In vielen Arztpraxen in Deutschland wird es zunehmend schwieriger, telefonisch einen Termin zu bekommen. Wie mehrere Ärzteverbände erklären, hat sich die Terminvergabe in den vergangenen Jahren stark verändert – weg vom Telefon, hin zu Online-Plattformen und E-Mail-Kommunikation. Auslöser dieser Entwicklung war vor allem die Corona-Pandemie.
Digitale Terminvergabe als Reaktion auf Überlastung
Die Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe, Hannelore König, erklärte gegenüber dem MDR, dass viele Praxen in der Pandemiezeit auf digitale Wege umgestellt hätten. Damals seien in Spitzenzeiten bis zu 250 Anrufe pro Stunde in einzelnen Praxen eingegangen – ein Ansturm, der mit dem vorhandenen Personal kaum zu bewältigen war. Die Einführung von Online-Terminvergaben und E-Mail-Anfragen habe hier spürbare Entlastung gebracht und wird inzwischen dauerhaft genutzt.
Personalmangel verschärft die Lage
Ein weiterer Grund für die eingeschränkte telefonische Erreichbarkeit ist laut dem Virchowbund, einem Verband niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, der anhaltende Fachkräftemangel in den Praxen. Es fehlt vielerorts an medizinischen Fachangestellten (MFA), die neben der Patientenbetreuung auch für die Kommunikation zuständig sind. Die zunehmende Arbeitsbelastung erschwert eine durchgängige telefonische Erreichbarkeit zusätzlich.
Steigende Aggression am Telefon
Hinzu kommt ein weiterer, besorgniserregender Aspekt: Die Zahl der Beschimpfungen und aggressiven Reaktionen am Telefon habe laut Verbandsangaben spürbar zugenommen. Ursache sei oft die Knappheit an zeitnahen Terminen, was zu Frust bei den Patientinnen und Patienten führt. Die Praxis-Mitarbeitenden seien dadurch psychisch stark belastet.
Fazit: Digital statt Durchklingeln
Die digitale Terminvergabe über Webseiten, Apps oder E-Mail wird zunehmend zur Standardlösung – nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern auch als Schutzmaßnahme für das Praxispersonal. Patientinnen und Patienten werden zunehmend aufgefordert, diese Möglichkeiten zu nutzen, um Wartezeiten zu verkürzen und den Ablauf in den Praxen zu entlasten. Die telefonische Terminvergabe bleibt bestehen, wird aber seltener zur ersten Anlaufstelle.