Endlich spricht mal einer Klartext – und nein, es ist nicht der Betriebsrat, sondern ausgerechnet Kassenärztechef Andreas Gassen. Der Mann, der findet: Wer sich krank fühlt, soll ruhig mal drei Tage lang in Ruhe zu Hause jammern dürfen – ohne lästigen Krankenschein und ohne Beweis, dass da wirklich was wehtut.
Und wir Arbeitgeber? Sollen das einfach glauben. Schließlich ist Vertrauen das neue Controlling. Drei Tage lang ohne Diagnose, ohne Attest, ohne Ahnung. „Selbstverantwortung“ nennt man das im Gesundsprech. In der Realität bedeutet es: Der Kollege meldet sich montags mit „fühlt sich flau“ ab, liegt bis Mittwoch mit Netflix und Hühnersuppe auf dem Sofa – und kommt donnerstags zurück, als wäre nichts gewesen. Klar, kann ja auch sein. Aber muss man’s glauben? Offenbar ja.
Die Begründung von Herrn Gassen: Arztpraxen seien überlastet. Verständlich. Schließlich haben die schon mit echten Patienten zu tun – da kann man nicht jeden Arbeitnehmer durchleuchten, der einfach keinen Bock auf Dienstag hat. Und überhaupt: So ein richtig schönes, stempelfrisches Attest solle doch wieder „mehr Wert“ haben. Also bitte nicht inflationär benutzen, sondern erst ab Tag vier. Wie früher Kaffeegeschirr – nur zu besonderen Anlässen.
Und das Beste: Auch wenn das Kind krank ist, soll Papa nicht mehr zum Arzt rennen müssen, um sich selbst krankschreiben zu lassen. Richtig gelesen: Das Kind bleibt mit Rotznase daheim, und der Elternteil bekommt drei Tage lang ganz ohne Papierkram frei. Die Lösung? Vertrauen. Was kann da schon schiefgehen?
Natürlich geht’s nicht ums Blaumachen, sagt Gassen. Wer lügen will, lügt auch mit Attest. Stimmt. Nur früher brauchte man wenigstens einen Mitspieler im weißen Kittel.
Aber hey – es gibt ja Ausgleich! Gassen schlägt einen Anti-Krankheits-Bonus vor: Wer sich nicht krankmeldet, kriegt Geld. Endlich wird Gesundheit zur Währung! Vielleicht demnächst als App: „Gesund geblieben? Jetzt Bonuspunkte sichern!“
Bleibt nur noch eine Frage offen: Gibt es dann auch einen Rabatt beim Gehalt, wenn jemand zu oft gesund ist? Man will ja keine Ungleichheit fördern …
Fazit:
Vertrauen ist gut, aber ein Attest ist eben manchmal besser. Bis dahin atmen Arbeitgeber dreimal tief durch – vielleicht sind sie ja die Nächsten, die sich krankschreiben lassen. Ohne Schein, versteht sich.