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Große Wasserstoff-Pläne verpufft? Fünf Jahre nach Ansiedlung hat Hintco weder Büro noch Mitarbeiter in Leipzig

filirovska (CC0), Pixabay

Als der Wasserstoffhändler Hintco im Jahr 2021 seine Ansiedlung in Leipzig ankündigte, war die Euphorie groß. Die Sächsische Staatskanzlei sprach von einem wichtigen Signal für den Wirtschaftsstandort Sachsen und für den Aufbau einer internationalen Wasserstoffwirtschaft. Leipzig sollte zum Drehkreuz für den Handel mit grünem Wasserstoff werden. Fünf Jahre später zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild: Nach Recherchen von MDR AKTUELL verfügt das Unternehmen in Leipzig weder über Büroräume noch über Beschäftigte.

Die Recherche wirft Fragen auf, wie viel von den damaligen Ankündigungen tatsächlich umgesetzt wurde. Während die Politik die Ansiedlung als Meilenstein für die Zukunftstechnologie Wasserstoff präsentierte, findet das operative Geschäft heute überwiegend an einem anderen Standort statt.

Mitarbeiter arbeiten in Hamburg

Nach Angaben von Hintco beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese arbeiten jedoch überwiegend in Hamburg. In Leipzig existiert weder ein Büro noch eine Belegschaft. Damit blieb die Messestadt bislang ohne den wirtschaftlichen Effekt, den viele mit der Ansiedlung verbunden hatten.

Hintco-Geschäftsführer Timo Bollerhey weist den Vorwurf eines gescheiterten Projekts jedoch zurück. Gegenüber MDR AKTUELL erklärte er, es sei nie geplant gewesen, Arbeitsplätze in Leipzig aufzubauen. Vielmehr habe Leipzig lediglich als Unternehmenssitz dienen sollen. Ein operativer Standort mit Büros oder einer größeren Belegschaft sei zu keinem Zeitpunkt vorgesehen gewesen.

Politische Ankündigungen wecken andere Erwartungen

Diese Darstellung steht allerdings im deutlichen Gegensatz zu den Erwartungen, die vor fünf Jahren geweckt wurden. Als die Ansiedlung 2021 bekannt gegeben wurde, bezeichnete die Sächsische Staatskanzlei das Projekt als wichtigen Schritt für den Aufbau einer internationalen Wasserstoffwirtschaft. Damals wurde kommuniziert, dass Hintco in Leipzig aufgebaut werde und von dort aus den internationalen Handel mit grünem Wasserstoff organisieren könne.

Die Ankündigung galt als Prestigeprojekt für Sachsen. Der Freistaat wollte sich frühzeitig als wichtiger Standort der entstehenden Wasserstoffwirtschaft positionieren. Gerade Leipzig sollte dabei eine zentrale Rolle einnehmen und Unternehmen aus der Zukunftsbranche anziehen.

Vor diesem Hintergrund sorgt die aktuelle Entwicklung nun für Verwunderung. Denn von einer sichtbaren Unternehmenspräsenz in Leipzig ist bislang nichts zu erkennen.

Wirtschaftsministerium äußert sich nicht

Auf Nachfrage von MDR AKTUELL wollte sich das sächsische Wirtschaftsministerium nicht zu den unterschiedlichen Darstellungen äußern. Weder beantwortete das Ministerium die Frage, warum die damaligen Ankündigungen heute nicht mit der Realität übereinstimmen, noch nahm es Stellung dazu, welche Erwartungen die Landesregierung damals an die Ansiedlung geknüpft hatte.

Damit bleibt offen, ob die damalige Kommunikation zu optimistisch formuliert war oder sich die Unternehmensstrategie in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat.

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie

Der Fall erhält zusätzliche Brisanz, weil Wasserstoff als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien der Energiewende gilt. Bund und Länder investieren Milliardenbeträge in Forschung, Infrastruktur und den Aufbau internationaler Lieferketten. Grüner Wasserstoff soll künftig vor allem in der Industrie, im Schwerlastverkehr sowie bei der Energieversorgung fossile Brennstoffe ersetzen.

Unternehmen wie Hintco spielen dabei eine besondere Rolle. Sie sollen Angebot und Nachfrage auf internationalen Märkten zusammenführen und den Handel mit grünem Wasserstoff organisieren. Entsprechend groß waren die Hoffnungen, die mit der Ansiedlung in Leipzig verbunden wurden.

Fragen zur Standortpolitik

Der Fall dürfte auch eine Diskussion über die Ansiedlungspolitik des Freistaates Sachsen auslösen. Immer wieder werben Landesregierungen mit der Ansiedlung innovativer Unternehmen, um ihre Wirtschaftsstandorte zu stärken. Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein der juristische Firmensitz, sondern auch die tatsächliche wirtschaftliche Präsenz vor Ort – etwa durch Arbeitsplätze, Investitionen und Unternehmensstandorte.

Im Fall Hintco scheint diese Rechnung bislang nicht aufzugehen. Zwar ist das Unternehmen formal mit Leipzig verbunden, ein operatives Geschäft findet dort jedoch nicht statt.

Zukunft weiter offen

Ob sich dies künftig ändern wird, ist derzeit unklar. Konkrete Pläne für ein Büro oder den Aufbau von Arbeitsplätzen in Leipzig sind bislang nicht bekannt. Damit bleibt von der einst gefeierten Ansiedlung vorerst vor allem eines übrig: viele Erwartungen – und ebenso viele offene Fragen.

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