1) Einordnung des Berichtszeitraums
Der Bericht deckt nur 4 Monate ab (01.07.–31.10.2025, „Rumpfgeschäftsjahr“). Aussagen zur Qualität der Strategie sind damit weniger belastbar als bei einem vollen Jahr – kurzfristige Marktphasen (v. a. Tech-/US-Rallyes) können die Performance stark verzerren.
Wichtiges Strukturereignis: Zum 01.11.2025 wechselte das Verwaltungs-/Verfügungsrecht von Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. auf Universal-Investment-Gesellschaft mbH; der Fonds läuft seitdem als „Fight For Green Offensiv“. Für Anleger heißt das: Prozess-, Team- oder Produktänderungen können folgen (auch wenn im Bericht selbst für den Zeitraum keine „wesentlichen Ereignisse“ genannt werden).
2) Rendite & Ergebnisqualität (aus Anlegersicht)
Wertentwicklung (BVI-Methode, exkl. Ausgabeaufschlag):
Anteilklasse R: +5,75%
Anteilklasse I: +5,95%
Hochgerechnet auf ein Jahr entspräche das (rein rechnerisch) etwa ~18–19% p. a. – das ist keine Prognose, sondern nur eine Illustration, wie „stark“ der Zeitraum war, wenn er sich identisch wiederholen würde.
Treiber im Bericht: Das Ergebnis speist sich deutlich aus Bewertungsgewinnen (nicht realisierte Gewinne) und realisierter Aktien-Performance, während der ordentliche Nettoertrag negativ ist (Kosten > laufende Erträge). Das ist bei einem wachstums-/aktienorientierten Fonds nicht ungewöhnlich – zeigt aber: Die Rendite muss primär aus Kurssteigerungen kommen, nicht aus laufenden Ausschüttungen.
3) Portfolio: Klar offensiv, stark Aktie, Schwerpunkt USA/Tech
Asset Allocation (31.10.2025):
Aktien: 95,52%
Bankguthaben: 4,64%
Sonstiges/Verbindlichkeiten: gering
Damit ist das Produkt faktisch ein globaler Aktienfonds mit sehr kleiner Cash-Quote. Das erhöht die Renditechance, aber auch die Drawdown-Risiken.
Top-Positionen (zusammen ~19% des Fondsvermögens):
Alphabet Inc. (4,35%)
Acciona S.A. (3,94%)
Advanced Micro Devices, Inc. (3,80%)
Siemens AG (3,64%)
ASML Holding N.V. (3,55%)
Interpretation:
Nicht extrem konzentriert (Top-5 < 20%), aber klarer Stil: Quality-/Growth-/Tech plus „Sustainability-Enabler“ (Industrie/Erneuerbare).
Geografie: Schwerpunkt USA, ergänzt durch Europa. Das passt zu den großen Tech-/Software-/Marktinfrastruktur-Titeln.
Währungsrisiko: spürbarer Anteil USD (und weitere Währungen wie CHF, NOK, SEK etc.). Der Bericht zeigt keine Absicherungsderivate – Anleger tragen damit EUR-Wechselkursrisiko.
4) Mittelbewegungen & Größenstruktur: I dominiert, R schrumpft
Fondsvermögen gesamt (31.10.2025): ~12,14 Mio. EUR
Davon:
R: ~0,70 Mio. EUR (Netto Mittelabfluss)
I: ~11,44 Mio. EUR (Netto Mittelzufluss)
Warum das zählt: Die Anteilklasse I ist das „ökonomische Schwergewicht“. Wenn Anbieter/Vertrieb zukünftig Konditionen, Kommunikation oder Produktfokus ändern, geschieht das typischerweise entlang der großen Tranche.
5) Kosten: Der entscheidende Prüfpunkt für die Nettorendite
Laufende Kosten (annualisiert, Zeitraum 01.07.–31.10.2025):
R: 2,22% p. a.
I: 1,64% p. a.
Dazu kommt (nicht in der TER, aber in der Praxis relevant):
Ausgabeaufschlag bis zu 5% (beide Klassen) → kann die Rendite über 1–3 Jahre massiv drücken, wenn er tatsächlich anfällt.
Kostenstruktur im Bericht auffällig: Die Anlageberatungsvergütung ist der dominante Posten (bis 1,50% p. a. in R, bis 0,90% p. a. in I). Das ist aus Investorensicht der Kernhebel: Wenn die Strategie nicht dauerhaft Alpha liefert, frisst die Gebührenlast den Vorteil gegenüber günstigen nachhaltigen Aktien-ETFs.
Performance Fee: nur I, im Zeitraum 0,00%. (Gut – aber die Existenz der Regel kann in starken Phasen später relevant werden.)
6) Risiko- und Prozessbild: ordentlich beschrieben, aber „Aktienrisiko pur“
Der Bericht listet klassische Risiken (Markt, Emittent, Liquidität, Währung, operationell, Nachhaltigkeitsrisiken). Wichtig für Anleger ist die praktische Quintessenz:
Hohe Aktienquote → hohe Schwankungen wahrscheinlich.
Stil-/Sektor-Risiko (Tech/Software/Marktinfrastruktur) → kann in Zinsanstiegs- oder Risk-off-Phasen stark belasten.
Währungsrisiko → EUR-Anleger sind von USD & Co. abhängig.
Derivate: keine im Bestand; gemeldeter Leverage im Schnitt 100% (methodisch nach ESMA „Sum of Notionals“, kann auch ohne Derivate so ausgewiesen werden).
VaR (relativ): Auslastung ~74–78% bei erlaubten 200% → klingt im Rahmen, ersetzt aber keine Drawdown-Betrachtung.
7) Nachhaltigkeit: Artikel-9-Anspruch, aber Taxonomie nicht genutzt
Der Fonds klassifiziert als SFDR Art. 9(2) („dark green“), fokussiert Klimaschutz/SDG 13 und „Science Based Targets“. Gleichzeitig steht explizit: EU-Taxonomie-Kriterien werden nicht berücksichtigt. Für Anleger bedeutet das:
Positiv: klarer Prozess (Negativ-Screening, SBT-Prüfung, CO2e ex ante/ex post, Fundamentalanalyse).
Prüfpunkt: Art. 9 ist ein Regelwerkslabel, kein Performance- oder Impact-Gütesiegel. Ohne Taxonomie-Alignment können Definitionen/Methodik stärker vom Anbieter abhängen. Wer „Impact“ erwartet, sollte zusätzlich Impact-Kennzahlen/Methodik (z. B. Temperaturpfad, CO2e-Intensität ggü. Benchmark, Kontroversen) im Factsheet/Anhang V prüfen.
8) Governance & Prüfung
Der Bericht ist durch KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft; das Prüfungsurteil ist uneingeschränkt im Sinne der KAGB-Konformität. Das ist ein Mindest-Hygienefaktor (Rechnungslegung/Ordnungsmäßigkeit), aber keine Aussage über künftige Rendite oder Strategiequalität.
Fazit für Anleger
Stärken
Klares offensives Aktienprofil (95%+ Aktien) und in der Periode gute Performance.
Diversifiziert über mehrere Länder, Top-5 nicht übermäßig dominant.
Nachhaltigkeitsprozess ist ausführlich beschrieben (SBT/Screening/CO2e).
Hauptkritikpunkte / Risiken
Kurzer Zeitraum: Aussagekraft begrenzt.
Kosten hoch (v. a. R), plus möglicher 5% Ausgabeaufschlag → hohe Hürde, um langfristig besser zu sein als günstige Alternativen.
Strukturbruch ab 01.11.2025 (neue KVG, neuer Name) → Anleger sollten die neuen Unterlagen (Prospekt/Factsheet) prüfen, ob Strategie/Team/Fees unverändert bleiben.
Währungs- und Tech-/US-Exposure → passt nur, wenn man Schwankungen aushält.