1) Produktlogik aus Anlegersicht (was Sie hier wirklich kaufen)
Der Fonds HMT Euro Aktien Protect 95 investiert im Kern in Aktien aus dem EuroStoxx-50-Universum und koppelt das Aktienportfolio mit einer Optionsstrategie:
Ziel: möglichst hohe Partizipation am EuroStoxx-50, gleichzeitig soll die negative Wertentwicklung auf Kalenderjahresbasis idealerweise nicht unter -5% fallen (Werterhalt „95% zum Jahresende“).
Mechanik: Prämien aus verkauften Calls (Stillhalterstrategie) werden genutzt, um Puts zu finanzieren (Absicherung). Zusätzlich tauchen Futures zur Steuerung/Absicherung auf.
Wichtiger Disclaimer im Bericht: Verlustvermeidung/Kapitalerhalt/Wertuntergrenze sind nicht garantiert; bei Kauf innerhalb eines Jahres kann ein erhöhtes Risiko bestehen (weil die „Kalenderjahres-Logik“ nicht sauber auf Ihren individuellen Einstiegszeitpunkt passt).
Einordnung: Das ist kein klassischer „Garantiefonds“, sondern ein risikogesteuerter Aktienfonds mit derivativer Schutzabsicht. Der Preis für den Schutz ist typischerweise eine begrenzte Upside (durch verkaufte Calls) und Strategierisiko (Timing, Volatilität, Gap-Risiken).
2) Ergebnis & Entwicklung (01.11.2024–31.10.2025)
Wertentwicklung: +5,53% (BVI-Methode, ohne Ausgabeaufschlag).
Anteilwert zum 31.10.2025: 107,87 EUR.
Fondsvermögen: 21,585 Mio. EUR (von 20,903 Mio. EUR zu Beginn).
Interpretation: In einem positiven Aktienumfeld hat der Fonds ordentlich mitverdient, ohne dass die „Protect“-Komponente die Rendite komplett „abgewürgt“ hätte. Gleichzeitig ist +5,53% ein Ergebnis, das typischerweise unter einer ungesicherten Vollinvestition in den EuroStoxx-50 liegen kann (je nach Marktphase), aber dafür mit dem Anspruch auf Risikobegrenzung.
3) Portfolioaufbau: hohe Aktienquote, Derivate als Steuerungsinstrument
Zum 31.10.2025:
Aktien: 96,06%
Derivate gesamt: -5,98% (Netto-Marktwert; negative Werte u.a. aus verkauften Calls/Futures)
Bankguthaben: 2,87%
Sonstige Vermögensgegenstände: 7,25% (auffällig: Initial/Variation Margin als Sicherheiten für Derivate)
Gegenüber dem Vorjahr wurde der Aktienanteil deutlich erhöht (ca. +10,3%-Punkte), Bankguthaben reduziert. Das spricht für eine höhere Marktnähe und damit mehr Beteiligung am Aktienmarkt – aber auch mehr Bedarf, dass die Derivate-Absicherung in Stressphasen funktioniert.
4) Derivatstrategie konkret: Cap nach oben, Schutz nach unten – aber nicht „hart“
In der Derivateaufstellung sieht man im Wesentlichen:
Verkaufte EuroStoxx-50 Calls (mehrere Strikes, Laufzeit 19.12.2025) → generieren Prämien, begrenzen aber die Upside oberhalb der Strikes.
Gekaufte Put-Optionen (z.B. Strike 4700) → liefern Downside-Puffer, sind aber in Krisen nicht immer „perfekt“ (Timing, Gap-Risiken, Volatilitätsstruktur, Rollkosten).
Short Future EuroStoxx-50 (Anzahl -123) → kann temporär Risiko dämpfen oder Exposure steuern.
Anlegerrelevanter Punkt: Der „95%-Schutz“ ist kalenderjahrbezogen und modell-/marktabhängig. Bei schnellen, großen Einbrüchen oder ungünstigen Zeitpunkten (Einstieg mitten im Jahr, starke Volatilitätssprünge) kann der Schutz deutlich weniger leisten als erwartet.
5) Ergebnisqualität: Woher kommt die Rendite – und wo lagen die „Schmerzen“?
Die GuV zeigt ein wichtiges Muster:
Ordentlicher Nettoertrag: +2,00 EUR je Anteil (Dividenden + Zinsen aus Liquidität minus Kosten).
Realisierte Veräußerungsergebnisse: deutlich negativ (real. Gewinne 5,51 je Anteil vs. real. Verluste -12,89 je Anteil → -7,38 je Anteil).
Nicht realisiertes Ergebnis: stark positiv (+11,04 je Anteil).
Im Bericht wird als wesentliche Quelle des negativen Veräußerungsergebnisses genannt: realisierte Verluste aus verkauften Futures.
Interpretation aus Investorensicht:
Die Performance des Jahres wurde stark durch nicht realisierte (also noch nicht „eingetütete“) Gewinne getragen – das kann sich in einem folgenden Marktabschwung schneller drehen.
Realisierte Derivateverluste (Futures) können Ausdruck von Hedging-Kosten oder Timing-/Steuerungsfehlern sein. Für Sie heißt das: Die Strategie „kostet“ in manchen Phasen sichtbar Rendite, selbst wenn der Gesamtjahresertrag positiv bleibt.
6) Ausschüttung: attraktiv, aber teilweise „aus Substanzlogik“
Ausschüttung gesamt: 3,20 EUR je Anteil.
In der Ausschüttungsrechnung fällt auf: Es gibt eine „Zuführung aus dem Sondervermögen“ (11,62 EUR je Anteil) bei gleichzeitig negativ realisiertem Ergebnis. Das ist laut Bericht methodisch mit der Annahme einer maximalen Ausschüttung erklärt.
Wichtig für Anleger: Eine Ausschüttung ist nicht automatisch „Ertrag aus laufenden Gewinnen“. Sie kann – je nach Konstruktion/Steuerlogik – auch aus dem Fondsvermögen bzw. aus Vorträgen gespeist werden. Für Einkommensinvestoren ist das zwar cashflow-freundlich, aber man sollte verstehen, wie nachhaltig diese Ausschüttung in unterschiedlichen Marktphasen ist.
7) Kosten & Effizienz
Gesamtkostenquote (TER, ohne Transaktionskosten): 0,93% – für einen optionsbasierten Risikofonds durchaus im Rahmen.
Transaktionskosten: 12.385,56 EUR – relativ gering im Verhältnis zum Fondsvolumen (aber Transaktionskosten sind oft nur ein Teil der „Handelsfriktion“, Optionsspreads/implizite Kosten stecken zusätzlich im Pricing).
8) Risiko- und Steuerungskennzahlen (VaR / Leverage)
Durchschnittlicher potenzieller Risikobetrag (VaR): 0,50%, max. 0,96% (historische Simulation, 99%, 1 Tag).
Durchschnittliche Hebelwirkung: 1,72.
Einordnung: Die Kennzahlen deuten auf kontrollierte Risikonutzung hin, aber: VaR ist rückblickend/historisch und kann Extremereignisse unterschätzen. Die Hebelwirkung von 1,72 ist für Derivateeinsatz nicht ungewöhnlich, bedeutet aber, dass Marktbewegungen überproportional wirken können – je nach Positionierung.
9) Für wen passt der Fonds – und wann eher nicht?
Passt tendenziell für Anleger, die:
Euro-Blue-Chips wollen, aber mit eingebautem Risikopuffer,
akzeptieren, dass die Rendite nach oben begrenzt sein kann,
das Produkt ganzjährig halten (Kalenderjahr-Logik) und nicht als kurzfristigen Trade nutzen.
Eher kritisch für Anleger, die:
„Kapitalschutz“ als Garantie verstehen,
maximale Aktienrendite in starken Bullenmärkten suchen,
unterjährig einsteigen/aussteigen und dabei „95% Schutz“ erwarten,
Derivate-/Strategiekomplexität vermeiden möchten.
10) Fazit in einem Satz
Der Fonds liefert eine plausible Kombination aus EuroStoxx-50-Exposure und Options-Risikomanagement (im Jahr +5,53% bei hoher Aktienquote), bleibt aber ein nicht-garantierter Schutzansatz mit derivatebedingten Renditebegrenzung und der wichtigen Einschränkung, dass der „95%-Mechanismus“ kalenderjahr- und zeitpunktabhängig ist.