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ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming: Eigenkapital bricht um 69 Prozent ein – Rückstellungen steigen auf 873.000 Euro

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Eigenkapital verliert innerhalb eines Jahres mehr als zwei Drittel

Die ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming GmbH & Co. KG mit Sitz in Schenkenberg, Ortsteil Dauerthal, hat ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2024 veröffentlicht.

Die Zahlen zeigen eine deutliche Veränderung der Vermögens- und Kapitalstruktur.

Das Eigenkapital verringerte sich von 317.217,55 Euro Ende 2023 auf 99.812,51 Euro Ende 2024.

Damit sank es um 217.405,04 Euro beziehungsweise rund 68,5 Prozent.

Der Rückgang ist erheblich, weil die Gesellschaft zum Bilanzstichtag nur noch über eine vergleichsweise geringe bilanzielle Eigenkapitalbasis verfügte.

Die Eigenkapitalquote fiel von rund 25,3 Prozent auf nur noch 8,9 Prozent.

Damit werden mehr als 91 Prozent der Bilanzsumme durch Rückstellungen und Verbindlichkeiten abgedeckt.

Die Gesellschaft hat innerhalb eines Jahres einen großen Teil ihres bilanziellen Eigenkapitalpuffers verloren.

Aus dem veröffentlichten Abschluss geht allerdings nicht hervor, wodurch der Rückgang im Einzelnen verursacht wurde.

Eine Gewinn- und Verlustrechnung mit konkreten Ertrags- und Aufwandszahlen ist in den vorliegenden Unterlagen nicht enthalten.

Auch Angaben zu möglichen Entnahmen oder Ergebniszuweisungen fehlen.

Deshalb lässt sich nicht feststellen, ob die Entwicklung auf operative Verluste, Ausschüttungen, Entnahmen oder andere Veränderungen der Gesellschafterkonten zurückzuführen ist.

Bilanzsumme sinkt auf 1,12 Millionen Euro

Die Bilanzsumme verringerte sich von 1.255.413,54 Euro Ende 2023 auf 1.119.440,35 Euro Ende 2024.

Das entspricht einem Rückgang um 135.973,19 Euro beziehungsweise rund 10,8 Prozent.

Auf der Aktivseite fällt insbesondere die Abnahme des Anlagevermögens auf.

Dieses sank von 284.827,06 Euro auf 234.347,06 Euro.

Die Veränderung beträgt exakt 50.480 Euro.

Der weit überwiegende Teil des Anlagevermögens besteht aus immateriellen Vermögensgegenständen.

Diese wurden Ende 2024 mit 234.346,06 Euro bilanziert.

Das Sachanlagevermögen ist dagegen lediglich mit einem Erinnerungswert von einem Euro ausgewiesen.

Damit unterscheidet sich die Bilanzstruktur deutlich von Windparkgesellschaften, die ihre Windenergieanlagen selbst mit hohen Buchwerten in der Bilanz führen.

Welche konkreten Rechte oder Vermögenswerte hinter den immateriellen Vermögensgegenständen stehen, erläutert der veröffentlichte Anhang nicht näher.

Eine eindeutige Aussage über die Eigentumsverhältnisse an den tatsächlich betriebenen Windenergieanlagen lässt sich daraus nicht ableiten.

Forderungen gehen um fast die Hälfte zurück

Auch das Umlaufvermögen entwickelte sich rückläufig.

Es sank von 970.586,48 Euro auf 884.085,86 Euro.

Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen aus.

Diese verringerten sich von 567.032,99 Euro auf 294.204,01 Euro.

Das entspricht einer Abnahme um 272.828,98 Euro beziehungsweise rund 48,1 Prozent.

Die Gesellschaft weist darauf hin, dass sämtliche Forderungen wie im Vorjahr eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr haben.

Welche einzelnen Forderungen hinter den bilanzierten Beträgen stehen, wird jedoch nicht näher erläutert.

Der starke Rückgang könnte grundsätzlich auf Zahlungseingänge oder eine geringere Entstehung neuer Forderungen zurückzuführen sein.

Welche Ursache im konkreten Fall vorliegt, lässt sich anhand der veröffentlichten Angaben nicht bestimmen.

Bankguthaben steigen auf knapp 590.000 Euro

Trotz des deutlichen Eigenkapitalrückgangs zeigt die Liquiditätsposition zunächst eine positive Entwicklung.

Die liquiden Mittel erhöhten sich von 403.553,49 Euro Ende 2023 auf 589.881,85 Euro Ende 2024.

Das entspricht einem Anstieg um 186.328,36 Euro beziehungsweise rund 46,2 Prozent.

Damit verfügte die Gesellschaft am Bilanzstichtag über Bankguthaben und Kassenbestände von knapp 590.000 Euro.

Dieser Betrag übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 147.000 Euro deutlich.

Allerdings darf daraus nicht geschlossen werden, dass sämtliche zukünftigen Verpflichtungen problemlos finanziert werden können.

Denn neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen erhebliche Rückstellungen und langfristige finanzielle Verpflichtungen.

Zudem ist aus der Bilanz nicht ersichtlich, in welchem Umfang die liquiden Mittel möglicherweise für bestimmte Zwecke gebunden oder wirtschaftlich bereits verplant sind.

Der Anstieg der Bankguthaben ist deshalb ein positives Liquiditätssignal, aber kein vollständiger Nachweis langfristiger finanzieller Stabilität.

Rückstellungen steigen um mehr als 100.000 Euro

Besonders auffällig ist die Entwicklung der Rückstellungen.

Diese erhöhten sich von 769.102,58 Euro Ende 2023 auf 872.925,33 Euro Ende 2024.

Das entspricht einem Anstieg um 103.822,75 Euro beziehungsweise rund 13,5 Prozent.

Die Rückstellungen machen inzwischen rund 78 Prozent der gesamten Bilanzsumme aus.

Damit stellen sie den mit Abstand größten Posten auf der Passivseite dar.

Zum Vergleich: Das Eigenkapital beträgt nur noch knapp 100.000 Euro.

Die Rückstellungen sind somit rechnerisch etwa 8,7-mal so hoch wie das Eigenkapital.

Rückstellungen werden für Verpflichtungen gebildet, deren Höhe oder Fälligkeit noch nicht endgültig feststeht.

Bei Windparkgesellschaften können darunter beispielsweise Rückbauverpflichtungen oder andere langfristige Risiken fallen.

Welche konkreten Verpflichtungen den Rückstellungen der ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming GmbH & Co. KG zugrunde liegen, wird im vorliegenden Anhang allerdings nicht aufgeschlüsselt.

Deshalb wäre es nicht gerechtfertigt, den gesamten Betrag ohne weitere Nachweise als Rückbaurückstellung zu bezeichnen.

Fest steht lediglich, dass die Gesellschaft erhebliche bilanzielle Verpflichtungen ausweist und diese im Geschäftsjahr weiter gestiegen sind.

Verbindlichkeiten sinken auf rund 147.000 Euro

Die bilanzierten Verbindlichkeiten gingen im Jahr 2024 zurück.

Ende 2023 beliefen sie sich noch auf 169.093,41 Euro.

Zum 31. Dezember 2024 wurden 146.702,51 Euro ausgewiesen.

Das entspricht einer Verringerung um 22.390,90 Euro beziehungsweise rund 13,2 Prozent.

Sämtliche Verbindlichkeiten haben nach Angaben des Unternehmens eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Eine Aufschlüsselung nach Bankverbindlichkeiten, Lieferantenforderungen oder sonstigen Gläubigern enthält die veröffentlichte Bilanz nicht.

Damit bleibt offen, welche konkreten Verpflichtungen sich hinter dem Gesamtbetrag verbergen.

Aus den Zahlen lässt sich allerdings erkennen, dass die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über deutlich höhere liquide Mittel als kurzfristige Verbindlichkeiten verfügte.

Eine akute Zahlungsunfähigkeit lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.

Langfristige Verpflichtungen von mehr als zwei Millionen Euro

Neben den bilanzierten Schulden nennt die Gesellschaft weitere finanzielle Verpflichtungen.

Diese belaufen sich bis zum Jahr 2036 auf insgesamt 2.057.552,36 Euro.

Damit übersteigen die sonstigen finanziellen Verpflichtungen die gesamte Bilanzsumme deutlich.

Sie entsprechen rechnerisch etwa dem 20,6-Fachen des zum Jahresende ausgewiesenen Eigenkapitals.

Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die wirtschaftliche Größenordnung der langfristigen Bindungen.

Allerdings handelt es sich um Verpflichtungen, die sich über mehrere Jahre erstrecken.

Sie sind daher nicht mit sofort fälligen Schulden gleichzusetzen.

Nach Angaben der Geschäftsführung sind die sonstigen finanziellen Verpflichtungen durch zukünftige Erlöse gedeckt.

Bei variablen Vertragsbestandteilen, etwa ertragsabhängigen Komponenten, wurden nach Unternehmensangaben plausible Annahmen zugrunde gelegt.

Eine unabhängige Überprüfung dieser Einschätzung ist anhand des veröffentlichten Abschlusses jedoch nicht möglich.

Insbesondere fehlen konkrete Umsatzprognosen, Liquiditätsplanungen und Angaben zu den erwarteten Stromerträgen.

Redispatch-Abrechnungen bleiben problematisch

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt betrifft die Abrechnung von Redispatch-Maßnahmen.

Unter Redispatch versteht man Eingriffe in die Stromerzeugung, die aus Gründen der Netzstabilität erforderlich werden können.

Windenergieanlagen können dabei beispielsweise angewiesen werden, ihre Einspeisung zeitweise zu reduzieren.

Für solche Maßnahmen können unter den gesetzlichen Voraussetzungen finanzielle Ausgleichsansprüche entstehen.

Die ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming GmbH & Co. KG weist ausdrücklich darauf hin, dass die Einführung von Redispatch 2.0 weiterhin mit technischen und administrativen Herausforderungen verbunden ist.

Zum Zeitpunkt der Abschlusserstellung konnten demnach noch nicht sämtliche Maßnahmen abgerechnet werden.

Deshalb musste die Gesellschaft die erwarteten Entschädigungen teilweise schätzen.

Dabei wurde ein Sicherheitsabschlag von 20 Prozent berücksichtigt.

Die auf dieser Grundlage erwarteten Entschädigungen werden in den Umsatzerlösen ausgewiesen.

Diese Vorgehensweise verdeutlicht, dass ein Teil der erfassten Umsätze auf Schätzungen beruht.

Wie hoch die betreffenden Beträge konkret sind, wird im veröffentlichten Anhang nicht angegeben.

Damit bleibt offen, welche Bedeutung die noch nicht abschließend abgerechneten Redispatch-Entschädigungen für die Ertragslage haben.

Warum der Sicherheitsabschlag von 20 Prozent wichtig ist

Der Sicherheitsabschlag soll Unsicherheiten bei der Bewertung noch offener Entschädigungsansprüche berücksichtigen.

Das Unternehmen setzt die erwarteten Zahlungen somit nicht vollständig in der ursprünglich geschätzten Höhe an.

Dennoch bleibt ein Bewertungsrisiko bestehen.

Sollten spätere Abrechnungen von den Schätzungen abweichen, könnten sich daraus Auswirkungen auf die tatsächlich realisierten Erlöse ergeben.

Ob die Gesellschaft mit zusätzlichen Zahlungen rechnen kann oder ob bereits angesetzte Beträge korrigiert werden müssen, lässt sich derzeit nicht beurteilen.

Die fehlende konkrete Bezifferung der offenen Redispatch-Ansprüche erschwert eine genauere Einschätzung.

Haftungsrisiko für Kommanditisten ausdrücklich erwähnt

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch ein Hinweis im Anhang zum Eigenkapital.

Die im Handelsregister eingetragene Kommanditeinlage beträgt 437.500 Euro.

Nach Angaben des Unternehmens entspricht dies zugleich der gesellschaftsvertraglich geschuldeten und vollständig eingezahlten Pflichteinlage.

Allerdings weist die Gesellschaft ausdrücklich auf ein Wiederaufleben der Außenhaftung gemäß § 172 Absatz 4 Handelsgesetzbuch hin.

Hintergrund sind den Gesellschaftern zuzurechnende Kapitalertragsteuern und darauf entfallende Solidaritätszuschläge in Höhe von insgesamt 25.457,28 Euro.

Nach Darstellung im Jahresabschluss führen diese Beträge zu einem Wiederaufleben der Außenhaftung.

Das ist für die Kommanditisten von Bedeutung.

Grundsätzlich ist die Außenhaftung eines Kommanditisten durch die im Handelsregister eingetragene Haftsumme begrenzt und kann durch die Erbringung der Einlage ausgeschlossen sein.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie jedoch wieder aufleben, etwa wenn Einlagen im haftungsrechtlichen Sinne zurückgewährt werden.

Die Gesellschaft benennt einen solchen Sachverhalt ausdrücklich.

Daraus folgt allerdings nicht, dass die Kommanditisten bereits tatsächlich von Gläubigern in Anspruch genommen wurden.

Die Mitteilung beschreibt vielmehr eine haftungsrechtliche Situation, deren konkrete Auswirkungen vom Einzelfall abhängen.

Bilanzgewinn beträgt null Euro

In der Bilanz wird für das Geschäftsjahr 2024 ein Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust von null Euro ausgewiesen.

Dasselbe gilt für das Vorjahr.

Dieser Wert bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Gesellschaft im Jahr 2024 weder einen Gewinn noch einen Verlust erwirtschaftet hat.

Bei einer Kommanditgesellschaft können Jahresergebnisse unmittelbar den Kapitalkonten der Gesellschafter zugeordnet werden.

Ohne die konkreten Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung und eine Entwicklung der Gesellschafterkonten lässt sich das tatsächliche Jahresergebnis nicht zuverlässig bestimmen.

Der Rückgang des Eigenkapitals um rund 217.000 Euro darf deshalb nicht automatisch als Jahresverlust bezeichnet werden.

Die veröffentlichte Bilanz zeigt zwar eine deutliche Verringerung des Eigenkapitals, erläutert deren Ursachen aber nicht ausreichend.

Keine eigenen Mitarbeiter

Die Gesellschaft beschäftigte im Geschäftsjahr 2024 keine eigenen Mitarbeiter.

Das ist bei Windparkgesellschaften nicht ungewöhnlich, da technische Betriebsführung, Wartung, Verwaltung und weitere Dienstleistungen häufig durch externe oder verbundene Unternehmen erbracht werden.

Welche konkrete Organisationsstruktur bei der ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming GmbH & Co. KG besteht, geht aus dem veröffentlichten Anhang jedoch nicht hervor.

Der Jahresabschluss wurde am 27. Juni 2025 von Michael Westphal und Branko Swierczek unterzeichnet.

Die Feststellung erfolgte erst am 13. Juli 2026.

Veröffentlicht wurde der Abschluss am 8. Oktober 2026.

Damit liegen zwischen dem Bilanzstichtag Ende 2024 und der Veröffentlichung mehr als 21 Monate.

Eine aktuelle Bewertung der wirtschaftlichen Situation im Jahr 2026 ist auf Grundlage dieser historischen Zahlen deshalb nur eingeschränkt möglich.

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