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Historisches Urteil: Boeing muss Millionen-Schadenersatz an 737-MAX-Opfer zahlen

Ray_Shrewsberry (CC0), Pixabay

Erstmals ist der US-Flugzeughersteller Boeing für die Abstürze seiner 737-MAX-Maschinen im Jahr 2019 zivilrechtlich verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in Chicago sprach der Familie eines der Opfer mehr als 28 Millionen US-Dollar an Schmerzensgeld und Schadenersatz zu – ein Urteil, das weit über den einzelnen Fall hinaus Signalwirkung haben dürfte.

Tragödien mit weltweiten Folgen

Im Jahr 2019 stürzten zwei Flugzeuge des Typs Boeing 737 MAX innerhalb weniger Monate ab – die erste Maschine im Oktober 2018 vor der Küste Indonesiens, die zweite im März 2019 in Äthiopien. Insgesamt verloren 346 Menschen ihr Leben.

Beide Unglücke führten zur weltweiten Stilllegung der 737-MAX-Flotte und lösten eine der größten Krisen in der Geschichte des Flugzeugbauers aus. Interne Untersuchungen ergaben später, dass ein fehlerhaftes Steuerungssystem (MCAS) eine zentrale Rolle bei den Abstürzen gespielt hatte.

Gericht: Boeing hat Versäumnisse begangen

In der jetzt entschiedenen Klage warf die Familie des Opfers Boeing vor, die 737 MAX sei fehlerhaft konstruiert gewesen und das Unternehmen habe bewusst nicht ausreichend vor den Gefahren gewarnt.

Das Gericht in Chicago folgte dieser Argumentation: Boeing habe technische Risiken verschwiegen, um die Maschine möglichst schnell auf den Markt zu bringen und die Konkurrenz von Airbus unter Druck zu setzen. Die Jury urteilte, das Verhalten des Unternehmens sei „rücksichtslos und verantwortungslos“ gewesen.

Signal für hunderte weiterer Klagen

Das Urteil gilt als Präzedenzfall – denn noch Hunderte weitere Klagen von Hinterbliebenen aus aller Welt sind anhängig. Mit der jetzigen Entscheidung könnte sich der Druck auf Boeing deutlich erhöhen, Vergleichsangebote zu machen oder sich auf hohe Schadenssummen einzustellen.

Rechtsexperten sehen darin einen Wendepunkt: „Dieses Urteil zeigt, dass Boeing sich seiner Verantwortung nicht länger entziehen kann“, sagte ein Luftfahrtrechtler der New York Times. „Es öffnet die Tür für weitere, möglicherweise noch höhere Entschädigungen.“

Boeings Ruf weiter beschädigt

Auch wenn Boeing seit den Abstürzen umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und Schulungen eingeführt hat, bleibt der Schaden für das Image enorm. Der Konzern hatte zwar bereits Milliarden-Entschädigungen an Airlines und Opferfamilien gezahlt, jedoch bislang ohne Schuldeingeständnis.

Mit dem neuen Urteil aber steht nun erstmals eine klare juristische Schuldzuweisung im Raum – und die könnte für den Flugzeugbauer noch teuer werden.

Erinnerung an die Opfer

In Äthiopien und Indonesien finden bis heute Gedenkveranstaltungen für die Opfer statt. Angehörige fordern seit Jahren, dass Boeing sich nicht nur finanziell, sondern auch moralisch seiner Verantwortung stellt.

„Kein Geld der Welt kann das Leben eines geliebten Menschen ersetzen“, sagte eine Sprecherin der Opferfamilien. „Aber dieses Urteil ist ein Schritt zur Gerechtigkeit.“

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