Apothekerpräsident sieht keinen Grund zur Sorge
Mit Beginn der kälteren Jahreszeit steigt erfahrungsgemäß die Nachfrage nach Arzneimitteln gegen typische Atemwegsinfektionen und fieberhafte Erkrankungen.
Besonders gefragt sind dann unter anderem fiebersenkende Medikamente, Mittel zur Linderung von Erkältungsbeschwerden und Antibiotika zur Behandlung bestimmter bakterieller Infektionen.
Für die bevorstehende Herbst- und Wintersaison gibt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nun Entwarnung.
ABDA-Präsident Thomas Preis erklärte gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die Apotheken bei wichtigen saisonalen Arzneimitteln derzeit keine größeren Versorgungsprobleme erwarteten.
Insbesondere bei Antibiotika sehe der Verband für den verbleibenden Teil des Jahres 2026 keine Gefahr größerer Engpässe.
Diese Einschätzung dürfte vor allem Familien mit kleinen Kindern beruhigen, nachdem Lieferprobleme bei bestimmten Arzneimitteln in früheren Jahren für Unsicherheit gesorgt hatten.
Auch Fiebersäfte und Grippemittel sollen verfügbar bleiben
Die positive Einschätzung der Apothekerverbände beschränkt sich nicht allein auf Antibiotika.
Auch bei Fiebersäften und saisonal benötigten Grippemitteln wird die Versorgung nach den vorliegenden Angaben derzeit als gesichert angesehen.
Gerade Fiebersäfte spielen in Familien mit jüngeren Kindern eine wichtige Rolle, da sie eine altersgerechte Dosierung ermöglichen.
Die aktuelle Entwarnung bedeutet allerdings nicht, dass jederzeit jedes Medikament jedes Herstellers in jeder Apotheke vorrätig sein muss.
Zwischen der allgemeinen Versorgungslage und der Verfügbarkeit eines bestimmten Präparats bestehen Unterschiede.
Einzelne Arzneimittel können zeitweise fehlen, obwohl die Versorgung insgesamt gewährleistet ist.
Was passiert, wenn ein bestimmtes Antibiotikum nicht verfügbar ist?
Nach Einschätzung des Apothekerpräsidenten stehen auch dann häufig Alternativen zur Verfügung, wenn einzelne Präparate vorübergehend knapp werden.
Das kann beispielsweise ein Arzneimittel eines anderen Herstellers mit demselben Wirkstoff sein.
In bestimmten Fällen kommt auch ein anderes geeignetes Medikament infrage.
Dabei müssen allerdings die medizinischen Voraussetzungen berücksichtigt werden.
Nicht jedes Antibiotikum kann ohne Weiteres durch ein anderes ersetzt werden.
Entscheidend sind unter anderem die Art der bakteriellen Infektion, mögliche Allergien, die erforderliche Dosierung und das Alter des Patienten.
Ein Wechsel des Wirkstoffs sollte deshalb ärztlich abgestimmt werden.
Patienten sollten ein verordnetes Antibiotikum nicht eigenständig austauschen oder die Behandlung verändern.
Warum die Versorgungssicherheit so wichtig ist
Lieferengpässe bei Arzneimitteln können für Patienten und Apotheken erhebliche Schwierigkeiten verursachen.
Fehlt ein benötigtes Präparat, müssen Apotheken gegebenenfalls nach Alternativen suchen, andere Packungsgrößen prüfen oder Rücksprache mit der behandelnden Arztpraxis halten.
Für Betroffene kann dies mit zusätzlichem Aufwand und Unsicherheit verbunden sein.
Besonders problematisch sind Lieferengpässe bei Medikamenten, die kurzfristig benötigt werden oder für die nur wenige geeignete Alternativen existieren.
Deshalb ist die Einschätzung der Apothekerverbände für die bevorstehende Erkältungs- und Infektionssaison von besonderem Interesse.
Die aktuelle Entwarnung deutet darauf hin, dass die Versorgung mit den genannten saisonalen Arzneimittelgruppen aus Sicht des Verbandes vorerst stabil ist.
Antibiotika helfen nicht gegen jede Erkältung
Unabhängig von der Versorgungslage bleibt ein wichtiger medizinischer Hinweis: Antibiotika wirken gegen bakterielle Infektionen, nicht gegen Viren.
Gewöhnliche Erkältungen und viele grippale Infekte werden durch Viren verursacht.
In solchen Fällen sind Antibiotika in der Regel nicht hilfreich.
Ihre unnötige Anwendung kann Nebenwirkungen verursachen und die Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien begünstigen.
Deshalb sollten Antibiotika nur nach entsprechender ärztlicher Verordnung und gemäß den medizinischen Anweisungen eingenommen werden.
Müssen Verbraucher Medikamente auf Vorrat kaufen?
Aus der aktuellen Einschätzung der Apothekerverbände ergibt sich kein Anlass, aus Sorge vor einer allgemeinen Knappheit größere Mengen an Antibiotika oder Fiebersäften zu bevorraten.
Eine angemessen ausgestattete Hausapotheke kann sinnvoll sein.
Das vorsorgliche Horten großer Arzneimittelmengen ist dagegen nicht notwendig und kann bei plötzlich steigender Nachfrage selbst zu örtlichen Verfügbarkeitsproblemen beitragen.
Insbesondere Antibiotika sollten nicht für eine spätere Selbstbehandlung aufbewahrt oder ohne aktuelle ärztliche Anweisung verwendet werden.
Entwarnung gilt zunächst für die aktuelle Einschätzung
Trotz der positiven Nachricht lässt sich die Arzneimittelversorgung nicht für die gesamte Wintersaison garantieren.
Lieferketten, Produktionsbedingungen und die tatsächliche Nachfrage können sich verändern.
Die Aussage der ABDA bezieht sich auf die gegenwärtige Einschätzung der Versorgungslage und die Erwartung für den verbleibenden Teil des Jahres 2026.
Sie ist daher nicht mit einer Garantie gleichzusetzen, dass einzelne Medikamente unter keinen Umständen knapp werden.
Für Patienten bleibt die örtliche Apotheke eine wichtige Anlaufstelle, wenn ein verordnetes Arzneimittel nicht unmittelbar verfügbar ist.