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„Europa ohne Amerika: Warum Beschwichtigungspolitik gegenüber Trump ins Nichts führt“

Die Weltordnung gerät ins Wanken. Mit der spektakulären Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch US-Streitkräfte, angeordnet von Präsident Donald Trump, hat sich einmal mehr gezeigt: Die Vereinigten Staaten handeln zunehmend unilateraler – und Europa wirkt dabei wie ein Zaungast. USA-Experte Holger Stark bringt es im Interview auf den Punkt: „Trump zu beschwichtigen, führt nirgendwohin außer in die Hölle.“

Schon lange sei die transatlantische Freundschaft mehr Fassade als Realität, so Stark. Bereits unter George W. Bushs Irakkrieg hatte Deutschland öffentlich widersprochen, aber hinter den Kulissen logistisch geholfen – ein Balanceakt zwischen Moral und strategischem Kalkül. Heute wirkt diese Ambivalenz wie ein Déjà-vu. Zwar zeigt sich Berlin kritisch gegenüber den jüngsten Aktionen Washingtons, etwa in Venezuela oder mit dem offen geäußerten Grönland-Interesse, doch wagt niemand den offenen Bruch.

Stark fordert ein radikales Umdenken: Europa müsse sich vorstellen, wie es agieren würde, gäbe es die USA nicht. Die Sicherheit des Kontinents dürfe nicht mehr von amerikanischen Waffen, Geheimdiensten oder politischen Launen abhängen. Das bedeute, die europäische Verteidigungsfähigkeit auszubauen, eine eigene Geheimdienstallianz – die „Seven Eyes of Europe“ – zu schaffen und wirtschaftlich unabhängiger zu werden, etwa durch die Stärkung des Euro gegenüber dem Dollar.

Dass selbst Ursula von der Leyen Respekt bei Trump erlangte, liegt laut Stark an ihrer Direktheit – nicht an vornehmen Erklärungen, sondern an persönlicher Konfrontation. „Appeasement bringt nichts“, so sein Fazit. Es sei Zeit, „Hardball zu spielen“ – nicht konfrontativ, aber bestimmt. Die EU müsse souveräner und strategischer auftreten, auch mit neuen Partnern wie Kanada oder Skandinavien.

Trump sei nicht bloß ein Ausrutscher der Geschichte. Das „MAGA“-Phänomen sei zur festen Größe im US-Politikbetrieb geworden – mit JD Vance und Marco Rubio stünden bereits seine Nachfolger bereit. Selbst ein demokratischer Präsident werde künftig nationalistischer handeln müssen, weil es die Mehrheit in den USA verlangt. Die „alten Zeiten“ der bedingungslosen Freundschaft sind vorbei.

Was also tun? Jetzt sei der Moment, um die Abnabelung einzuleiten. „Wir sind wie Teenager, die merken, dass sie ausziehen müssen“, sagt Stark. Die kommenden Jahre werden entscheidend – ob Europa erwachsen wird, oder im Schatten Amerikas verharrt.

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