1) Investmentidee & Umsetzung: „Multi Asset“ – de facto Aktien + Liquidität
Der Fonds verfolgt eine benchmarkfreie, makrogetriebene Allokationsstrategie (Top-down/Bottom-up) und kann viele Anlageklassen einsetzen (inkl. Krypto über Zertifikate). Praktisch zeigt die Vermögensübersicht zum 31.10.2025 aber ein sehr klares Profil:
Aktienquote ~44% (Aktien 43,72% laut Vermögensübersicht)
Liquidität sehr hoch ~53% (Bankguthaben 53,01%)
Rohstoff-Exposure klein über Gold/Silber-Zertifikate (~2,7%)
Private Equity / sonstige Beteiligungen nur in homöopathischer Größenordnung (~1% bzw. <1%)
Aus Anlegersicht ist das ein wichtiges Signal: Das Risiko-/Renditeprofil ähnelt weniger einem „voll investierten“ Multi-Asset-Fonds, sondern eher einem Aktienfonds mit starkem Liquiditätspuffer. Das kann defensiv sinnvoll sein – kostet aber in Haussephasen oft Performance, wenn Cash nicht zügig in Risikoanlagen rotiert.
2) Performance: positiv – aber Einordnung wichtig
Im Berichtszeitraum 01.11.2024–31.10.2025:
Anteilklasse P: +6,51%
Anteilklasse S: +8,67%
Positiv ist: Startjahr mit Gewinn bei gleichzeitig hoher Liquidität – das spricht dafür, dass die Aktienauswahl/Timing nicht schlecht war. Gleichzeitig ist die Aussagekraft begrenzt, weil der Fonds erst am 01.11.2024 aufgelegt wurde: Es gibt nur ein Geschäftsjahr Track Record und noch keine Stressphasen-Historie.
3) Portfolioqualität: breit, „Quality/Blue-Chip“-Lastigkeit, Tech-Schwergewicht
Die Aktienliste ist international und überwiegend Large Caps. Auffällig:
Viele US-Tech-/Mega-Caps (z.B. Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, NVIDIA, Meta Platforms).
Dazu „Stabilitätsanker“ (Konsum/Health/Versorger) wie Johnson & Johnson, Coca-Cola, Procter & Gamble, Duke Energy.
Europa/CH sind mit Qualitätsnamen vertreten (z.B. ASML, Nestlé, Novartis, Allianz).
Das wirkt insgesamt qualitativ und diversifiziert, aber: durch die vielen USD-Positionen plus Tech-Anteil ist das Portfolio sensibel für US-Aktienbewertungen, Zins-/Inflationserwartungen und USD/EUR.
4) Risikoprofil: moderat – aber Währungs- und Aktienmarktrisiko bleiben
Der Bericht nennt die klassischen Risiken (Marktpreis-, Währungs-, Emittentenrisiko bei Zertifikaten, Liquiditätsrisiken etc.). Aus der Struktur ergeben sich für Anleger besonders:
Aktienrisiko bleibt der Renditetreiber (trotz Cashpuffer).
Währungsrisiko ist real, weil viele Titel in USD/CHF/GBP/JPY/HKD etc. notieren.
Zertifikate (Gold/Silber) bringen Emittentenrisiko (kein Sondervermögen wie physisch besicherte Fondsanteile; je nach Produktstruktur).
Derivate wurden faktisch kaum genutzt (Exposure 0; durchschnittlicher Leverage 0,33) – das wirkt eher konservativ.
Einordnung: Für ein Multi-Asset-Label wirkt das tatsächliche Risiko weniger “Multi-Asset-balanciert” (z.B. kaum Anleihen/Duration), sondern eher Aktien + Cash + etwas Rohstoff.
5) Kosten & Anteilklassen: S wirkt deutlich anlegerfreundlicher
Kosten sind einer der größten Hebel für langfristige Netto-Rendite:
Anteilklasse P: Verwaltungsvergütung 1,90% p.a. + performanceabhängige Vergütung (im Jahr: 0,95% ausgewiesen), TER 2,07%
Anteilklasse S: Verwaltungsvergütung 0,80% p.a., TER 0,97%
Aus Anlegersicht ist das klar: Wenn Sie Zugang haben, ist die Anteilklasse S strukturell überlegen (niedrigere laufende Kosten, keine ausgewiesene Performance Fee). Der Renditeabstand im Jahr (+8,67% vs. +6,51%) passt dazu.
6) Ertragslage: S profitiert stark von Zinsen auf Liquidität
In der Ertrags- und Aufwandsrechnung der Klasse S fallen sehr hohe Zinsen aus Liquiditätsanlagen (über 155 Tsd. EUR) auf. Das ist die logische Folge der hohen Bankguthabenquote. Das heißt aber auch:
Sinken Geldmarktzinsen, dürfte dieser Renditebaustein schrumpfen.
Umgekehrt hat der Fonds (bei gleichbleibender Allokation) in einem Hochzinsumfeld einen natürlichen Puffer.
7) Governance & mögliche Interessenkonflikte: genauer hinschauen
Zwei Punkte, die Anleger regelmäßig prüfen sollten:
Auslagerung Portfoliomanagement an AXIA Asset Management GmbH – grundsätzlich ok, aber Sie investieren in ein Konstrukt mit mehreren Parteien (KVG, PM, Verwahrstelle).
Transaktionsvolumen mit verbundenen Unternehmen: 100%. Das ist nicht automatisch schlecht, aber ein klarer Prüfpunkt:
Warum vollständig verbunden? (z.B. Broker/Abwicklung innerhalb einer Gruppe)
Sind die Konditionen marktüblich?
Wie wird Best Execution dokumentiert?
Der Jahresbericht liefert hierzu vor allem Kennzahlen (u.a. Transaktionskosten 6.892,68 EUR), aber aus Investorensicht wäre Transparenz über die Ausgestaltung der „verbundenen“ Abwicklung ein Qualitätsmerkmal.
8) Nachhaltigkeit: Artikel-6-Produkt (keine ESG-Integration)
Der Bericht sagt explizit, dass Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt wurden und der Fonds nach SFDR Artikel 6 einzuordnen ist. Für Anleger, die ESG als Muss-Kriterium haben, ist das ein Ausschlussmerkmal; für andere ist es neutral – aber wichtig zu wissen.
Anleger-Fazit
Pluspunkte
Positives Startjahr, trotz vorsichtiger Positionierung.
Aktienportfolio wirkt qualitativ und global diversifiziert.
Sehr niedrige Derivateintensität → eher konservatives Instrumentenrisiko.
Anteilklasse S mit klar besserer Kostenstruktur.
Kritische Punkte / Fragen
Sehr hohe Cashquote: Strategieentscheidung oder „noch nicht investiert“? (Opportunitätskosten möglich.)
Kurze Historie: noch keine Aussage über Verhalten in echten Stressphasen.
100% Transaktionen mit verbundenen Unternehmen: genau beobachten (Best Execution / Interessenkonflikte).
ESG: Artikel 6 (für ESG-orientierte Anleger nicht passend).
Praktische Einordnung
Wenn Sie einen Fonds suchen, der taktisch zwischen Risiko und Vorsicht wechseln kann und aktuell eher defensiv agiert, kann das Konzept passen – insbesondere über die günstigere Anteilklasse S. Wenn Sie dagegen einen „klassischen“ Multi-Asset-Fonds erwarten (z.B. mit systematischer Anleihe-/Duration-Komponente und stabilerer strategischer Zielallokation), wirkt die tatsächliche Allokation im Berichtsjahr eher wie Aktien + Cash + kleines Rohstoffhedge als wie ein voll ausbalanciertes Multi-Asset-Portfolio.