In einem kühlen Gerichtssaal im Zentrum von Tallahassee sitzt die 19-jährige Isabela Hurtado auf einer harten Holzbank. Es ist das erste Mal seit über einem Monat, dass sie ihren Vater wieder sieht – in Handschellen, im orangefarbenen Overall, angekettet an Händen und Füßen.
Am 29. Mai hatte sie ihn noch zur Arbeit verabschiedet. Am 2. Juli stand er nun vor einem Bundesrichter – angeklagt wegen illegaler Wiedereinreise in die USA. Juan Hurtado Solano bekannte sich schuldig. Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.
Während die erstmalige illegale Einreise als Ordnungswidrigkeit gilt, ist eine Wiedereinreise nach vorheriger Abschiebung nach §1326 des U.S.-Rechts eine Straftat auf Bundesebene. Unter der Einwanderungspolitik der Trump-Regierung sind die Verfahren wegen illegaler Wiedereinreise deutlich angestiegen.
Viele Angeklagte nehmen inzwischen sogenannte „Fast-Track“-Abkommen an – sie verzichten auf ein Verfahren und akzeptieren die Abschiebung. Der Grund: die Angst vor längerer Inhaftierung, schlechten Bedingungen in den Haftzentren oder einer Rückkehr in ein fremdes oder unsicheres Herkunftsland.
„Wenn er sowieso abgeschoben wird, dann soll es wenigstens schnell gehen“, sagt Isabela. „Ich sehe ihn lieber in Mexiko per Videoanruf als noch Wochen hier in der Zelle.“
Mehr Verfahren, mehr Schuldbekenntnisse
Laut dem Transaktionsdatendienst TRAC stiegen die Einwanderungsanklagen im März dieses Jahres um 36,6 % im Vergleich zum Vormonat – von 3.332 auf 4.550 Fälle. In der Vergangenheit wurden viele Verfahren noch auf einfache Einreise ohne Genehmigung reduziert, was nur mit bis zu sechs Monaten Haft und 250 Dollar Geldstrafe geahndet wurde.
Die Fast-Track-Programme gibt es seit den 1990er Jahren, um überlastete Gerichte an der Südgrenze zu entlasten. Wer frühzeitig ein Schuldbekenntnis ablegt, spart der Justiz Zeit und Kosten.
Doch Expertinnen wie die Einwanderungsanwältin Elizabeth Ricci warnen: Viele Migranten unterschätzen die langfristigen Konsequenzen. Ein Schuldeingeständnis kann die spätere Chance auf ein legales Aufenthaltsrecht dauerhaft verbauen.
Hinzu kommen Berichte über katastrophale Zustände in den Haftzentren. „Überfüllte Zellen, Menschen schlafen in Fluren, werden medizinisch nicht versorgt“, berichtet Ricci. „Viele geben einfach auf und lassen sich abschieben – nicht aus Schuld, sondern aus Verzweiflung.“
Familien zerrissen, Hoffnung zerstört
Auch Isabela Hurtados Familie wurde hart getroffen. Bei der Razzia auf der Baustelle, auf der ihr Vater arbeitete, wurden auch zwei ihrer Onkel festgenommen. Einer sitzt noch in einem Abschiebezentrum in Texas, niemand weiß genau wo.
Für die Familie ist die Situation kaum zu ertragen – vor allem für Isabelas kleinen Bruder. Seit der Vater weg ist, kann der Dreijährige kaum schlafen. Er war es gewohnt, mit seinem Papa gemeinsam einzuschlafen – nach einem langen Arbeitstag auf der Baustelle und einem langen Tag als Kleinkind.
„Mein Vater ist kein Krimineller“, sagt Isabela. „Er arbeitet, kümmert sich um seine Familie. Das ist alles.“
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