Rund um den Verkauf des Flughafens Rostock-Laage gibt es neue schwere Vorwürfe. Im Mittelpunkt stehen Berichte über mögliche Verbindungen des verurteilten Windkraftbetrügers Hendrik Holt zur Übernahme des Regionalflughafens. Die heutige Betreiberseite weist zentrale Vorwürfe entschieden zurück.
Holt war 2020 festgenommen und später wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs mit erfundenen Windparkprojekten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nun wird berichtet, er könne bei der Übernahme des Flughafens eine Rolle gespielt haben. Nach der Darstellung der Betreiberin soll Holt jedoch nicht Käufer des Flughafens gewesen sein.
Betreiberin weist Vorwürfe zurück
Die Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Crisp Partners, Ira Lauth, bestreitet nachdrücklich, dass Holt den Flughafen erworben habe. Sie räumt allerdings ein, ihn zu kennen. Der Kontakt sei im Zusammenhang mit der Suche nach Investoren entstanden, nachdem der frühere Eigentümer über längere Zeit keinen Käufer gefunden habe.
Holt habe anfangs an Gesprächen beziehungsweise Sondierungsrunden teilgenommen. Daraus lasse sich nach ihrer Darstellung jedoch nicht ableiten, dass er den Kauf finanziert oder den Flughafen übernommen habe.
Gegen entsprechende Berichte will Lauth presserechtlich vorgehen.
Interne Dokumente sorgen für zusätzliche Fragen
Brisant ist, dass in veröffentlichten internen Unterlagen offenbar eine geschäftliche Verbindung zu einer „Holt Holding S.A.“ erwähnt wird. Dort soll von einer Geschäftspartnerschaft die Rede sein, die Erfahrung bei Großprojekten für erneuerbare Energien und bei Börsengängen einbringe.
Damit stehen sich zwei Darstellungen gegenüber: Auf der einen Seite der Vorwurf, Holt habe über Mittelsmänner Einfluss auf den Deal genommen, auf der anderen Seite die klare Zurückweisung der Betreiberin.
Vom Kaufpreis ist bislang nur ein Bruchteil gezahlt
Unabhängig davon gibt es einen handfesten finanziellen Streit.
Der vereinbarte Kaufpreis für den Flughafen soll 3,1 Millionen Euro betragen haben. Davon wurden nach Angaben der Betreiberin bislang lediglich 240.000 Euro gezahlt.
Grund dafür seien erhebliche Auseinandersetzungen mit dem früheren Eigentümer, der Zeitfracht-Gruppe. Nach der Übernahme seien unerwartete Kosten aus Garantieansprüchen aufgetaucht, über die man zuvor nicht ausreichend informiert worden sei.
Damit ist die offene Kaufpreiszahlung derzeit ein zentrales Thema des Streits.
Vorwurf einer gezielten Kampagne
Die Betreiberin vermutet hinter der Berichterstattung eine gezielte Kampagne des früheren Eigentümers. Sie wirft der Gegenseite sinngemäß vor, mit der Weitergabe interner Vertragsinformationen Druck ausüben zu wollen.
Ob diese Vorwürfe zutreffen, ist offen. Fest steht: Der Verkauf des Flughafens ist inzwischen nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine juristische und öffentliche Auseinandersetzung.
Flughafen soll stärker auf Solarenergie setzen
Trotz der Kontroverse halten die neuen Eigentümer an ihren Plänen für Rostock-Laage fest. Ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sollen große Photovoltaik- und Speicheranlagen auf den Freiflächen des Flughafens sein.
Die Planungen seien weitgehend abgeschlossen, ein Bauantrag solle folgen. Auch die Abstimmung mit der Bundeswehr spielt eine Rolle, da der Standort militärisch mitgenutzt wird.
Parallel soll der zivile Flugbetrieb erhalten und schrittweise ausgebaut werden. Zusätzliche Urlaubsverbindungen sollen die Passagierzahlen erhöhen.
Ein Flughafen zwischen Ausbauplänen und Vertrauensfragen
Der Fall ist deshalb besonders sensibel, weil ein Regionalflughafen auf langfristige Finanzierung, politische Unterstützung und Vertrauen von Geschäftspartnern angewiesen ist.
Die Verbindung zu einem verurteilten Betrüger, selbst wenn sie nur aus früheren Gesprächen oder Kontakten besteht, wirft zwangsläufig Fragen auf. Hinzu kommt der offene Streit über Millionenbeträge beim Kaufpreis.
Solange nicht abschließend geklärt ist, welche Rolle einzelne Beteiligte tatsächlich gespielt haben und wie die finanziellen Verpflichtungen erfüllt werden, dürfte die Debatte um Rostock-Laage weitergehen.
Fazit: Der Flughafen soll mit Solarenergie, Speichern und neuen Flugverbindungen wirtschaftlich stabilisiert werden. Gleichzeitig belasten Vorwürfe über mögliche Verbindungen zu Hendrik Holt und ein weitgehend offener Kaufpreis den Neustart. Entscheidend wird sein, ob die Betreiber ihre Finanzierung und ihre Darstellung der Eigentümerstruktur nachvollziehbar belegen können.