Ein vollständiger Wegfall der Mehrwertsteuer auf Strom könnte die Stromrechnung deutscher Haushalte deutlich reduzieren. Nach einem fiktiven Rechenbeispiel des Vergleichsportals Verivox würde der durchschnittliche Strompreis für Privatkunden um rund 5 Cent je Kilowattstunde beziehungsweise etwa 16 Prozent sinken. Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden ergäbe sich dadurch eine Entlastung von fast 200 Euro.
Der Gedanke gewinnt laut dem vorliegenden Bericht vor allem durch die Entwicklung in Großbritannien an Aufmerksamkeit. Dort soll die Mehrwertsteuer auf Strom abgeschafft werden. In Deutschland werden dagegen derzeit 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Strom erhoben.
Bis zu 198 Euro weniger Stromkosten
Wie stark ein Haushalt profitieren würde, hängt vor allem vom Stromverbrauch ab. Verivox kommt in seiner Modellrechnung auf folgende Größenordnungen:
- Familie mit 4.000 kWh: rund 198 Euro Ersparnis pro Jahr
- Zwei-Personen-Haushalt mit 2.800 kWh: rund 139 Euro
- Single mit 1.500 kWh: rund 74 Euro
Der durchschnittliche Strompreis könnte dadurch nach der Berechnung um ungefähr 16 Prozent sinken. Für Haushalte mit hohem Stromverbrauch wäre der finanzielle Effekt entsprechend größer.
Wichtig ist allerdings: Bei diesen Beträgen handelt es sich nicht um eine bereits beschlossene Entlastung, sondern um ein fiktives Rechenbeispiel.
Stromsteuer wäre eine deutlich kleinere Entlastung
Parallel dazu wird in Deutschland über eine Senkung der Stromsteuer diskutiert. Der finanzielle Effekt wäre nach den im Bericht genannten Berechnungen allerdings deutlich geringer.
Eine Absenkung der Stromsteuer würde den Strompreis demnach um ungefähr 2 Cent je Kilowattstunde reduzieren. Eine Familie mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch könnte dadurch etwa 93 Euro jährlich sparen. Bei einem Zwei-Personen-Haushalt wären es rund 65 Euro und bei einem Single etwa 35 Euro.
Der vollständige Wegfall der Mehrwertsteuer hätte nach dieser Modellrechnung somit ungefähr den doppelten finanziellen Effekt.
6,6 Milliarden Euro Entlastung – aber auch weniger Steuereinnahmen
Genau darin liegt zugleich das politische Problem. Nach der im Artikel wiedergegebenen Verivox-Berechnung könnten private Haushalte insgesamt um rund 6,6 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden.
Diese Milliarden würden jedoch gleichzeitig als staatliche Einnahmen fehlen. Eine vollständige Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Strom wäre daher eine erheblich größere fiskalische Entscheidung als eine begrenzte Senkung einzelner Abgaben.
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck hält einen solchen Schritt in Deutschland dem Bericht zufolge deshalb für eher unwahrscheinlich.
Stromrechnung könnte trotzdem zum politischen Thema werden
Die Modellrechnung verdeutlicht vor allem, welchen Anteil Steuern am endgültigen Strompreis der Verbraucher haben. Schon eine Veränderung von wenigen Cent je Kilowattstunde summiert sich bei mehreren Tausend Kilowattstunden Jahresverbrauch zu einem dreistelligen Betrag.
Für einen Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch beträgt der Unterschied zwischen den beiden diskutierten Varianten laut den genannten Berechnungen immerhin 105 Euro jährlich: 198 Euro Entlastung beim Wegfall der Mehrwertsteuer gegenüber 93 Euro bei einer Stromsteuersenkung.
Damit dürfte die Frage, wie Haushalte bei den Stromkosten entlastet werden können, politisch relevant bleiben. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Das Einsparpotenzial von bis zu 198 Euro ist derzeit eine Modellrechnung – keine angekündigte Senkung der deutschen Stromrechnung.