Verbraucher achten zunehmend auf gesundheitliche Risiken und Umweltbelastungen. Begriffe wie „schadstofffrei“, „umweltfreundlich“ oder „frei von bedenklichen Chemikalien“ beeinflussen Kaufentscheidungen immer stärker. Doch genau dieses Bewusstsein nutzen manche Hersteller offenbar geschickt für ihr Marketing. Verbraucherschützer warnen nun vor einer Praxis, die beim Thema PFAS für erhebliche Verwirrung sorgen kann.
Auf Verpackungen von Pfannen, Outdoor-Kleidung, Imprägniersprays oder Haushaltsprodukten finden sich immer häufiger Hinweise wie „PFOA-frei“, „PFOS-frei“ oder „GenX-frei“. Für viele Kunden klingt das zunächst nach einer Entwarnung. Tatsächlich bedeutet eine solche Kennzeichnung jedoch keineswegs, dass das betreffende Produkt frei von PFAS ist.
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine riesige Stoffgruppe mit schätzungsweise rund 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen. Viele dieser Stoffe werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften eingesetzt. Gleichzeitig stehen sie seit Jahren im Fokus von Wissenschaftlern, Umweltbehörden und Verbraucherschützern.
Der Grund: PFAS bauen sich in der Umwelt nur äußerst langsam ab und werden deshalb häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Sie können sich über Jahre in Böden, Gewässern, Tieren und letztlich auch im menschlichen Körper anreichern. Zahlreiche Studien bringen einzelne PFAS-Verbindungen mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung. Diskutiert werden unter anderem mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem, den Hormonhaushalt, die Fruchtbarkeit sowie bestimmte Stoffwechselprozesse.
Genau hier setzt die Kritik an vielen Werbeaussagen an. Wenn ein Hersteller lediglich darauf hinweist, dass ein Produkt „PFOA-frei“ ist, bedeutet dies lediglich, dass eine bestimmte PFAS-Verbindung nicht enthalten ist. Zahlreiche andere Stoffe aus derselben Chemikalienfamilie können jedoch weiterhin verwendet werden. Für Verbraucher entsteht dadurch leicht der Eindruck, das Produkt sei vollständig frei von PFAS, obwohl dies möglicherweise nicht der Fall ist.
Experten sprechen deshalb von einer rechtlichen Grauzone im Marketing. Die Aussagen sind häufig korrekt formuliert, können aber dennoch missverständlich wirken. Während einzelne problematische Stoffe entfernt werden, werden sie teilweise durch andere PFAS-Verbindungen ersetzt, deren langfristige Auswirkungen noch nicht vollständig erforscht sind.
Besonders problematisch ist dabei, dass es in vielen Produktbereichen bislang keine umfassende Kennzeichnungspflicht für PFAS gibt. Verbraucher sind deshalb oft auf freiwillige Angaben der Hersteller angewiesen. Wer sich bewusst gegen PFAS entscheiden möchte, muss daher genauer hinschauen.
Als deutlich aussagekräftiger gelten Kennzeichnungen wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorfrei“. Solche Angaben beziehen sich auf die gesamte Stoffgruppe und nicht nur auf einzelne chemische Verbindungen. Dennoch empfehlen Verbraucherschützer, auch diese Aussagen kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zusätzliche Informationen beim Hersteller einzuholen.
PFAS begegnen Verbrauchern heute in zahlreichen Alltagsprodukten. Neben beschichteten Pfannen und Outdoor-Bekleidung kommen sie unter anderem in Lebensmittelverpackungen, Teppichen, Möbelstoffen, Kosmetikprodukten, Feuerlöschschäumen und verschiedenen Industrieanwendungen zum Einsatz. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie weit verbreitet diese Stoffe inzwischen sind.
Die Debatte gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil die Europäische Union derzeit über weitreichende Beschränkungen für PFAS diskutiert. Ziel ist es, die Verwendung vieler dieser Chemikalien künftig deutlich einzuschränken oder ganz zu verbieten. Umweltorganisationen begrüßen solche Pläne, während Teile der Industrie vor den wirtschaftlichen Folgen warnen.
Für Verbraucher bleibt vorerst vor allem eine wichtige Erkenntnis: Nicht jede „frei von“-Werbeaussage bedeutet automatisch, dass ein Produkt tatsächlich frei von problematischen Chemikalien ist. Gerade beim Thema PFAS lohnt sich ein genauer Blick auf die Verpackung. Werbeaussagen wie „PFOA-frei“ oder „PFOS-frei“ klingen beruhigend, sagen aber oft deutlich weniger aus, als viele Käufer vermuten.