In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es in der Nacht zu einer Serie heftiger Explosionen gekommen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, dass in einem westlich gelegenen Stadtviertel zunächst ein lauter Knall zu hören war. Kurz darauf folgten zwei weitere Detonationen. Die Erschütterungen sollen kilometerweit zu spüren gewesen sein. Augenzeugen berichten, ein Teil eines mehrstöckigen Gebäudes sei eingestürzt, Trümmer hätten die Straße blockiert.
Nach Angaben eines Militärsprechers, auf den sich Sana beruft, handelt es sich um einen gezielten Raketenangriff. Weder die Herkunft der Raketen noch die mutmaßlichen Angreifer sind jedoch bislang bekannt. Auch die syrische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Tätern oder einem möglichen militärischen Hintergrund.
Panik unter den Bewohnern
Anwohner schildern dramatische Szenen: Menschen seien in Nachtkleidung auf die Straßen gerannt, Sirenen heulten, während Einsatzkräfte versuchten, sich durch das ohnehin enge, verwinkelte Stadtviertel zu arbeiten. Einige berichteten von Glasbruch in umliegenden Gebäuden. Andere erzählten, sie hätten die Explosionen „wie einen Erdbebenstoß“ gespürt.
Social-Media-Videos, die offenbar unmittelbar nach dem Angriff aufgenommen wurden, zeigen Rauch, der über den Dächern des Viertels aufsteigt. Offiziell bestätigt sind diese Aufnahmen jedoch nicht. Die Kommunikation aus dem Gebiet gestaltet sich schwierig, da lokale Netze kurzzeitig gestört gewesen sein sollen.
Unklare Hintergründe – Spekulationen nehmen zu
In der Region um Damaskus kommt es immer wieder zu Angriffen, die verschiedenen Konfliktparteien zugeschrieben werden:
-
Israel führt regelmäßig Luftschläge gegen iranische oder pro-iranische Milizen durch, die sich in Syrien festgesetzt haben.
-
Rebellengruppen in der Nähe der Hauptstadt waren in den vergangenen Jahren ebenfalls für Raketenangriffe verantwortlich.
-
Auch interne Machtkämpfe und Vergeltungsaktionen gehören in Syrien nach wie vor zum Alltag.
Doch bislang hat keine Partei die Verantwortung übernommen. Dementsprechend groß ist die Unsicherheit – und die Gefahr von Fehlinformationen.
Rettungskräfte im Dauereinsatz
Die Sirenen der Feuerwehr und der Rettungsdienste sollen noch lange nach der letzten Explosion zu hören gewesen sein. Offizielle Angaben zu möglichen Opfern oder Verletzten liegen derzeit nicht vor. Augenzeugen berichten jedoch von mehreren Menschen, die aus den Trümmern gerettet wurden. Die Suche nach weiteren Betroffenen könnte sich aufgrund der Einsturzgefahr als schwierig erweisen.
Damaskus bleibt ein Brennpunkt
Obwohl die syrische Regierung in den letzten Jahren bemüht war, Normalität in der Hauptstadt wiederherzustellen, zeigen Ereignisse wie diese, wie fragil die Lage bleibt. Die Stadt gilt zwar inzwischen als vergleichsweise stabil, doch Angriffe von außen oder innerstaatliche Spannungen können jederzeit für erneute Eskalationen sorgen.
Die syrischen Behörden haben angekündigt, den Vorfall weiter zu untersuchen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu prüfen. Der Luftraum werde verstärkt überwacht, hieß es. Auch internationale Beobachter verfolgen die Lage aufmerksam – zu groß ist die Sorge, dass einzelne Angriffe erneut größere Konfliktherde entzünden könnten.
Noch bleibt vieles unklar. Sicher ist nur: Die Explosionen haben Damaskus erneut erschüttert – körperlich und politisch.