Ein Brief aus Flensburg sorgt bei vielen Autofahrerinnen und Autofahrern zunächst für Unruhe. Doch wer in den kommenden Monaten Post vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erhält, muss keine neuen Punkte im Fahreignungsregister befürchten. Stattdessen bittet die Behörde ausgewählte Fahrzeughalter um Unterstützung bei der Fahrleistungserhebung 2026. Rund 200.000 Halterinnen und Halter werden bundesweit angeschrieben und gebeten, die Kilometerstände ihrer Fahrzeuge mitzuteilen.
Die Aktion ist Teil einer bundesweiten Studie, mit der das KBA gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) aktuelle Daten über das Fahrverhalten in Deutschland erheben möchte. Auftraggeber ist das Bundesverkehrsministerium.
Zufällige Auswahl der Fahrzeughalter
Die angeschriebenen Fahrzeughalter werden nicht aufgrund ihres Fahrverhaltens ausgewählt. Nach Angaben des KBA erfolgt die Auswahl per Zufallsverfahren aus dem Fahrzeugbestand in Deutschland. Bis September 2027 werden die Schreiben in mehreren Erhebungswellen verschickt.
Wer ausgewählt wurde, soll den Kilometerstand seines Fahrzeugs zu zwei festgelegten Stichtagen übermitteln. Dies kann entweder bequem online oder klassisch per Post erfolgen. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig.
Warum das KBA die Daten benötigt
Mit der Fahrleistungserhebung möchte das Kraftfahrt-Bundesamt erstmals seit mehreren Jahren wieder ein aktuelles Bild darüber erhalten, wie intensiv Fahrzeuge in Deutschland tatsächlich genutzt werden.
Die erhobenen Kilometerstände werden mit Daten aus bundesweiten Straßenverkehrszählungen kombiniert. Daraus sollen belastbare Erkenntnisse entstehen, wie viele Kilometer Pkw, Motorräder, Transporter und andere Fahrzeuge durchschnittlich pro Jahr zurücklegen.
Diese Informationen spielen eine wichtige Rolle bei der Verkehrsplanung. Sie helfen unter anderem dabei, den Zustand von Straßen besser zu bewerten, zukünftige Infrastrukturprojekte zu planen und Verkehrsprognosen zu erstellen.
Darüber hinaus liefern die Daten wichtige Grundlagen für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. So lassen sich unter anderem Emissionen des Straßenverkehrs sowie die Entwicklung des Fahrzeugbestands genauer berechnen.
Datenschutz soll gewährleistet sein
Viele Autofahrer dürften sich fragen, was mit ihren persönlichen Daten geschieht. Das KBA betont, dass sämtliche Angaben ausschließlich für die Fahrleistungserhebung verwendet werden. Die Verarbeitung erfolge nach den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Personenbezogene Daten sollen spätestens drei Monate nach Abschluss der jeweiligen Befragung gelöscht werden. Die veröffentlichten Ergebnisse enthalten ausschließlich anonymisierte und statistisch ausgewertete Informationen.
Teilnahme ausdrücklich freiwillig
Das Kraftfahrt-Bundesamt weist darauf hin, dass niemand zur Teilnahme verpflichtet ist. Wer den Fragebogen nicht ausfüllt oder seine Kilometerstände nicht übermittelt, muss weder Bußgelder noch andere Konsequenzen befürchten.
Gleichzeitig wirbt die Behörde um möglichst viele Rückmeldungen. Je höher die Beteiligung ausfällt, desto genauer werden die Ergebnisse der Studie.
Grundlage für politische Entscheidungen
Nach Einschätzung des KBA liefern die Daten wichtige Informationen für zahlreiche Entscheidungen im Verkehrsbereich. Dazu gehören unter anderem Investitionen in Straßen, Brücken und Verkehrsinfrastruktur sowie Prognosen über die zukünftige Entwicklung des Straßenverkehrs.
Auch bei Fragen des Klimaschutzes und der Mobilitätswende spielen belastbare Fahrleistungsdaten eine immer größere Rolle. Sie helfen dabei, den ökologischen Fußabdruck des Fahrzeugbestands realistischer einzuschätzen und politische Maßnahmen besser auf die tatsächliche Nutzung von Fahrzeugen abzustimmen.
Für die meisten Empfänger dürfte der Brief aus Flensburg deshalb diesmal eine angenehme Überraschung sein: Statt eines Punkteeintrags bittet das Kraftfahrt-Bundesamt lediglich um einen Blick auf den Tachostand – freiwillig, anonym und im Interesse einer besseren Verkehrsplanung.