„Nur Barzahlung“ ist in Deutschland noch immer keine Seltenheit. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt nun, wie häufig Verbraucher davon betroffen sind: 56 Prozent der Erwachsenen konnten 2026 mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen. Vor fünf Jahren waren es erst 45 Prozent. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will deshalb eine gesetzliche Änderung: Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen neben Bargeld künftig mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten müssen.
Ob beim Bäcker, im Restaurant oder in einem kleinen Geschäft: Wer kein Bargeld dabeihat, kann in Deutschland noch immer vor einem Problem stehen.
Nach einer aktuellen YouGov-Befragung haben 56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland in diesem Jahr mindestens einmal erlebt, dass sie nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen konnten. 2021 waren es 45 Prozent.
Besonders interessant: Das Problem wird häufiger wahrgenommen, obwohl die technische Akzeptanz von Kartenzahlungen insgesamt zunimmt.
Warum scheitert bargeldloses Bezahlen?
Nicht immer steckt ein technischer Defekt dahinter.
„Bargeldlos bezahlen nicht möglich“ kann beispielsweise bedeuten, dass ein Geschäft grundsätzlich nur Bargeld akzeptiert oder das gewünschte elektronische Zahlungsmittel nicht angeboten wird.
Daneben können technische Probleme mit Kartenlesegeräten oder Zahlungsdienstleistern auftreten.
Für Verbraucher ist das Ergebnis am Ende dasselbe: Sie möchten mit Karte oder Smartphone bezahlen – und können es nicht.
Bundesbank bestätigt die Lücken
Auch eine große Untersuchung der Deutschen Bundesbank zeigt, dass die Wahlfreiheit noch nicht überall gegeben ist.
Bei 86 Prozent der untersuchten Einkäufe vor Ort war 2025 eine bargeldlose Zahlung möglich. Zwei Jahre zuvor waren es 81 Prozent und 2021 lediglich 61 Prozent.
Die Infrastruktur hat sich damit deutlich verbessert.
Trotzdem berichtete etwa ein Viertel der von der Bundesbank Befragten, allein im vergangenen Monat mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlt haben zu können.
Dass gleichzeitig mehr Menschen solche Situationen wahrnehmen, muss daher kein Widerspruch sein.
Die Bundesbank weist darauf hin, dass sich auch die Erwartungen verändert haben könnten: Wer gewohnt ist, fast überall mit Karte oder Smartphone zu bezahlen, nimmt ein „Nur Barzahlung“ möglicherweise stärker als Einschränkung wahr.
Bargeldlos wird erstmals häufiger genutzt als Bargeld
Deutschland verändert sein Zahlungsverhalten ohnehin deutlich.
Nach der Bundesbank-Studie für 2025 wurden erstmals 55 Prozent der erfassten täglichen Einkäufe bargeldlos bezahlt. Auf Bargeld entfielen noch 45 Prozent.
Die Debitkarte – dazu gehört insbesondere die Girocard – kam bei 26 Prozent der Zahlungen zum Einsatz.
Deutlich zugelegt hat das Bezahlen mit Smartphone und anderen mobilen Verfahren. Ihr Anteil erreichte 10 Prozent.
Auch Smartphone und Smartwatch werden immer alltäglicher: Einer Bitkom-Befragung zufolge haben 67 Prozent der Menschen in Deutschland innerhalb eines Jahres mindestens einmal mit einem solchen Gerät kontaktlos vor Ort bezahlt.
Klingbeil will digitale Bezahlmöglichkeit zur Pflicht machen
Die Bundesregierung will auf diese Entwicklung reagieren.
Nach den Plänen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sollen Geschäfte, Restaurants und Dienstleister künftig neben Bargeld mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten.
Welches elektronische Bezahlverfahren ein Unternehmen anbietet, soll grundsätzlich ihm überlassen bleiben. Nach den bislang bekannt gewordenen Eckpunkten sollen außerdem keine Mindestumsätze oder zusätzlichen Gebühren für Verbraucher vorgeschrieben werden.
Das Vorhaben soll 2027 umgesetzt werden. Details des Gesetzgebungsverfahrens können sich bis dahin allerdings noch ändern.
Bedeutet das: Jeder Laden muss Visa und Mastercard akzeptieren?
Nein.
Eine Pflicht zum digitalen Bezahlen bedeutet nach den bisherigen Plänen nicht automatisch, dass jedes Geschäft jede Kredit- und Debitkarte akzeptieren muss.
Vorgesehen ist vielmehr mindestens eine elektronische Bezahlmöglichkeit.
Welche das konkret ist, soll grundsätzlich der Unternehmer entscheiden können.
Verbraucher sollten deshalb auch künftig nicht automatisch davon ausgehen, dass jede beliebige Karte überall akzeptiert wird.
Wird Bargeld damit abgeschafft?
Ebenfalls nein.
Das politische Vorhaben zielt gerade darauf ab, neben Bargeld eine elektronische Zahlungsmöglichkeit anzubieten. Bargeld soll weiterhin verwendet werden können.
Auch die Bundesbank betont die Bedeutung des Bargelds.
In ihrer aktuellen Studie erklärten 80 Prozent der Befragten, dass es ihnen wichtig ist, auch künftig bar bezahlen zu können. Die Bundesbank bezeichnet den Erhalt von Bargeld als kostengünstiges und inklusives Zahlungsmittel als wichtiges Anliegen.
Das Ziel wäre damit nicht „Bargeld gegen Karte“, sondern mehr Wahlfreiheit.
Gerade für ältere Menschen bleibt Bargeld wichtig
Diese Wahlfreiheit hat auch eine soziale Dimension.
Nach Erkenntnissen der Bundesbank nutzen ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit niedrigeren Einkommen sowie Personen mit geringerer digitaler Erfahrung häufiger Bargeld.
Eine vollständige Umstellung auf digitale Zahlungen könnte diese Gruppen deshalb vor Probleme stellen.
Umgekehrt können Verbraucher, die hauptsächlich Karte oder Smartphone verwenden, derzeit in Geschäften mit ausschließlicher Bargeldannahme Schwierigkeiten bekommen.
Aus Verbrauchersicht ist deshalb vor allem entscheidend, dass möglichst beide Möglichkeiten erhalten bleiben.
Verbraucher wünschen sich digitale Zahlungsmöglichkeiten
Der Wunsch nach elektronischen Zahlungsmöglichkeiten ist inzwischen deutlich ausgeprägt.
In einer repräsentativen Bitkom-Befragung aus dem Juni 2026 sprachen sich 84 Prozent dafür aus, dass Geschäfte gesetzlich verpflichtet werden sollten, neben Bargeld mindestens eine elektronische Zahlungsmöglichkeit anzubieten.
Interessant ist dabei, dass diese Zustimmung nicht auf jüngere Verbraucher beschränkt ist.
Bei den 16- bis 29-Jährigen lag sie bei 86 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren bei 83 Prozent.
Warum Händler trotzdem auf Bargeld setzen
Für kleine Unternehmen ist Kartenzahlung nicht kostenlos.
Je nach Anbieter können Kosten für das Kartenlesegerät, Transaktionsgebühren und weitere Entgelte entstehen. Außerdem benötigen elektronische Zahlungssysteme eine funktionierende technische Infrastruktur.
Bargeld verursacht allerdings ebenfalls Kosten – beispielsweise für Kassenführung, Zählung, Transport, Einzahlung und Wechselgeld.
Ob Bargeld oder Kartenzahlung für einen Händler wirtschaftlich günstiger ist, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten.
Mehr Wahlfreiheit statt Ende des Bargelds
Die aktuellen Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Wandel: Bargeldlose Zahlungen werden immer häufiger genutzt und immer häufiger angeboten – gleichzeitig empfinden Verbraucher fehlende elektronische Zahlungsmöglichkeiten zunehmend als Problem.
Die Bundesregierung möchte darauf mit einer gesetzlichen Verpflichtung reagieren.
Sollte sie wie geplant kommen, könnte das bekannte Schild „Nur Barzahlung“ in vielen Geschäften und Restaurants tatsächlich verschwinden.
Das Bargeld selbst soll dagegen bleiben.
Für Verbraucher wäre das der entscheidende Unterschied: Sie sollen künftig häufiger selbst entscheiden können, ob sie bar, mit Karte oder über ein angebotenes digitales Verfahren bezahlen.