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Giftiges Erbe aus Europa: Wie deutscher Elektroschrott in Ghanas Hauptstadt landet

dokumol (CC0), Pixabay

Ein neuer Fernseher, ein schnellerer Laptop, ein modernes Smartphone – für viele gehört neue Technik zu Weihnachten einfach dazu. Doch während in deutschen Wohnzimmern die Bildschirme heller und die Geräte schlanker werden, beginnt für die alten Apparate oft eine lange Reise mit fatalen Folgen. Ihr Ziel ist nicht selten Ghana, genauer gesagt eine riesige Elektroschrott-Deponie mitten in der Hauptstadt Accra – einer der giftigsten Orte der Welt.

In Stadtteilen wie Agbogbloshie stapeln sich kaputte Fernseher, ausgediente Computer, Kühlschränke und Drucker zu meterhohen Bergen. Kabel hängen aus zerborstenen Gehäusen, Bildröhren liegen offen auf staubigen Straßen, Platinen glitzern im Sonnenlicht. Was hier wie eine bizarre Industrielandschaft wirkt, ist in Wahrheit das Ende der globalen Konsumkette – und der Anfang massiver Umwelt- und Gesundheitsprobleme.

Ein erheblicher Teil dieses Mülls stammt aus Europa, auch aus Deutschland. Offiziell werden viele der Container als „gebrauchte Elektrogeräte“ deklariert, angeblich zur Wiederverwendung. In der Praxis ist jedoch ein Großteil der Ware defekt oder technisch überholt und damit faktisch Müll. Was hier nicht mehr gebraucht wird, wird tausende Kilometer weit verschifft – dorthin, wo Entsorgung billig ist und Kontrollen lückenhaft sind.

Vor Ort versuchen vor allem junge Männer und sogar Kinder, aus dem Schrott noch verwertbare Rohstoffe zu gewinnen. Mit bloßen Händen werden Geräte zerlegt, Kabel verbrannt, um an Kupfer zu gelangen, Leiterplatten ausgeschlagen, um winzige Mengen Edelmetalle zu extrahieren. Dabei entstehen hochgiftige Dämpfe, Schwermetalle gelangen in Boden, Wasser und Luft. Studien zeigen stark erhöhte Werte von Blei, Quecksilber und Dioxinen – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Menschen.

Husten, Hautkrankheiten, Atemwegsprobleme und neurologische Schäden sind in den betroffenen Vierteln keine Ausnahme, sondern Alltag. Gleichzeitig ist der Elektroschrott für viele die einzige Einkommensquelle. Der Müll aus Europa sichert das Überleben – und zerstört es zugleich.

Umweltorganisationen kritisieren seit Jahren die Praxis scharf. Zwar verbietet internationales Recht den Export von Elektroschrott in Länder ohne sichere Entsorgungsstrukturen, doch Schlupflöcher, falsche Deklarationen und mangelnde Kontrollen machen das Verbot wirkungslos. Die Verantwortung wird entlang der Lieferkette weitergereicht – bis sie schließlich bei den Ärmsten hängen bleibt.

Der Elektroschrott in Accra ist damit mehr als ein lokales Umweltproblem. Er ist ein Spiegel des globalen Konsums, der Wegwerfmentalität wohlhabender Länder und der ungleichen Verteilung von Lasten und Risiken. Während hierzulande neue Geräte unter dem Weihnachtsbaum stehen, wachsen in Ghana die Müllberge weiter – und mit ihnen eine stille, giftige Katastrophe, die weitgehend aus dem Blickfeld derer verschwunden ist, die sie mitverursachen.

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