Die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei hat offiziell den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt. Die Entscheidung wurde im Rahmen eines Besuchs des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. in Buenos Aires bekannt gegeben. Damit folgt Argentinien dem Kurs der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die den WHO-Austritt bereits im Januar verkündet hatte.
Begründung: Kritik an „politisierten Strukturen“ der WHO
In einer offiziellen Mitteilung warf die argentinische Regierung der WHO vor, wissenschaftliche Prinzipien zu vernachlässigen und stattdessen in politisch-bürokratischen Interessen verhaftet zu sein. „Die Vorschriften der WHO funktionieren nicht, weil sie nicht auf Wissenschaft beruhen“, heißt es in der Erklärung. Bereits seit Monaten hatte Präsident Milei eine konfrontative Haltung gegenüber multilateralen Organisationen eingenommen.
Die Entscheidung markiert eine tiefgreifende Abkehr von der bisherigen außen- und gesundheitspolitischen Linie Argentiniens, das traditionell eng mit UN-Institutionen zusammengearbeitet hatte.
Gesundheitspartnerschaft mit den USA angekündigt
Zeitgleich mit dem WHO-Austritt kündigten die Regierungen in Washington und Buenos Aires eine neue bilaterale Gesundheitsagenda an. Der argentinische Gesundheitsminister Mario Lugones und US-Minister Kennedy trafen sich zu Beratungen, bei denen es laut Lugones um die Entwicklung eines „transparenten und vertrauenswürdigen Gesundheitssystems“ ging.
Beide Seiten betonten, sie teilten ähnliche Grundhaltungen – insbesondere in Bezug auf die Kritik an der WHO, deren Rolle in der COVID-19-Pandemie von beiden Regierungen als fehlgeleitet und unkontrolliert bezeichnet wurde. Man wolle künftig alternative Standards und Kooperationsformen entwickeln, die sich „an der Freiheit der Bürger und der nationalen Souveränität“ orientieren.
Internationale Reaktionen und mögliche Konsequenzen
Die Ratifizierung des WHO-Austritts durch Argentinien stößt international auf scharfe Kritik, insbesondere aus der EU, von Gesundheits-NGOs und multilateralen Institutionen. Fachleute warnen vor den möglichen Folgen für die epidemiologische Zusammenarbeit, insbesondere bei grenzüberschreitenden Gesundheitskrisen wie Pandemien, Antibiotikaresistenzen oder Impfstoffverteilung.
Auch innerhalb Argentiniens ist die Entscheidung umstritten: Medizinerverbände und Oppositionsparteien äußerten Sorge, dass sich das Land dadurch international isoliert und den Zugang zu wichtigen medizinischen Netzwerken und Daten aufs Spiel setzt.
Kennedy ruft zum globalen WHO-Austritt auf
Am Rande der Entscheidung veröffentlichte Robert F. Kennedy Jr. eine Videobotschaft anlässlich der Verabschiedung des neuen WHO-Pandemieabkommens in Genf. Darin rief er weitere Staaten zum Austritt auf und bezeichnete das Abkommen als „Bedrohung für die nationale Selbstbestimmung und die medizinische Freiheit“. Kennedy gilt als scharfer Kritiker globaler Gesundheitsinstitutionen und ist international für seine impfkritischen Positionen bekannt.
Fazit: Symbolische Wende mit unklaren Folgen
Der WHO-Austritt Argentiniens ist ein symbolträchtiger Schritt und politisch vor allem als Signal der Nähe zur neuen US-Regierung zu verstehen. Welche praktischen Auswirkungen dieser Schritt auf die Gesundheitsversorgung im Land haben wird – insbesondere in Notlagen – ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch: Argentinien positioniert sich damit sichtbar gegen den multilateralen Konsens in der globalen Gesundheitspolitik.