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Extremhitze setzt Landwirtschaft unter Druck: Bauern fürchten massive Ernteausfälle

Wolfgang-1958 (CC0), Pixabay

Die anhaltende Hitze und Trockenheit machen den deutschen Landwirten große Sorgen. Auf vielen Feldern fehlt seit Wochen ausreichend Regen. Besonders im Süden Deutschlands ist die Situation angespannt. Der Deutsche Bauernverband rechnet dort teilweise mit sehr hohen Verlusten. In einzelnen Regionen könnten bestimmte Ernten sogar vollständig ausfallen.

Betroffen sind nicht nur Getreide und Raps. Auch Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Mais und Sojabohnen leiden unter der Trockenheit. Im Norden Deutschlands sieht die Situation etwas besser aus, weil dort häufiger Regen gefallen ist. Trotzdem werden auch dort teilweise geringere Erträge erwartet.

Deutlich weniger Getreide erwartet

Die Folgen der Trockenheit lassen sich bereits an den Ernteschätzungen erkennen. Für 2026 werden derzeit rund 40,6 Millionen Tonnen Getreide erwartet. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 45 Millionen Tonnen.

Allein während einer besonders starken Hitze- und Dürreperiode im Juni sollen nach Berechnungen aus der Agrarbranche rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen sein. Die daraus entstehenden Einnahmeverluste werden auf etwa 600 Millionen Euro geschätzt.

Eine endgültige Bilanz ist allerdings noch nicht möglich. Entscheidend ist, wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickelt.

Besonders schwierig ist die Lage beim Tierfutter

Für Viehhalter kommt ein weiteres Problem hinzu: Auf vielen Wiesen wächst wegen der Trockenheit kaum noch Gras nach. Dadurch fehlen Heu, Grassilage und andere Futtermittel.

Auch der Futtermais leidet erheblich. Die Pflanzen bleiben teilweise deutlich kleiner als normalerweise, bilden nur kleine Kolben oder gar keine. Manche Maisbestände müssen deshalb früher als üblich geerntet werden.

In Baden-Württemberg berichten Bauernverbände regional von 30 bis 40 Prozent weniger verfügbarem Futter. Teilweise sind spätere Grasschnitte vollständig ausgefallen.

Viele Landwirte greifen deshalb bereits jetzt auf Futter zurück, das eigentlich für den kommenden Winter vorgesehen war.

Einige Bauern reduzieren bereits ihre Tierbestände

Kann nicht genügend zusätzliches Futter gekauft werden, stehen Viehhalter vor schwierigen Entscheidungen. Vereinzelt werden Tiere bereits früher verkauft oder geschlachtet.

Das bedeutet allerdings nicht, dass derzeit überall in Deutschland massenhaft Tiere geschlachtet werden. Die Probleme unterscheiden sich regional erheblich. Besonders angespannt ist die Lage momentan in Teilen Süddeutschlands.

Hinzu kommt: Wird Futter knapp, steigt dessen Preis. Für Betriebe, die ohnehin mit hohen Energie-, Diesel- und Betriebsmittelkosten kämpfen, entsteht dadurch eine weitere finanzielle Belastung.

Bewässerung kann das Problem kaum lösen

Eine naheliegende Lösung wäre, die Felder künstlich zu bewässern. Doch das ist in Deutschland nur begrenzt möglich.

Nach Angaben des Bauernverbandes können lediglich etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen beregnet werden. Zudem ist eine intensive Bewässerung teuer und wirtschaftlich vor allem bei hochwertigen Kulturen wie Obst und Gemüse sinnvoll.

Langfristig wird deshalb darüber diskutiert, im Winter mehr Wasser zu speichern und dieses in trockenen Sommermonaten für die Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Außerdem werden Pflanzensorten benötigt, die besser mit hohen Temperaturen und längeren Trockenperioden zurechtkommen.

Bauernverband fordert schnelle finanzielle Hilfen

Viele landwirtschaftliche Betriebe befinden sich nach Angaben des Bauernverbandes bereits in einer schwierigen finanziellen Lage. Hohe Kosten treffen auf teilweise niedrige Verkaufspreise und nun zusätzlich auf geringere Erntemengen.

Der Verband fordert deshalb Unterstützung von Bund und Ländern. Unter anderem sollen bestimmte EU-Zahlungen früher an die Bauern ausgezahlt werden. Außerdem werden zusätzliche Entlastungen bei Düngemitteln und Diesel verlangt.

Ob darüber hinaus staatliche Hilfen wegen der Dürreschäden gezahlt werden, ist noch offen. Das gesamte Ausmaß der Schäden dürfte erst nach Abschluss wesentlicher Teile der Ernte genauer feststehen.

Auch Verbraucher könnten die Folgen spüren

Eine schlechte Ernte bedeutet nicht automatisch, dass Lebensmittel sofort deutlich teurer werden. Die Verkaufspreise im Supermarkt hängen von vielen Faktoren ab – unter anderem von internationalen Ernten, Importen, Energiepreisen sowie den Kosten für Verarbeitung und Transport.

Halten die Ernteausfälle jedoch länger an oder treten ähnliche Probleme gleichzeitig in anderen wichtigen Anbauregionen auf, kann sich das Angebot verknappen. Dann könnten insbesondere einzelne Gemüsearten, Kartoffeln oder andere landwirtschaftliche Produkte teurer werden.

Auch eine anhaltende Futterknappheit kann Folgen haben. Müssen Viehhalter Futter teuer zukaufen, steigen ihre Produktionskosten für Milch und Fleisch.

Für die Bauern entscheidet deshalb inzwischen jeder Regen über bares Geld. Besonders in Süddeutschland geht es bei manchen Betrieben nicht mehr nur um eine schlechte Ernte. Wenn Erträge ausfallen, Futter teuer zugekauft werden muss und gleichzeitig die laufenden Kosten weiterlaufen, kann die Trockenheit für einzelne Höfe zu einer wirtschaftlichen Existenzfrage werden.

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