In einer bundesweiten Aktion hat der Zoll am Dienstag die Sicherheitsbranche ins Visier genommen. Der Verdacht: systematischer Lohnbetrug und massive Hinterziehung von Sozialabgaben. Wie das Hauptzollamt Landshut mitteilte, fanden die Durchsuchungen unter anderem in Südbayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz statt.
Im Fokus der Ermittlungen steht ein weit verzweigtes Geflecht von Sicherheitsfirmen, das offenbar gezielt genutzt wurde, um Löhne zu drücken und Sozialversicherungsbeiträge zu umgehen. Laut Angaben der Ermittler handelt es sich um ein sogenanntes „Kettensystem“, bei dem Strohmänner, Scheinfirmen und undurchsichtige Subunternehmerstrukturen zum Einsatz kamen. Der geschätzte Schaden für die Sozialkassen und den Staat beläuft sich derzeit auf mindestens 1,5 Millionen Euro.
„Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Verantwortliche, die im Verdacht stehen, Arbeitslöhne nicht korrekt abgerechnet und gezielt Beiträge zur Sozialversicherung hinterzogen zu haben“, erklärte ein Sprecher des Hauptzollamts Landshut, das die koordinierenden Maßnahmen leitete.
Hunderte Zöllnerinnen und Zöllner sowie Ermittlerinnen und Ermittler waren an den zeitgleichen Durchsuchungen beteiligt. Ziel war es, Beweismittel sicherzustellen, Geschäftsunterlagen auszuwerten und mögliche Drahtzieher ausfindig zu machen.
Die Aktion ist Teil eines größeren Vorgehens der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), die in den vergangenen Jahren verstärkt auf Betrugsmodelle in der Sicherheitsbranche aufmerksam wurde. Die Branche gilt als besonders anfällig für illegale Beschäftigung, unter anderem aufgrund häufiger Subunternehmerverhältnisse und mangelnder Transparenz.
Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen wird voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Weitere Durchsuchungen und Ermittlungen könnten folgen. Der Fall zeigt einmal mehr, wie komplex organisierter Sozialbetrug mittlerweile abläuft – und mit welcher Entschlossenheit die Behörden dagegen vorgehen.