Kunden warten auf Photovoltaikanschlüsse und intelligente Stromzähler
Die Energiewende stellt die Stromnetzbetreiber vor enorme Herausforderungen. Immer mehr Haushalte installieren Photovoltaikanlagen, Unternehmen planen Batteriespeicher und neue Großverbraucher benötigen leistungsfähige Netzanschlüsse.
Für viele Kunden des Bayernwerks ist die Entwicklung allerdings mit erheblichen Verzögerungen verbunden.
Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks beklagen Verbraucher lange Wartezeiten, etwa beim Anschluss privater Solaranlagen oder bei der Bereitstellung intelligenter Stromzähler.
Besonders problematisch ist dabei die Stellung des Netzbetreibers.
Während Verbraucher ihren Stromlieferanten grundsätzlich wechseln können, ist ein Wechsel des örtlichen Verteilnetzbetreibers nicht möglich.
Das Bayernwerk betreibt in seinem Netzgebiet eine staatlich regulierte Monopolinfrastruktur. Kunden sind deshalb auf funktionierende Abläufe und eine verlässliche Bearbeitung ihrer Anliegen angewiesen.
Neues Computersystem verursacht weiterhin Probleme
Eine Ursache der aktuellen Schwierigkeiten liegt offenbar in der Kundenverwaltung.
Zu Beginn des Jahres 2026 führte das Bayernwerk ein neues Computersystem ein.
Dieses funktioniert nach den vorliegenden Informationen auch Monate später noch nicht reibungslos.
Die Folgen bekommen Kunden zu spüren.
Bayernwerk-Chef Egon Westphal bezeichnete die Umstellung gegenüber dem Bayerischen Rundfunk als sehr komplizierten Prozess.
Bis das Unternehmen wieder im Normalbetrieb arbeite, werde noch Zeit vergehen.
Für die entstandenen Schwierigkeiten äußerte Westphal Bedauern.
Konkrete Angaben dazu, wann sämtliche Probleme behoben sein sollen, enthält die vorliegende Berichterstattung nicht.
Warum die Verzögerungen für Verbraucher besonders ärgerlich sind
Bei einem Stromnetzanschluss handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Dienstleistung, die Kunden bei Unzufriedenheit einfach bei einem anderen Anbieter bestellen können.
Wer eine Photovoltaikanlage betreiben möchte, ist auf die notwendigen netzseitigen Prozesse angewiesen.
Verzögerungen können deshalb die Inbetriebnahme einer Anlage erschweren oder geplante Investitionen beeinträchtigen.
Auch bei intelligenten Stromzählern sind Verbraucher und Anlagenbetreiber auf funktionierende Prozesse der zuständigen Unternehmen angewiesen.
Dabei muss zwischen unterschiedlichen Ursachen unterschieden werden: Nicht jede Verzögerung ist zwangsläufig auf fehlende Netzkapazität zurückzuführen.
Auch administrative Abläufe, technische Umstellungen oder die Koordination verschiedener Beteiligter können eine Rolle spielen.
Gerade deshalb ist für betroffene Kunden wichtig, dass das Bayernwerk die Ursachen von Verzögerungen nachvollziehbar erklärt.
Mehr als eine Million Einspeisepunkte im Bayernwerk-Netz
Der Druck auf die Infrastruktur wächst erheblich.
Nach Angaben des Unternehmens wird inzwischen an mehr als einer Million Stellen Strom in das Bayernwerk-Netz eingespeist.
Ein großer Teil davon entfällt auf kleinere Photovoltaikanlagen.
Jeder zusätzliche Einspeisepunkt muss in die Netzplanung, die technischen Abläufe und die Verwaltung integriert werden.
Gleichzeitig verändern sich energiewirtschaftliche Vorschriften und die Anforderungen an den Netzbetrieb.
Das Bayernwerk sieht sich deshalb mit einer wachsenden Komplexität konfrontiert.
Zwei Milliarden Euro jährlich für den Netzausbau geplant
Das Unternehmen will in den Jahren bis 2030 jährlich rund zwei Milliarden Euro in den Ausbau seines Stromnetzes investieren.
Zudem wurde Personal aufgebaut.
Nach Angaben des Bayernwerks arbeiten einschließlich der Beschäftigten von Partnerfirmen inzwischen mehr als 16.000 Menschen an der Bewirtschaftung und dem Ausbau des Verteilnetzes.
Trotz dieser Anstrengungen rechnet das Unternehmen mit weiter stark steigenden Anforderungen.
Bis 2045 könnte sich die installierte Leistung erneuerbarer Energieanlagen im Bayernwerk-Netz nach dessen eigener Einschätzung nochmals verdreifachen.
Für den Stromverbrauch in Bayern erwartet das Unternehmen im selben Zeitraum eine Verdoppelung.
Dabei handelt es sich um Prognosen des Netzbetreibers, nicht um bereits eingetretene Entwicklungen.
Bayernwerk stellt neuen „Bauplan mit System“ vor
Um den erwarteten Zuwachs zu bewältigen, will das Bayernwerk seine Netzkapazitäten künftig effizienter nutzen.
Das Unternehmen stellte dazu in seiner Regensburger Zentrale einen Ansatz vor, den es als „Bauplan mit System“ bezeichnet.
Dahinter steht die Überlegung, dass sich die Energiewende nicht allein durch den Bau immer neuer Leitungen bewältigen lässt.
Vielmehr sollen vorhandene Netzkapazitäten besser ausgelastet und neue Anschlüsse intelligenter geplant werden.
Damit rückt neben dem klassischen Netzausbau zunehmend die Steuerung der verfügbaren Kapazitäten in den Mittelpunkt.
Künstliche Intelligenz soll Mitarbeiter entlasten
Ein Bestandteil der angekündigten Verbesserungen ist der Einsatz künstlicher Intelligenz.
Bayernwerk-Mitarbeiter sollen KI-Werkzeuge erhalten, die ihnen helfen, Informationen in den komplexen internen Computersystemen schneller zu finden.
Dadurch könnten Bearbeitungsprozesse vereinfacht und Beschäftigte bei Verwaltungsaufgaben unterstützt werden.
Ob dies tatsächlich zu kürzeren Wartezeiten für Kunden führt, muss sich allerdings erst zeigen.
Die Einführung von KI-Werkzeugen allein garantiert noch keine schnellere Bearbeitung.
Entscheidend wird sein, ob die zugrunde liegenden Daten korrekt, die Systeme zuverlässig und die internen Abläufe ausreichend aufeinander abgestimmt sind.
Neue Regeln für große Netzanschlüsse
Eine wesentliche Änderung betrifft die Vergabe von Netzanschlusskapazitäten an große Stromverbraucher und andere größere Anschlussprojekte.
Bisher erfolgte die Bearbeitung beziehungsweise Vergabe von Anschlusszusagen nach Darstellung des Bayernwerks weitgehend nach dem sogenannten Windhundprinzip.
Dabei konnten früh eingereichte Projekte Netzkapazitäten reservieren, selbst wenn ihre tatsächliche Umsetzung noch ungewiss war.
Das führte nach Darstellung des Unternehmens dazu, dass sogenannte Papierprojekte Kapazitäten blockierten, die andere Vorhaben dringend benötigten.
Künftig sollen insbesondere der Planungsstand, die Netzverträglichkeit und die Bedeutung eines Projekts stärker berücksichtigt werden.
Gut vorbereitete und tatsächlich umsetzbare Vorhaben sollen dadurch bessere Chancen erhalten.
Batteriespeicher besonders betroffen
Eine wichtige Rolle spielt dabei die stark gestiegene Nachfrage nach Netzanschlüssen für Batteriespeicher.
Solche Speicher können helfen, Strom zeitlich flexibler zu nutzen und erneuerbare Energie besser in das Versorgungssystem zu integrieren.
Allerdings benötigen auch Batteriespeicher geeignete Netzanschlüsse.
Wenn zahlreiche Projekte gleichzeitig Kapazitäten beantragen, kann dies die Netzplanung erheblich erschweren.
Das Bayernwerk will deshalb stärker zwischen realisierungsreifen Projekten und Vorhaben unterscheiden, deren Umsetzung noch unsicher ist.
Für Investoren stellt sich dabei die Frage, nach welchen transparenten und überprüfbaren Kriterien die Priorisierung künftig erfolgen soll.
Ein neues Vergabesystem kann die Effizienz verbessern. Es muss aber auch nachvollziehbar und diskriminierungsfrei ausgestaltet sein.
Windkraft und Photovoltaik sollen sich Netzanschlüsse teilen
Ein weiterer Schwerpunkt sind flexible Netzanschlüsse.
Dabei können verschiedene Anlagen einen gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt nutzen, wenn ihre Leistungsanforderungen zeitlich unterschiedlich ausfallen.
Ein Beispiel ist die Kombination von Windkraft und Photovoltaik.
Solaranlagen erzeugen vor allem bei Sonneneinstrahlung Strom, während Windkraftanlagen von den jeweiligen Windverhältnissen abhängen.
Da beide Anlagentypen nicht ständig gleichzeitig ihre maximale Leistung erreichen, kann eine gemeinsame Nutzung von Netzkapazitäten sinnvoll sein.
Zusätzliche Batteriespeicher können helfen, Leistungsspitzen auszugleichen.
Dadurch könnte vorhandene Infrastruktur besser genutzt werden, ohne dass für jedes Projekt ein vollständig separater Anschluss erforderlich ist.
Schnellere Anschlüsse durch flexible Leistung?
Flexible Netzanschlüsse könnten für bestimmte Projekte eine wirtschaftlich interessante Alternative darstellen.
Wenn ein Anlagenbetreiber nicht jederzeit die volle Anschlussleistung benötigt, kann eine vertraglich vereinbarte flexible Nutzung den Anschluss erleichtern.
Allerdings müssen die Bedingungen eindeutig geregelt werden.
Wichtig ist insbesondere, wann und in welchem Umfang die verfügbare Leistung begrenzt werden darf.
Für Betreiber von Erzeugungsanlagen oder Batteriespeichern kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben.
Deshalb sollten mögliche Einschränkungen und deren finanzielle Folgen vor Vertragsabschluss transparent sein.
Netzausbau soll besser planbar werden
Auch der bestehende Netzausbauplan des Bayernwerks soll konkreter und verbindlicher ausgestaltet werden.
Das Ziel besteht darin, potenziellen Anschlussnehmern eine bessere Orientierung zu ermöglichen.
Unternehmen könnten ihre Projekte dann gezielter dort planen, wo ohnehin ein Netzausbau vorgesehen ist.
Dies betrifft insbesondere Vorhaben, die nicht zwingend an einen bestimmten Standort gebunden sind.
Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Netzplanung und Projektentwicklung könnte dazu beitragen, unnötige Anschlussengpässe zu vermeiden.
Wie verbindlich die künftigen Ausbauangaben tatsächlich sein werden und welche Folgen Verzögerungen haben, bleibt anhand der vorliegenden Informationen offen.
Streitpunkt Eigenverbrauch: Was passiert bei Netzüberlastung?
Ein weiteres Problem betrifft Photovoltaikanlagen, deren Einspeisung bei Netzüberlastung eingeschränkt wird.
Dabei kann es nach bisherigen Erfahrungen auch zu Situationen kommen, in denen die Nutzung des selbst erzeugten Stroms beeinträchtigt wird.
Das Bayernwerk will nach eigenen Angaben das sogenannte Gartenzaunprinzip verwirklichen.
Danach soll der Netzbetreiber nicht in die Kundenanlage hinter dem Netzverknüpfungspunkt eingreifen.
Damit könnte es möglich werden, die Einspeisung in das öffentliche Netz zu begrenzen, ohne zugleich die Nutzung des Stroms innerhalb der Kundenanlage unnötig einzuschränken.
Allerdings weist das Unternehmen darauf hin, dass hierfür noch technische Festlegungen und gesetzliche Klarstellungen erforderlich sind.
Die angekündigte Lösung ist damit noch nicht vollständig umgesetzt.
Was bedeutet das für Besitzer von Solaranlagen?
Für private Photovoltaikbetreiber sind vor allem drei Fragen entscheidend.
Erstens: Werden Anschlussanträge künftig schneller bearbeitet?
Zweitens: Können bestehende Anlagen ihren selbst erzeugten Strom auch dann besser nutzen, wenn das öffentliche Netz zeitweise überlastet ist?
Drittens: Werden die technischen und administrativen Abläufe für Kunden verständlicher?
Die angekündigten Maßnahmen könnten langfristig Verbesserungen ermöglichen.
Aus der Vorstellung des neuen Konzepts ergibt sich jedoch noch kein verbindlicher Zeitpunkt, ab dem private Kunden generell mit kürzeren Wartezeiten rechnen können.