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Holzmangel treibt Preise auf Rekordhoch: Sägewerke warnen vor existenzieller Krise

Katja_Kolumna (CC0), Pixabay

Der Holzmarkt steht unter Druck: Weil es an frischem Stammholz mangelt, schnellen die Preise auf Rekordniveau. Besonders Fichten- und Kiefernholz sind derzeit kaum zu bekommen. Während sich Holzhändler rechtzeitig eingedeckt haben, stehen viele Sägewerke vor einem ernsthaften Problem. Branchenvertreter sprechen bereits von einer drohenden „existenzbedrohenden Krise“.

Holzhändler profitieren, Sägewerke kämpfen

Mit Beginn der Heizsaison läuft das Geschäft für Holzhändler wie Matthias Birnkammer aus dem oberbayerischen Ebersberg auf Hochtouren. Er liefert täglich Brennholz, Pellets und Briketts an seine Kundschaft – und ist gelassen:

„Wenn ich ehrlich bin, es ist jedes Jahr im Herbst Chaos“, sagt Birnkammer.

Er habe seine Lager bereits im Frühjahr gefüllt und könne die hohe Nachfrage bedienen. Ganz anders die Lage in der Holzindustrie: Sägewerke klagen über leere Lager, weil kaum frisches Holz angeliefert wird.

Der Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie (BSHD) spricht von einer akuten „Rohstoffunterversorgung“. In einem offenen Brief warnt der Verband, dass sich die Lage bis Anfang 2026 zu einer „existenziellen Krise der Säge- und Holzindustrie“ zuspitzen könnte, wenn in den kommenden Wochen nicht deutlich mehr Holz eingeschlagen werde.

Wie der Mangel entstanden ist: Ein Sommer ohne Käfer und Stürme

Der aktuelle Engpass hat eine ungewöhnliche Ursache: den nassen, kühlen Sommer 2024. Laut Herbert Borchert von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) hat das Wetter den berüchtigten Borkenkäferpopulationen stark zugesetzt.

„Die Käfer hatten es schwer – die Populationen blieben klein, und es gab kaum Schadensfälle“, erklärt Borchert.

Auch größere Stürme, die sonst regelmäßig für umgestürzte Bäume und damit zusätzlichen Holzeinschlag sorgen, blieben aus. Das bedeutet: Weniger sogenanntes Schadholz, also Bäume, die aufgrund von Schädlingsbefall oder Sturmschäden gefällt werden müssen.

Doch gerade dieses Schadholz spielt eine zentrale Rolle in der Holzversorgung. Nach Angaben der LWF macht es in Bayern rund die Hälfte des gesamten Holzeinschlags aus. Fällt es weg, fehlt dem Markt eine wichtige Rohstoffquelle – und die Preise steigen.

Preise auf Rekordniveau – vor allem bei Fichte und Kiefer

Die Folgen sind auf dem Markt deutlich spürbar: Die Preise für Fichten-Stammholz und Kiefernholz sind auf Rekordniveau geklettert. Für Sägewerke bedeutet das, dass sie ihre Produktion drosseln müssen – oder Holz zu deutlich höheren Preisen einkaufen.

Während Holz für die Bauindustrie und Möbelproduktion teurer wird, spüren auch Verbraucher die Auswirkungen: Brennholz, Pellets und Holzbriketts kosten vielerorts spürbar mehr als im Vorjahr.

Branche fordert mehr Einschlag und strategische Vorräte

Um die Lage zu entspannen, fordert der Bundesverband der Holzindustrie kurzfristige Maßnahmen. Dazu gehören:

  • eine Ausweitung des Holzeinschlags in öffentlichen und privaten Wäldern,

  • eine bessere Koordination zwischen Forstbetrieben und Sägewerken,

  • sowie die Bildung von strategischen Holzreserven, um Engpässe in Zukunft abzufedern.

Forstexperten warnen allerdings, dass dies ökologisch heikel sein könnte. Eine kurzfristige Erhöhung des Einschlags könnte den nachhaltigen Waldbau gefährden – und langfristig die Stabilität der Wälder schwächen.

Zwischen Ökologie und Wirtschaft: Ein Balanceakt

Die Holzindustrie steht damit vor einem klassischen Dilemma: Einerseits soll der Wald nachhaltig bewirtschaftet werden, andererseits droht ohne mehr Einschlag eine wirtschaftliche Krise.

Der vergangene Sommer hat gezeigt, wie empfindlich das Gleichgewicht im Wald- und Holzsektor ist. Eine gute Nachricht für die Natur – weniger Borkenkäfer, stabile Bestände – wird plötzlich zum Problem für die Wirtschaft.

Sollte der Holzmangel anhalten, rechnen Experten mit weiter steigenden Preisen und Engpässen in der Bau- und Energiebranche. Denn Holz ist längst nicht mehr nur Baustoff, sondern auch ein gefragter Energieträger in Zeiten hoher Heizkosten.

Fazit: Entspannung nicht in Sicht

Der Holzmarkt steht vor einer schwierigen Saison. Während Händler kurzfristig profitieren, kämpft die Industrie mit leeren Lagern und steigenden Einkaufspreisen.
Wenn nicht bald mehr Holz aus den Wäldern kommt, könnte sich der derzeitige Engpass zur ernsten Strukturkrise der Holzbranche auswachsen – mit Folgen für Wirtschaft, Verbraucher und Umwelt gleichermaßen.

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