E-Scooter gehören längst zum Straßenbild deutscher Städte. Während lange Zeit vor allem die Fahrzeuge großer Verleihfirmen dominierten, entscheiden sich inzwischen immer mehr Menschen für einen eigenen Roller. Nach den von BR24 genannten Daten waren 2025 rund 1,4 Millionen private E-Scooter versichert – etwa 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Vier von fünf versicherten E-Scootern befinden sich demnach mittlerweile in Privatbesitz.
Doch ein eigener Roller ist nicht automatisch für jeden die günstigste oder praktischste Lösung.
Für Pendler kann sich der Kauf rechnen
Besonders interessant sind private E-Scooter für Menschen, die regelmäßig kurze Strecken zurücklegen – beispielsweise von der Wohnung zum Bahnhof oder für den Arbeitsweg. Ideal sind eher ebene Strecken ohne größere Steigungen.
Finanziell muss zunächst mit einer größeren Anschaffung gerechnet werden. Gute Modelle kosten laut BR24 ungefähr 500 bis 800 Euro. Die laufenden Stromkosten fallen dagegen gering aus: Eine vollständige Akkuladung kostet meist höchstens rund 20 Cent.
Wer täglich fährt, kann deshalb gegenüber regelmäßig gemieteten Scootern langfristig Geld sparen. Allerdings kommen Versicherung, mögliche Reparaturen und Verschleiß hinzu.
Reichweitenangaben mit Vorsicht betrachten
Ein wichtiger Punkt beim Kauf ist die tatsächliche Reichweite. In Tests erreichten die untersuchten Modelle etwa 34 bis 48 Kilometer. Die real erzielten Werte können dabei bis zu 40 Prozent unter den Herstellerangaben liegen.
Das ist nicht zwangsläufig ein technischer Mangel. Herstellerangaben entstehen häufig unter günstigen Testbedingungen. Im Alltag beeinflussen unter anderem Fahrergewicht, Außentemperatur, Geschwindigkeit und Reifendruck die Reichweite.
Wer einen E-Scooter kaufen möchte, sollte deshalb nicht allein auf die Kilometerzahl im Prospekt schauen.
Sicherheit sollte wichtiger sein als der Preis
Gerade bei günstigen Angeboten lohnt sich ein genauer Blick auf die Verarbeitung. Im von BR24 beschriebenen ADAC-Test fielen zwei von zehn untersuchten Modellen durch. Bei zwei Rollern kam es sogar zu Lenkerbrüchen.
Besonders wichtig sind zuverlässige und gut dosierbare Bremsen, eine ausreichende Beleuchtung und gut erkennbare Blinker. Eine Probefahrt vor dem Kauf kann helfen, Fahrverhalten, Bremswirkung und Bedienung einzuschätzen.
Problematisch bleiben außerdem die vergleichsweise kleinen Räder vieler Modelle. Schlaglöcher, Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen können schnell zur Sturzgefahr werden.
Ohne Versicherung geht es nicht
Ein E-Scooter benötigt in Deutschland zwar keine klassische Fahrzeugzulassung. Voraussetzung für die Nutzung im öffentlichen Straßenverkehr sind aber eine entsprechende Betriebserlaubnis und eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Das Versicherungskennzeichen muss regelmäßig erneuert werden.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Manipulationen zur Erhöhung der Geschwindigkeit können erhebliche rechtliche Konsequenzen haben. Auch der nachträgliche Einbau eines Sitzes ist problematisch, weil sich dadurch die rechtliche Einordnung des Fahrzeugs verändern kann.
Gefahren wird grundsätzlich auf Radwegen beziehungsweise – sofern diese nicht vorhanden sind – auf der Straße. Gehwege und Fußgängerzonen sind grundsätzlich tabu, sofern sie nicht ausdrücklich für E-Scooter freigegeben wurden.
Das Mindestalter beträgt 14 Jahre, ein Führerschein ist nicht erforderlich. Zwei Personen dürfen nicht gemeinsam auf einem Roller fahren.
Alkohol und Smartphone können auch den Führerschein gefährden
Unterschätzt werden häufig die verkehrsrechtlichen Konsequenzen von Fehlverhalten. Für Alkohol gelten beim E-Scooter vergleichbare Grenzen wie beim Autofahren. Auch die Nutzung des Smartphones während der Fahrt ist verboten.
Damit kann eine vermeintlich harmlose Fahrt mit dem E-Scooter Auswirkungen auf einen vorhandenen Autoführerschein haben.
Angesichts steigender Unfallzahlen gewinnt die Sicherheitsausstattung zusätzlich an Bedeutung. Nach dem vorliegenden BR24-Bericht gelten ab 2027 verschärfte technische Vorgaben für neue E-Scooter, unter anderem hinsichtlich Blinkern und Bremsen.
Helm freiwillig – aber sinnvoll
Eine allgemeine Helmpflicht besteht in Deutschland derzeit nicht. Dennoch sprechen Sicherheitsargumente dafür, einen Helm zu tragen. Gerade Stürze über den Lenker können schwere Kopfverletzungen verursachen.
Andere europäische Länder beziehungsweise Städte gehen teilweise weiter: BR24 verweist unter anderem auf entsprechende Helmvorgaben in Österreich und Italien sowie strengere Regelungen in Paris.
Fazit: Für regelmäßige Fahrer interessant
Ein eigener E-Scooter kann sich vor allem für Menschen lohnen, die mehrmals pro Woche kurze Strecken fahren, eine sichere Abstellmöglichkeit besitzen und den Roller nicht regelmäßig in Bus oder Bahn transportieren müssen.
Wer dagegen nur gelegentlich einen Scooter benötigt, keinen sicheren Abstellplatz hat oder häufig öffentliche Verkehrsmittel nutzt, sollte den Kauf genauer abwägen.
Der niedrige Stromverbrauch macht den eigenen E-Scooter zwar zu einem vergleichsweise günstigen Verkehrsmittel. Entscheidend sollte beim Kauf aber nicht der niedrigste Preis sein. Bremsen, Verarbeitung, Beleuchtung, reale Reichweite und Fahrsicherheit sind die wichtigeren Kriterien.