1) Was ist das für ein Produkt – und woher soll die Rendite kommen?
Der Fonds zielt ausdrücklich auf positive, konjunktur- und zinszyklusunabhängige Performance durch die systematische Vereinnahmung von Volatilitätsrisikoprämien ab. Praktisch heißt das: Er nutzt überwiegend liquide Index-Futures und -Optionen (modell-/regelbasiert, tägliche Umsetzung), um Prämien aus Volatilität/Optionsmärkten zu vereinnahmen. Als „Basisportfolio“ dient ein überwiegend in EUR laufender, variabel verzinslicher, kreditstarker Anleiheblock (Investment Grade), der Stabilität und Liquidität liefern soll.
Anlegersicht: Das ist ein alternatives/derivatebasiertes Konzept, das typischerweise in ruhigen bis moderat volatilen Phasen gut „Prämien einsammelt“, aber bei abrupten Regimewechseln (schnelle Trendwechsel, Volatilitäts-Spikes, Gap-Risiken) unter Druck geraten kann – je nachdem, wie das Modell Netto-Optionsexposure (Short/Long Vol) steuert.
2) Performance-Realität im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025
Anteilwert-Entwicklung (vereinfacht, ohne Zwischenzeitpunkte):
Anteilklasse I: 1.106,45 → 1.006,82 ≈ -9,0%
Anteilklasse P: 1.093,21 → 991,50 ≈ -9,3%
Damit wurde das zentrale Ziel („stetige Wertsteigerung, Verluste begrenzen“) im Berichtsjahr nicht erreicht. Wichtig: Die Verlusthöhe ist nicht „katastrophal“, aber für ein Produkt mit Absolute-Return-Anspruch und „Verlustbegrenzungs“-Narrativ deutlich erklärungsbedürftig.
Woher kommt der Verlust laut Zahlenwerk?
Positiv: Ordentlicher Nettoertrag (Zinsen etc.)
– I: +632,8 T€; P: +187,0 T€
Negativ (dominant): Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften (Optionen/Futures)
– I: -3,30 Mio. €, P: -1,16 Mio. €
Insgesamt Geschäftsjahresergebnis:
– I: -2,69 Mio. €, P: -1,04 Mio. €
Interpretation: Das „Bond-Boden“-Portfolio hat Zinscarry geliefert, aber die Derivate-/Optionskomponente hat diesen Carry mehr als überkompensiert. Der Bericht sagt explizit, dass realisierte Gewinne/Verluste im Wesentlichen aus Optionen stammen – das passt zu einem Jahr, in dem Optionsstrategien je nach Marktregime (z. B. schnelle Richtungswechsel, Volatilitäts-Struktur) ungünstig laufen können.
3) Mittelzuflüsse vs. Performance – Anlegerverhalten und Skalierung
Trotz negativer Performance ist das Fondsvermögen gestiegen:
Anteilklasse I: 25,17 Mio. € → 29,03 Mio. € (Nettozufluss ~8,25 Mio. €)
Anteilklasse P: 8,48 Mio. € → 10,14 Mio. € (Nettozufluss ~2,85 Mio. €)
Anlegersicht: Es gab signifikante Zuflüsse trotz Verlustjahr. Das kann für Vertrauen in das Konzept sprechen – oder für Vertriebs-/Allokationslogik (Diversifikationsbaustein). Gleichzeitig bedeutet Wachstum bei Derivate-Setups: Die Strategie muss skalierbar bleiben (Spreads, Slippage, Rollkosten). Das hohe Transaktionsvolumen (819,9 Mio. €) relativ zur Fondsgröße deutet auf sehr aktive Umsetzung hin – damit wird Kosten- und Modellqualität zentral.
4) Portfolioaufbau zum 31.10.2025 – defensiver Kern, aktives Overlay
Vermögensübersicht:
Anleihen: 89,01%
Bankguthaben: 10,64%
Sonstiges: 0,43%
Verbindlichkeiten: -0,09%
Der Anleiheblock besteht überwiegend aus Floating Rate Notes (viele deutsche Bundesländer/öffentliche Emittenten, Pfandbrief-/Bankemittenten sowie Supras). Beispiele aus der Liste: European Investment Bank, Swedbank AB, ING Bank N.V..
Anlegersicht:
Der Kern ist kredit- und zinsseitig relativ „ruhig“ (variabel verzinslich → geringere Duration).
Der eigentliche Rendite-/Risikotreiber ist aber nicht der Anleiheblock, sondern das Derivate-Overlay (Volatilitätsprämien).
5) Risikoprofil aus den Derivateangaben – was sagen VaR & Leverage?
Vergleichsvermögen: S&P 500 Index (100%)
Potenzieller Risikobetrag (qualifizierter Ansatz / VaR):
– min 0,14% | max 5,08% | Ø 0,76% (1 Tag, 99% Konfidenz, Full-Monte-Carlo)
Durchschnittlicher Leverage durch Derivate: 1,71
Einordnung:
Ein Ø-VaR von 0,76% (1 Tag) klingt moderat, aber der Maximalwert 5,08% zeigt, dass das Risikopotenzial phasenweise stark hochgefahren wird.
Leverage 1,71 ist nicht extrem, aber für ein Produkt, das „konsequent begrenzen“ will, sollte man verstehen, wann und warum die Risikosteuerung hoch-/runterfährt.
Derivate-Hinweise zeigen Aktivitäten u. a. in S&P-500-Futures und Optionsrechten; erwähnt wird auch der CBOE Volatility Index als Basiswert bei Calls. Das spricht für ein Setup, das nicht nur „stumpf Short-Vol“ ist, sondern auch Absicherungs-/Regimekomponenten enthalten kann – nur hat es im Jahr netto nicht geholfen.
6) Kosten & Anteilklassen – klare Differenz zugunsten der I-Tranche
TER: 0,70% (I) vs. 1,09% (P)
Verwaltungsvergütung: 0,60% (I) vs. 0,99% (P)
Ausgabeaufschlag: 0% (I) vs. 3% (P)
Mindestanlage: 500.000 € (I) vs. 0 € (P)
Anlegersicht: Wenn man investieren will und Zugang hat, ist die I-Tranche strukturell überlegen (geringere laufende Kosten, kein Ausgabeaufschlag). Im schwachen Jahr 2024/25 ist die Underperformance der P-Tranche gegenüber I (leicht) sichtbar.
7) Governance/Setup – wer macht was, wer prüft?
KVG/Portfoliomanagement: HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH
Fondsberater: ABSOLUTE Asset Management GmbH unter Haftungsdach BN & Partners Capital AG
Verwahrstelle/Kontrahent der Derivate: Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG
Bankguthaben u. a. bei UniCredit Bank GmbH
Abschlussprüfer: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit uneingeschränktem Prüfungsurteil zum Jahresbericht.
Anlegersicht: Strukturell „institutionell“ aufgesetzt, geprüfter Bericht, etablierte Verwahrstelle. Das ist gut – ersetzt aber nicht die Frage, ob die Strategie im gewünschten Marktregime zuverlässig liefert.
8) Nachhaltigkeit/Regulatorik – Artikel 6 (keine ESG-Integration)
Der Bericht sagt klar: Nachhaltigkeitsrisiken wurden im Entscheidungsprozess nicht berücksichtigt, Einstufung Artikel 6 (keine nachhaltige Ausrichtung).
Anlegersicht: Für ESG-orientierte Allokationen ist das eher ein Ausschlusskriterium; für rein rendite-/diversifikationsgetriebene Mandate ggf. neutral.
9) Anlegerfazit – für wen passt das, und welche Fragen sind jetzt entscheidend?
Stärken
Defensiver, variabel verzinslicher Kern (Liquidität/Carry, geringe Zinsduration)
Klare, regelbasierte Strategieidee (Volatilitätsprämien) und hohe Liquidität der Instrumente
Kosten/Struktur in der I-Tranche attraktiv
Schwächen / Red Flags
Das Berichtsjahr zeigt: Derivate-/Optionskomponente kann dominieren und den Carry deutlich überrollen.
„Absolute Return“-Erzählung vs. realer ~9% Jahresverlust ist ein Glaubwürdigkeitsstress.
Sehr hohe Handelsaktivität → Modellrobustheit, Slippage, Roll-/Transaktionskosten sind erfolgskritisch.