Die Bilanzsumme der Trianel Windpark Gande GmbH & Co. KG mit Sitz in Aachen ist 2024 deutlich gewachsen.
Sie erhöhte sich von 28.077.308,19 Euro auf 29.685.291,47 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 1,61 Millionen Euro beziehungsweise 5,7 Prozent.
Anders als bei vielen Windparkgesellschaften, deren Bilanzsumme mit fortschreitender Abschreibung der Anlagen sinkt, ist sie hier also gestiegen. Aus dem vorliegenden Abschluss lässt sich allerdings nicht allein ableiten, welche einzelnen Vorgänge für diese Entwicklung verantwortlich waren.
Sachanlagen steigen auf 26,63 Millionen Euro
Den mit Abstand größten Vermögensposten bilden weiterhin die Sachanlagen.
Ihr Buchwert erhöhte sich von 26.193.205,93 Euro auf 26.634.474,51 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um 441.268,58 Euro beziehungsweise rund 1,7 Prozent.
Diese Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als der Anhang zugleich erläutert, dass die technischen Anlagen und Maschinen planmäßig linear über neun Jahre abgeschrieben werden.
Warum der Sachanlagenbestand trotz der Abschreibungen insgesamt gestiegen ist, wird in den hier vorliegenden Bilanzangaben nicht näher erläutert. Denkbar wären beispielsweise Investitionen oder Zugänge, doch wäre es ohne entsprechende Angaben im Abschluss spekulativ, dies als Ursache festzustellen.
Der ausgewiesene Betrag von 26,63 Millionen Euro ist außerdem ein Bilanzbuchwert. Er sagt nicht aus, welchen Markt- oder Verkaufswert die Windkraftanlagen besitzen.
Bankguthaben steigt von 868.000 auf 2,34 Millionen Euro
Besonders auffällig entwickelte sich die Liquidität.
Ende 2023 wies die Gesellschaft noch 868.391,61 Euro an Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten aus.
Ein Jahr später waren es 2.337.706,24 Euro.
Damit nahm der Bestand um 1.469.314,63 Euro zu. Das entspricht einem Anstieg von rund 169 Prozent.
Das Bankguthaben hat sich innerhalb eines Jahres also auf mehr als das Zweieinhalbfache erhöht.
Allerdings gibt es bei der Interpretation eine wesentliche Einschränkung: Nach Angaben im Anhang wurden im Rahmen der Darlehensfinanzierung auch liquide Mittel verpfändet.
Wie viel von den ausgewiesenen 2,34 Millionen Euro konkret verpfändet ist, wird nicht angegeben.
Der Bilanzwert darf deshalb nicht automatisch mit frei verfügbarem Geld gleichgesetzt werden.
Forderungen sinken um ein Drittel
Während die Liquidität deutlich zunahm, gingen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände zurück.
Sie reduzierten sich von 914.699,23 Euro auf 609.152,17 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 305.547,06 Euro beziehungsweise rund 33,4 Prozent.
Das gesamte Umlaufvermögen stieg dennoch von 1,78 Millionen Euro auf 2,95 Millionen Euro, weil der Zuwachs beim Bankguthaben wesentlich größer ausfiel als der Rückgang der Forderungen.
Eigenkapital wächst um 1,46 Millionen Euro
Auch auf der Passivseite gibt es eine deutliche Veränderung.
Das Eigenkapital stieg von 5.367.868,43 Euro auf 6.823.636,33 Euro.
Das ist eine Zunahme um 1.455.767,90 Euro beziehungsweise rund 27,1 Prozent.
Das Eigenkapital besteht zum 31. Dezember 2024 aus Kommanditkapital von 1.000 Euro, Rücklagen von 6.323.902,68 Euro und einem Bilanzgewinn von 498.733,65 Euro.
Im Vorjahr war kein Bilanzgewinn ausgewiesen worden.
Wichtig ist auch hier die begriffliche Abgrenzung: Ein Bilanzgewinn von 498.733,65 Euro ist nicht ohne Weiteres mit dem Jahresüberschuss des Geschäftsjahres gleichzusetzen. Der vorliegende Bilanzauszug weist keinen gesonderten Jahresüberschuss für 2024 aus.
Deshalb sollte aus den 498.733,65 Euro nicht automatisch ein Jahresgewinn in exakt dieser Höhe abgeleitet werden.
Eigenkapitalquote verbessert sich auf rund 23 Prozent
Durch den deutlichen Eigenkapitalanstieg verbesserte sich auch die rechnerische Eigenkapitalquote.
Ende 2023 machten 5,37 Millionen Euro Eigenkapital rund 19,1 Prozent der Bilanzsumme aus.
Ende 2024 waren es bei 6,82 Millionen Euro Eigenkapital und einer Bilanzsumme von 29,69 Millionen Euro rechnerisch rund 23,0 Prozent.
Damit hat sich die Kapitalstruktur auf dieser Kennzahl verbessert.
Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass weiterhin der deutlich größere Teil der Bilanz durch Rückstellungen und Verbindlichkeiten finanziert wird.
22,36 Millionen Euro Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten gingen nur geringfügig zurück.
Ende 2023 lagen sie bei 22.471.952,03 Euro. Zum 31. Dezember 2024 waren es 22.359.380,08 Euro.
Der Rückgang beträgt lediglich 112.571,95 Euro beziehungsweise rund 0,5 Prozent.
Damit entsprechen die bilanzierten Verbindlichkeiten rechnerisch rund 75,3 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Eine hohe Fremdfinanzierung ist bei kapitalintensiven Windenergieprojekten für sich genommen allerdings noch kein Beleg für wirtschaftliche Schwierigkeiten. Für eine solche Bewertung müssten insbesondere Ertragslage, Kapitaldienstfähigkeit und Zahlungsströme betrachtet werden.
Diese Informationen lassen sich aus der hier vorliegenden Bilanz allein nicht vollständig gewinnen.
Kurzfristige Verbindlichkeiten steigen
Interessant ist die Entwicklung der Laufzeiten.
Die innerhalb eines Jahres fälligen Verbindlichkeiten erhöhten sich von 1.689.280,70 Euro auf 1.784.495,70 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um 95.215 Euro beziehungsweise rund 5,6 Prozent.
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr gingen dagegen leicht von 20,78 Millionen Euro auf 20,57 Millionen Euro zurück.
Deutlicher ist die Veränderung bei den sehr langfristigen Verpflichtungen.
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren sanken von 17.310.766 Euro auf 15.607.515,90 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,70 Millionen Euro beziehungsweise 9,8 Prozent.
21,92 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten besichert
Der Abschluss zeigt zugleich, wie umfassend die Finanzierung des Windparks abgesichert ist.
Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind nach Angaben der Gesellschaft 21,917 Millionen Euro durch Pfandrechte und ähnliche Rechte gesichert.
Im Vorjahr waren es 21,686 Millionen Euro.
Für die Darlehen wurden umfangreiche Sicherheiten gestellt. Die Windkraftanlagen wurden nach Angaben im Anhang sicherungsübereignet.
Darüber hinaus sind liquide Mittel verpfändet.
Damit stehen wesentliche Vermögenswerte des Projekts als Sicherheiten für die Finanzierung zur Verfügung. Aus der bloßen Bestellung solcher Sicherheiten lässt sich allerdings nicht ableiten, dass eine Verwertung bevorsteht oder wirtschaftliche Schwierigkeiten bestehen.
Gesellschafterverbindlichkeiten steigen um 37 Prozent
Gestiegen sind auch die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Sie erhöhten sich von 309.000 Euro auf 424.000 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um 115.000 Euro beziehungsweise rund 37,2 Prozent.
Der Abschluss erläutert nicht näher, gegenüber welchen Gesellschaftern diese Verpflichtungen bestehen, aus welchen Vorgängen sie entstanden sind oder welche Konditionen gelten.
Eine weitergehende Bewertung dieses Anstiegs ist deshalb anhand der veröffentlichten Angaben nicht möglich.
Rückstellungen mehr als verdoppelt
Noch stärker stiegen die Rückstellungen.
Sie erhöhten sich von 237.487,73 Euro auf 502.275,06 Euro.
Das ist ein Anstieg um 264.787,33 Euro beziehungsweise rund 111,5 Prozent.
Der Anhang erläutert unter anderem eine Rückstellung für die spätere Rückbauverpflichtung des Windparks Gande.
Für deren Berechnung wurde zum 31. Dezember 2024 eine angenommene Restnutzungsdauer von 20 Jahren zugrunde gelegt. Der verwendete Zinssatz der Deutschen Bundesbank beträgt 1,98 Prozent.
Wie hoch allein die Rückbaurückstellung innerhalb der gesamten Rückstellungen von 502.275,06 Euro ist, wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht beziffert.
Deshalb kann der starke Anstieg der gesamten Rückstellungen nicht ohne weitere Informationen ausschließlich dem Rückbau zugerechnet werden.
Weitere 9,61 Millionen Euro außerhalb der Bilanz
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten nennt die Gesellschaft erhebliche weitere vertragliche Zahlungsverpflichtungen.
Als sonstige nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen werden insgesamt 9.609.700 Euro angegeben.
Davon entfallen laut Tabelle 5.065.466,67 Euro auf Wartungsverträge, 4.279.333,33 Euro auf Gestattungsverträge und 264.900 Euro auf Betriebsführungsverträge.
Diese drei Gesamtbeträge ergeben tatsächlich exakt die ausgewiesenen 9.609.700 Euro.
Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um bilanzierte Verbindlichkeiten. Die 9,61 Millionen Euro dürfen deshalb nicht einfach zu den 22,36 Millionen Euro Verbindlichkeiten addiert und als Gesamtverschuldung bezeichnet werden.
Die Beträge dokumentieren vielmehr zukünftige finanzielle Verpflichtungen aus bereits bestehenden Vertragsverhältnissen.
Auffällige Differenz von 1.027.200 Euro in der Laufzeitentabelle
Bei genauer Betrachtung enthält die veröffentlichte Tabelle allerdings eine auffällige rechnerische Differenz.
Für Verpflichtungen aus Wartungsverträgen wird ein Gesamtbetrag von 5.065.466,67 Euro genannt.
Die daneben angegebenen Laufzeiten ergeben jedoch lediglich:
77.866,67 Euro bis zu einem Jahr,
992.400 Euro zwischen einem und fünf Jahren und
2.968.000 Euro über fünf Jahre.
Zusammen sind das 4.038.266,67 Euro.
Zum angegebenen Gesamtbetrag der Wartungsverpflichtungen fehlen damit rechnerisch 1.027.200 Euro.
Dasselbe Problem zeigt sich folgerichtig in der Gesamtzeile.
Dort werden insgesamt 328.066,67 Euro bis zu einem Jahr, 1.952.100 Euro zwischen einem und fünf Jahren und 6.302.333,33 Euro über fünf Jahre ausgewiesen.
Diese drei Laufzeitgruppen ergeben zusammen 8.582.500 Euro.
Als Gesamtbetrag nennt der Abschluss dagegen 9.609.700 Euro.
Auch hier beträgt die Differenz exakt 1.027.200 Euro.
Aus den vorliegenden Angaben lässt sich nicht feststellen, ob ein Betrag in einer Laufzeitspalte fehlt, eine Zuordnung fehlerhaft dargestellt wurde oder eine andere Ursache vorliegt. Die Differenz sollte deshalb nicht eigenständig korrigiert werden.
Festhalten lässt sich lediglich: Die angegebenen Gesamtbeträge und die ausgewiesenen Laufzeitbeträge sind rechnerisch nicht vollständig miteinander vereinbar.
Ergebnis und Umsatz bleiben offen
Für eine umfassende wirtschaftliche Bewertung fehlen in den vorliegenden Unterlagen wesentliche Größen.
Die Bilanz weist zwar einen Bilanzgewinn von 498.733,65 Euro aus. Daraus lässt sich jedoch nicht sicher das Jahresergebnis 2024 ableiten.
Auch Umsatzerlöse, Stromproduktion, durchschnittlich erzielte Strompreise, Abschreibungen, Zinsaufwand und operativer Cashflow sind in den hier übermittelten Angaben nicht enthalten.
Damit kann anhand dieses Zahlenmaterials beispielsweise nicht beurteilt werden, wie komfortabel die Gesellschaft den Kapitaldienst aus dem laufenden Windparkbetrieb erwirtschaftet.
Die Bilanzierung erfolgte nach ausdrücklicher Angabe der Gesellschaft unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit.
Fazit: Mehr Liquidität und Eigenkapital – hohe Finanzierung bleibt
Der Jahresabschluss der Trianel Windpark Gande GmbH & Co. KG zeigt 2024 mehrere gegenläufige Entwicklungen.
Positiv auffällig sind der Anstieg des Bankguthabens von 868.392 Euro auf 2,34 Millionen Euro und das um rund 27 Prozent auf 6,82 Millionen Euro gewachsene Eigenkapital. Die rechnerische Eigenkapitalquote verbessert sich dadurch von etwa 19,1 auf 23,0 Prozent.
Die bilanzierten Verbindlichkeiten bleiben mit 22,36 Millionen Euro allerdings hoch und sind gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig zurückgegangen. Davon sind 21,92 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten besichert. Die Windkraftanlagen selbst wurden sicherungsübereignet; außerdem sind liquide Mittel verpfändet.
Hinzu kommen laut Abschluss sonstige nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen von 9,61 Millionen Euro, vor allem aus Wartungs- und Gestattungsverträgen.
Gerade bei diesen Verpflichtungen sollten Leser jedoch genau hinsehen: Die angegebenen Laufzeitbeträge ergeben zusammen nur 8,58 Millionen Euro und liegen damit 1,0272 Millionen Euro unter dem ausgewiesenen Gesamtbetrag.
Der Abschluss liefert keine Erklärung für diese Differenz.
Für eine abschließende Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung wären zudem die Gewinn- und Verlustrechnung sowie Angaben zu Stromproduktion, Erlösen, Zinsaufwand und Cashflow erforderlich. Die Bilanz allein zeigt eine verbesserte Eigenkapitalausstattung und deutlich höhere Liquidität – sie beantwortet aber nicht, wie profitabel der Windpark 2024 tatsächlich gearbeitet hat.