Die Bundesregierung will den deutschen Filmstandort international konkurrenzfähiger machen – und greift dafür tief in die wirtschaftspolitische Werkzeugkiste. Mit einem geplanten „Filmbooster“-Gesetz sollen Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+ künftig stärker in deutsche Produktionen investieren. Für Zuschauer stellt sich jedoch eine naheliegende Frage: Könnten Streaming-Abos dadurch teurer werden?
Investitionspflicht statt freiwilliger Förderung
Kern des Vorhabens ist eine Investitionsabgabe: Streamingplattformen und TV-Sender sollen mindestens acht Prozent ihres in Deutschland erzielten Jahresumsatzes in deutsche Film- und Serienproduktionen investieren. Wer sogar mehr als zwölf Prozent aufbringt, soll im Gegenzug größere Freiheiten bei der Auswahl der Projekte erhalten.
Parallel dazu stellt der Bund jährlich 250 Millionen Euro bereit, um den Filmstandort gezielt zu stärken. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer spricht von „verlässlichen, international konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen“. Ziel sei es, mehr Produktionen nach Deutschland zu holen – von internationalen Großprojekten bis hin zu deutschsprachigen Stoffen.
Lehre aus „Im Westen nichts Neues“
Auslöser der politischen Initiative dürfte auch der Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ gewesen sein. Die deutsche Produktion war 2023 in neun Oscar-Kategorien nominiert und gewann vier Auszeichnungen – wurde jedoch größtenteils in Tschechien gedreht. Das zeigte: Internationale Anerkennung ist möglich, doch Produktionsbedingungen im Ausland sind häufig attraktiver.
Mit dem Investitionspakt will die Bundesregierung verhindern, dass deutsche Produktionen aus Kostengründen ins Ausland abwandern.
Internationale Vorbilder – und Warnsignale
Frankreich und andere europäische Länder haben ähnliche Investitionspflichten bereits eingeführt. Dort sind Streaminganbieter ebenfalls verpflichtet, einen Teil ihrer Umsätze in nationale Produktionen zu reinvestieren. Die Modelle gelten als erfolgreich – allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.
Denn Unternehmen kalkulieren zusätzliche Verpflichtungen in ihre Preisgestaltung ein. Branchenexperten halten es daher für möglich, dass Streamingdienste gestiegene Investitionskosten zumindest teilweise an Abonnenten weitergeben könnten.
Mehr Qualität – aber zu welchem Preis?
Für die deutsche Filmbranche verspricht das Gesetz Planungssicherheit, bessere Produktionsbedingungen und mehr Arbeitsplätze. Drehorte, Studios, Techniker, Schauspieler und Produzenten könnten gleichermaßen profitieren.
Für Zuschauer könnte das Angebot an hochwertigen deutschen Serien und Filmen wachsen. Gleichzeitig bleibt offen, ob sich die Abopreise stabil halten lassen. In einem ohnehin umkämpften Streamingmarkt mit steigenden Produktionskosten könnte zusätzlicher regulatorischer Druck Preisanpassungen beschleunigen.
Balanceakt zwischen Kulturpolitik und Marktwirtschaft
Das geplante Gesetz ist ein Balanceakt: Einerseits soll es kulturelle Vielfalt fördern und den Standort stärken. Andererseits greift es in die Geschäftsmodelle internationaler Plattformen ein. Entscheidend wird sein, wie die Investitionspflicht konkret ausgestaltet wird und wie flexibel Anbieter bei der Umsetzung bleiben.
Ob der „Filmbooster“ tatsächlich für bessere Filme sorgt – oder vor allem für höhere Monatsgebühren –, dürfte sich erst nach Inkrafttreten und ersten Markteffekten zeigen. Klar ist jedoch: Die Filmförderung wird künftig nicht nur auf dem roten Teppich diskutiert, sondern auch auf der nächsten Streaming-Rechnung.