Montenegro gilt seit Jahren als Beitrittskandidat mit den größten Fortschritten auf dem Westbalkan. Dennoch zieht sich der Weg in die Europäische Union weiter in die Länge. Obwohl die Beitrittsverhandlungen bereits seit 2012 laufen, sind zentrale Reformen noch immer nicht abgeschlossen. Damit bleibt offen, wann das kleine Adrialand tatsächlich Mitglied der EU werden kann.
Montenegro strebt bereits seit fast zwei Jahrzehnten den Beitritt zur Europäischen Union an. Das Land erhielt im Jahr 2010 offiziell den Status eines EU-Beitrittskandidaten, zwei Jahre später begannen die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission.
Ursprünglich war die Hoffnung groß, dass Montenegro als erstes Land des westlichen Balkans der Europäischen Union beitreten könnte. Doch dieses Ziel konnte bislang nicht erreicht werden.
Zahlreiche Verhandlungskapitel noch offen
Die EU-Beitrittsverhandlungen sind in insgesamt 33 Kapitel unterteilt, die nahezu alle Bereiche von Wirtschaft, Justiz, Umwelt, Finanzen und Verwaltung umfassen. Montenegro hat zwar sämtliche Kapitel eröffnet und einen Großteil davon vorläufig abgeschlossen, dennoch fehlen bei mehreren besonders wichtigen Themen weiterhin die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abschluss.
Vor allem in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung, Justizreformen und Medienfreiheit sieht die Europäische Union weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Fortschritte in diesen sogenannten Grundsatzkapiteln gelten als Voraussetzung dafür, dass auch die übrigen Verhandlungen erfolgreich beendet werden können.
Reformdruck bleibt hoch
Die Europäische Kommission fordert seit Jahren tiefgreifende Reformen der Justiz sowie eine konsequentere Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität. Zudem erwartet Brüssel eine stärkere Unabhängigkeit staatlicher Institutionen und weitere Verbesserungen beim Schutz demokratischer Grundrechte.
Auch innenpolitische Spannungen und wechselnde Regierungskoalitionen haben den Reformprozess in den vergangenen Jahren immer wieder verlangsamt.
Montenegro bleibt Vorreiter auf dem Westbalkan
Trotz der Verzögerungen gilt Montenegro weiterhin als das Land mit den größten Fortschritten unter den EU-Beitrittskandidaten des westlichen Balkans. Im Vergleich zu anderen Staaten der Region ist der Verhandlungsprozess deutlich weiter fortgeschritten.
Die Europäische Union bekräftigt regelmäßig ihre Unterstützung für eine spätere Mitgliedschaft des Landes. Voraussetzung bleibt jedoch die vollständige Umsetzung der vereinbarten Reformen.
Zeitpunkt des Beitritts weiter offen
Wann Montenegro tatsächlich der Europäischen Union beitreten wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Eigentlich sollten die Verhandlungen bereits abgeschlossen sein, doch mehrere zentrale Themen sind weiterhin ungelöst.
Damit bleibt der EU-Beitritt für die rund 620.000 Einwohner des Landes vorerst ein langfristiges Ziel. Erst wenn die noch offenen Reformen erfolgreich umgesetzt und sämtliche Verhandlungskapitel abgeschlossen sind, kann die Europäische Union über die Aufnahme Montenegros entscheiden.