Sinkende Füllstände der deutschen Gasspeicher sorgen für zunehmende politische Spannungen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche muss sich im Wirtschaftsausschuss kritischen Fragen stellen, nachdem die Reserven deutlich schneller geschrumpft sind als in früheren Wintern.
Aktuell liegen die Speicherstände im bundesweiten Durchschnitt nur noch bei rund 23,5 Prozent, in einzelnen Regionen sogar deutlich darunter. Ursache ist vor allem der erhöhte Gasverbrauch während der winterlichen Kälteperioden, aber auch strukturelle Veränderungen am Energiemarkt: Seit dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen hat sich das wirtschaftliche Kalkül vieler Händler verändert, sodass im Sommer weniger Gas zu Lagerzwecken eingekauft wurde.
Während Vertreter der Opposition – insbesondere aus der Grünen-Fraktion – der Ministerin vorwerfen, zu wenig für eine rechtzeitige Befüllung der Speicher getan zu haben, verweist das Wirtschaftsministerium auf die insgesamt stabile Versorgungslage. Neue LNG-Terminals sowie zusätzliche Importmöglichkeiten über Nachbarländer ermöglichten es, kurzfristig auf steigende Nachfrage zu reagieren. Die Füllstände allein seien daher kein direkter Indikator für drohende Engpässe.
Dennoch wächst der politische Druck. Energieexperten warnen, dass besonders niedrige Speicherstände gegen Ende des Winters die Wiederbefüllung für die kommende Heizperiode erschweren könnten. Auch innerhalb der Regierungs- und Unionsfraktionen wird inzwischen diskutiert, ob der Staat künftig eine stärkere Rolle bei der Sicherung strategischer Gasreserven übernehmen sollte – etwa durch den Aufbau staatlicher Notfallvorräte nach dem Vorbild der Erdölreserve.
Welche Maßnahmen die Bundesregierung konkret plant, um die Speicher künftig verlässlicher zu füllen und ähnliche Situationen zu vermeiden, dürfte ein zentraler Punkt der Beratungen im Wirtschaftsausschuss sein.