Unternehmensgegenstand der Verwaltungs-GmbH besteht dementsprechend in der Übernahme der Geschäftsführung als persönlich haftende Gesellschafterin sowie in allen damit verbundenen Geschäften. Dabei soll sie insbesondere den Unternehmenszweck der König Profilsysteme GmbH & Co. KG fördern.
Dieser operative Unternehmenszweck ist bemerkenswert breit gefächert. Er umfasst die Herstellung von Profilsystemen für Innenausbau und Trockenbau ebenso wie Produkte für Photovoltaik, Industrie und Logistik sowie Sonderkonstruktionen. Genau diese Tätigkeitsbereiche sind auch im Handelsregister als Bestandteil des Unternehmensgegenstandes der Verwaltungs-GmbH dokumentiert.
Metallprofile und Stanzteile bilden das traditionelle Kerngeschäft
Die König Profilsysteme GmbH & Co. KG ist ein produzierendes Industrieunternehmen. In Moringen werden Metallprofile und Zubehörteile für den modernen Innenausbau hergestellt. Hinzu kommen komplexe Stanzteile sowie individuell entwickelte Spezialprofile für Industriekunden.
Eine besondere Kompetenz besitzt das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Profil und Stanztechnik. Der Schwerpunkt liegt auf der Kaltverformung von Spaltbändern. Durch Rollverformungs und Stanzverfahren können Metallprofile in unterschiedlichen Formen und Materialqualitäten produziert werden.
Die Produkte werden unter anderem im Bauwesen, Maschinenbau, Möbel und Innenausbau sowie in der Automobilindustrie eingesetzt. Daneben beliefert König den Baustofffachhandel mit Metallprofilen, Zubehörteilen und Systemen für den Innen und Trockenbau. Die Produkte werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in andere europäische Länder verkauft.
Für Industriekunden werden darüber hinaus kundenspezifische Spezialprofile entwickelt. Nach Angaben des Unternehmens reicht das Leistungsspektrum von der technischen Entwicklung und Beratung bis zur eigentlichen Serienfertigung.
König investierte zehn Millionen Euro in neues Werk in Moringen
Das Produktionsgeschäft wurde in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Bereits 2010 begann König mit der Fertigung von Spezialprofilen. In den Jahren 2015 und 2016 entstanden zusätzliche Hallen für Logistik und Spezialprofile. Anschließend wurden weitere Profilieranlagen in Betrieb genommen.
Im Jahr 2020 begann der Aufbau eines zweiten Produktionsstandortes im Industriegebiet von Moringen. Das neue Werk für kundenindividuelle Spezialprofile wurde im Sommer 2021 offiziell eingeweiht.
Nach Angaben der König Gruppe belief sich die Investition auf rund zehn Millionen Euro. Errichtet wurden unter anderem eine rund 3.500 Quadratmeter große Fertigungs und Lagerhalle, etwa 10.000 Quadratmeter zusätzliche Verkehrs und Lagerflächen sowie ein zweigeschossiges Büro und Sozialgebäude.
Die Investition wurde seinerzeit ausdrücklich als langfristiges Bekenntnis zum Produktionsstandort Moringen dargestellt.
Photovoltaik entwickelte sich zu einem weiteren Geschäftsfeld
Besonders interessant ist die Entwicklung des Unternehmens im Bereich erneuerbare Energien. König beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf klassische Profile für Trockenbau und Industrie, sondern produziert auch Komponenten für Photovoltaikanlagen.
Zum Portfolio gehören Montagesysteme und Stahlprofile für Photovoltaik Freiflächenanlagen. Das Unternehmen verbindet dabei seine langjährige Erfahrung in der Rollformtechnik mit der Fertigung von Unterkonstruktionen für Solarparks.
Auf der aktuellen Unternehmensdarstellung wird die Entwicklung und Fertigung von Profilen für Photovoltaik ausdrücklich als eigenes Geschäftsfeld genannt. Als vergleichsweise neues Produkt werden Solarmontagesysteme angeboten, die auf Kundenwunsch auch aus CO2 reduziertem Stahl gefertigt werden können.
Damit gehört das operative Unternehmen hinter der nun insolvenzbetroffenen Verwaltungs-GmbH auch zur Zulieferindustrie für große Photovoltaikprojekte.
Geschäft lief noch 2026 weiter
Von besonderer Bedeutung für die Einordnung der jetzigen Insolvenz ist, dass das operative Geschäft der König Profilsysteme GmbH & Co. KG noch im laufenden Jahr 2026 nach außen aktiv auftrat.
Noch im Dezember 2025 informierte das Unternehmen seine Kunden über eine deutliche Preiserhöhung für das gesamte Trockenbausortiment zum 1. Februar 2026. Als Grund wurden erheblich gestiegene Stahlpreise bei gleichzeitig sehr niedrigen Verkaufspreisen für die Endprodukte genannt.
König kündigte deshalb eine Preiserhöhung von rund 15 Prozent an. In dem Kundenschreiben erklärte das Unternehmen, dass das bisherige Preisniveau angesichts der gestiegenen Beschaffungskosten nicht mehr gehalten werden könne.
Diese Mitteilung ist im Zusammenhang mit der jetzigen Entwicklung durchaus auffällig. Sie belegt einerseits, dass das operative Geschäft Anfang 2026 weiterlief. Andererseits zeigt sie, dass insbesondere das traditionelle Trockenbaugeschäft bereits mit erheblichem Kostendruck konfrontiert war.
Ob die gestiegenen Stahlpreise, niedrige Verkaufspreise oder andere wirtschaftliche Belastungen tatsächlich ursächlich für die jetzigen Insolvenzanträge waren, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Der Gerichtsbeschluss nennt keine Insolvenzursachen.
Auch die aktuellen Unternehmensseiten sind weiterhin erreichbar und präsentieren Ansprechpartner für Deutschland, Export und Spezialprofile.
Zwei Insolvenzverfahren innerhalb der König Gruppe am selben Tag
Besondere Aufmerksamkeit verdient die zeitliche Nähe der Verfahren.
Am 19. August 2026 wurde zunächst für die König SE & Co. KG unter dem Aktenzeichen 71 IN 68/26 NOM die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.
Am selben Tag folgte unter dem Aktenzeichen 71 IN 71/26 NOM die vorläufige Insolvenzverwaltung über die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH.
In beiden Verfahren wurde Rechtsanwalt Markus Kohlstedt aus Hannover eingesetzt, allerdings in unterschiedlichen Funktionen. Bei der König SE & Co. KG fungiert er als vorläufiger Sachwalter. Bei der König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH wurde er zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass die wirtschaftlichen Probleme nicht lediglich eine isolierte Gesellschaft innerhalb der König Gruppe betreffen.
Operative König Profilsysteme GmbH & Co. KG genau unterscheiden
Entscheidend ist allerdings eine gesellschaftsrechtliche Unterscheidung: Der vorliegende Beschluss betrifft die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH mit der Handelsregisternummer HRB 207014.
Diese Gesellschaft produziert nicht selbst die Metallprofile und Photovoltaiksysteme. Ihre wesentliche Aufgabe besteht in der Geschäftsführung und ihrer Stellung als persönlich haftende Gesellschafterin der operativen König Profilsysteme GmbH & Co. KG.
Die eigentliche Produktionsgesellschaft ist die König Profilsysteme GmbH & Co. KG, Amtsgericht Göttingen HRA 202189. Sie tritt gegenüber Kunden auf, betreibt die Produktion in Moringen und vermarktet die Profilsysteme.
Allein aus dem Beschluss vom 19. August 2026 über die Verwaltungs-GmbH darf deshalb nicht geschlossen werden, dass damit automatisch auch über das Vermögen der König Profilsysteme GmbH & Co. KG ein Insolvenzverfahren angeordnet wurde.
Die Insolvenz der Komplementär und Geschäftsführungsgesellschaft ist für die operative Gesellschaft dennoch von erheblicher Bedeutung. Sie betrifft unmittelbar eine Gesellschaft, die in deren gesellschaftsrechtliche Leitung eingebunden ist.
Damit sind innerhalb kürzester Zeit mindestens zwei zentrale Gesellschaften aus dem Umfeld der traditionsreichen König Gruppe Gegenstand von Insolvenzantragsverfahren geworden. Welche Auswirkungen dies auf die Produktion von Trockenbau und Industrieprofilen, das Photovoltaikgeschäft, die Beschäftigten und die weitere Struktur der Unternehmensgruppe haben wird, lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Gerichtsbeschlüsse noch nicht abschließend beurteilen.