Der Betrug beginnt häufig auf anderen Plattformen
Romance Scamming, auch Love Scamming oder Liebesbetrug genannt, ist eine Betrugsform, bei der Täter eine romantische Beziehung vortäuschen, um an Geld oder persönliche Informationen zu gelangen.
Die erste Kontaktaufnahme erfolgt häufig über soziale Netzwerke oder Datingplattformen wie TikTok, Instagram, Facebook oder Dating-Apps.
Die Täter verwenden oftmals attraktive Profilbilder, glaubwürdig wirkende Namen und erfundene Lebensgeschichten. Sie geben sich beispielsweise als erfolgreiche Geschäftsleute, Ärzte, Angehörige des Militärs oder finanziell unabhängige Unternehmer aus.
Zunächst geht es nicht um Geld. Stattdessen versuchen die Betrüger, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Sie zeigen Interesse am Alltag ihres Gegenübers, schreiben regelmäßig und vermitteln das Gefühl, eine besondere Verbindung sei entstanden.
Erst wenn ein gewisses Vertrauen vorhanden ist, wird die Kommunikation auf einen anderen Messenger verlagert.
In vielen Fällen spielt dabei Telegram eine wichtige Rolle.
Warum Betrüger auf Telegram wechseln
Telegram ermöglicht die Kommunikation über Benutzernamen, ohne dass die Telefonnummer des Gesprächspartners zwingend sichtbar sein muss.
Für Menschen, die ihre Privatsphäre schützen möchten, kann das praktisch sein. Die gleiche Funktion kann jedoch auch von Betrügern ausgenutzt werden.
Ein Täter kann einen seriös wirkenden Namen verwenden, ohne seine tatsächliche Identität offenzulegen.
Ein Profil mit einem professionellen Foto und einer überzeugenden Beschreibung ist deshalb kein Beweis dafür, dass die dargestellte Person tatsächlich existiert.
Der Wechsel auf Telegram ist allerdings für sich genommen noch kein Betrugsnachweis.
Verdächtig wird die Situation insbesondere dann, wenn mehrere Warnsignale zusammenkommen: eine ungewöhnlich schnelle emotionale Annäherung, ausweichende Antworten auf Fragen zur Identität und schließlich Geldforderungen.
Aus einer Liebesgeschichte wird ein finanzielles System
Eine Besonderheit professioneller Betrugsmaschen besteht darin, dass nicht immer nur eine Person mit dem Opfer kommuniziert.
Zunächst schreibt beispielsweise eine vermeintliche Unternehmerin oder ein angeblicher Geschäftsmann.
Später melden sich plötzlich weitere Personen.
Sie treten als Assistenten, Manager, Finanzberater oder Mitarbeiter einer Agentur auf.
Für Betroffene kann dadurch der Eindruck entstehen, dass sie es mit einer echten Organisation zu tun haben.
Tatsächlich können sämtliche Rollen Teil derselben betrügerischen Inszenierung sein.
Die zusätzlichen Kontakte sollen die Geschichte glaubwürdiger machen und die Geldforderungen legitimieren.
Aus einer vermeintlichen Liebesbeziehung entwickelt sich so ein System, in dem mehrere Profile auf das Opfer einwirken.
Besonders gefährlich ist dabei, dass die Täter unterschiedliche Formen von Druck einsetzen können.
Während die angebliche Partnerin emotionalen Einfluss ausübt, erklärt ein vermeintlicher Mitarbeiter, weshalb eine Zahlung notwendig sei.
Ein weiterer Kontakt bestätigt anschließend die angeblichen Regeln.
Dadurch können Zweifel gezielt zerstreut werden.
Fall aus Greifswald: Rund 45.000 Euro verloren
Wie weit solche Betrugsfälle gehen können, zeigt ein Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern.
Nach einem Bericht der Ostsee-Zeitung vom 1. Juli 2026 verlor ein 45-jähriger Mann aus Greifswald rund 45.000 Euro.
Der Mann hatte zunächst über TikTok Kontakt zu einer vermeintlichen Partnerin aufgenommen.
Anschließend wurde die Kommunikation auf Telegram verlagert.
Dort trat er nicht nur mit der ursprünglichen Kontaktperson in Verbindung, sondern auch mit mehreren angeblichen Mitarbeitern.
Im weiteren Verlauf wurden immer neue Gebühren verlangt. Diese sollten angeblich seine Vertrauenswürdigkeit beweisen.
Der Mann zahlte mehrfach Geld.
Als er später die Rückzahlung verlangte, sollte er weitere 15.000 Euro überweisen.
Erst als er versuchte, für diese zusätzliche Zahlung einen Kredit aufzunehmen, wurde die Bank aufmerksam.
Der Fall verdeutlicht, dass die finanziellen Schäden erheblich sein können.
Zudem zeigt er, dass die Betrugsmasche nicht zwangsläufig endet, wenn ein Opfer sein Geld zurückfordert.
Stattdessen können Täter weitere Zahlungen verlangen und behaupten, erst danach sei eine Auszahlung möglich.
Warum Betroffene immer wieder bezahlen
Die psychologische Wirkung solcher Betrugsmaschen ist ein wesentlicher Bestandteil des Vorgehens.
Wer über Wochen oder Monate mit einer vermeintlichen Partnerin oder einem vermeintlichen Partner kommuniziert, entwickelt möglicherweise eine starke emotionale Bindung.
Die Täter nutzen diese Bindung aus.
Sie verbinden Zuneigung mit Forderungen und stellen Zahlungen als notwendige Voraussetzung für eine gemeinsame Zukunft dar.
Manchmal behaupten sie, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden.
In anderen Fällen geht es um angebliche Investitionen, Kontofreischaltungen, Steuern oder Verwaltungsgebühren.
Besonders problematisch ist die Situation, wenn bereits hohe Beträge gezahlt wurden.
Dann hoffen Betroffene möglicherweise, ihr Geld durch eine weitere Überweisung zurückzubekommen.
Die Täter verstärken diese Hoffnung, indem sie eine angeblich unmittelbar bevorstehende Auszahlung versprechen.
Tatsächlich können solche Forderungen dazu dienen, den finanziellen Schaden weiter zu erhöhen.
Telegram-Nachrichten können gelöscht werden
Ein wichtiger Punkt betrifft die Beweissicherung.
Bei Telegram können in privaten Einzelchats Nachrichten für beide Gesprächspartner gelöscht werden.
Auch ganze Chatverläufe können verschwinden.
Für Betrugsopfer ist das besonders problematisch.
Denn Nachrichten mit Zahlungsaufforderungen, Kontodaten oder konkreten Versprechen können später wichtige Beweismittel sein.
Wer erst nach mehreren Wochen versucht, die Kommunikation zu dokumentieren, könnte feststellen, dass entscheidende Inhalte nicht mehr vorhanden sind.
Deshalb empfiehlt sich eine frühzeitige Sicherung der vorhandenen Informationen.
Dazu gehören insbesondere Chatverläufe, Screenshots, Profilnamen, Benutzernamen, Zahlungsaufforderungen und übermittelte Dokumente.
Auch Überweisungsbelege und Angaben zu den Empfängerkonten sollten aufbewahrt werden.
Wichtig ist, die Informationen möglichst vollständig und unverändert zu sichern.
Welche Warnsignale auf Romance Scamming hindeuten
Nicht jede Onlinebekanntschaft, die Telegram verwendet, ist verdächtig.
Bestimmte Verhaltensweisen können jedoch auf einen Betrugsversuch hinweisen.
Dazu zählen insbesondere eine ungewöhnlich schnelle emotionale Annäherung, die frühzeitige Verlagerung der Kommunikation auf Telegram und das wiederholte Vermeiden persönlicher Treffen oder überprüfbarer Videogespräche.
Ein weiteres Warnsignal ist das plötzliche Auftreten angeblicher Mitarbeiter, Berater oder anderer Kontaktpersonen.
Besonders kritisch wird es, wenn Geld für Gebühren, Investitionen, Notfälle oder die Freigabe einer Auszahlung verlangt wird.
Auch wiederholte Zahlungsaufforderungen, obwohl bereits erhebliche Beträge überwiesen wurden, sollten ernst genommen werden.
Besonders gefährlich ist die Kombination aus emotionalem Druck und finanziellen Forderungen.
Eine persönliche Beziehung sollte nicht davon abhängig gemacht werden, dass eine neu kennengelernte Person hohe Geldbeträge überweist.
Was Betroffene sofort tun sollten
Wer den Verdacht hat, Opfer eines Liebesbetrugs geworden zu sein, sollte zunächst keine weiteren Zahlungen leisten.
Auch vermeintliche Freischaltgebühren oder zusätzliche Beträge zur Rückholung bereits überwiesenen Geldes sollten nicht bezahlt werden.
Wichtig ist anschließend die Sicherung der vorhandenen Beweise.
Chats, Zahlungsbelege und Informationen zu den beteiligten Profilen können für spätere Ermittlungen von Bedeutung sein.
Wenn Geld überwiesen wurde, sollte möglichst schnell die eigene Bank kontaktiert werden.
Je nach Zahlungsweg und Bearbeitungsstand kann geprüft werden, ob eine Rückholung oder Sperrung noch möglich ist.
Eine erfolgreiche Rückbuchung ist allerdings nicht garantiert.
Betroffene sollten außerdem Strafanzeige bei der Polizei erstatten.
Wurden Passwörter, Ausweiskopien oder andere sensible Informationen weitergegeben, sollten zusätzlich die betroffenen Konten und Zugänge abgesichert werden.
Bei größeren finanziellen Schäden kann eine rechtliche Beratung helfen, mögliche Ansprüche und weitere Schritte zu prüfen.
Vorsicht vor einem zweiten Betrug
Eine zusätzliche Gefahr entsteht nach dem eigentlichen Liebesbetrug.
Manche Geschädigte werden später erneut kontaktiert.
Die neuen Ansprechpartner behaupten beispielsweise, sie könnten verlorenes Geld zurückholen.
Dafür verlangen sie jedoch zunächst eine Bearbeitungsgebühr, eine Steuerzahlung oder eine angebliche Sicherheitsleistung.
Auch vermeintliche Ermittler, Finanzexperten oder Rückholagenturen können Teil einer erneuten Betrugsmasche sein.
Betroffene sollten deshalb besonders vorsichtig sein, wenn ihnen eine garantierte Rückzahlung gegen Vorkasse versprochen wird.
Eine erfolgreiche Geldrückholung lässt sich nicht pauschal zusichern.
Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen
Romance Scamming kann strafrechtlich als Betrug relevant sein.
Entscheidend sind die konkreten Umstände des Einzelfalls.
Wenn Täter durch falsche Angaben über ihre Identität, Absichten oder angebliche finanzielle Verpflichtungen Zahlungen erschleichen, kann der Tatbestand des Betrugs nach § 263 Strafgesetzbuch erfüllt sein.
Daneben können zivilrechtliche Ansprüche in Betracht kommen.
Ihre praktische Durchsetzung hängt jedoch davon ab, ob die verantwortlichen Personen identifiziert werden können und ob verwertbare Vermögenswerte vorhanden sind.
Gerade bei international organisierten Betrugsnetzwerken kann dies schwierig sein.
Deshalb ist eine frühzeitige Dokumentation der Kommunikation und der Geldflüsse wichtig.