Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Tod des Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa haben deutsche und polnische Ermittler einen bedeutenden Schlag gegen eine mutmaßlich organisierte Autodiebstahl-Bande erzielt. Insgesamt elf Männer befinden sich inzwischen in Haft. Ihnen wird vorgeworfen, Teil einer Gruppe zu sein, die über Jahre hinweg hochwertige Fahrzeuge in Deutschland gestohlen und anschließend in Polen verwertet haben soll.
Der Fall hat eine besondere Bedeutung, weil die Ermittlungen mit dem Tod des 32-jährigen Polizeibeamten Maximilian Stoppa verbunden sind. Er war im Januar 2025 bei einem Einsatz in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ums Leben gekommen.
Stoppa wollte gemeinsam mit Kollegen einen mutmaßlichen Autodieb kontrollieren. Bei dessen Flucht wurde der Polizist von einem Fahrzeug erfasst und tödlich verletzt.
Neun Festnahmen in Polen
Nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen nahmen Fahnder gemeinsam mit polnischen Spezialeinheiten in der vergangenen Woche neun Männer im Alter zwischen 19 und 54 Jahren fest. Die Zugriffe erfolgten bei Durchsuchungen in mehreren polnischen Städten.
Zwei weitere Beschuldigte stellten sich selbst den Behörden. Sie befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden bereits in Deutschland in Untersuchungshaft.
Die neun in Polen festgenommenen Männer sitzen zunächst in Auslieferungshaft. Über ihre Auslieferung nach Deutschland soll innerhalb der kommenden Wochen entschieden werden.
Nach Einschätzung des sächsischen Landeskriminalamtes befinden sich unter den Festgenommenen auch mutmaßliche Drahtzieher der Gruppe.
Autos im Wert von mehr als drei Millionen Euro gestohlen
Die Ermittler werfen der Gruppe eine jahrelange Serie von Fahrzeugdiebstählen vor. Zwischen 2017 und Ende 2025 sollen die Beschuldigten hochwertige Autos in Deutschland entwendet und anschließend in Polen gewinnbringend verwertet haben.
Die mutmaßlichen Taten erstreckten sich über mehrere Bundesländer. Betroffen waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden unter anderem Sachsen, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg.
Der entstandene Schaden soll sich auf mehr als drei Millionen Euro belaufen.
Die Dimension des Verfahrens zeigt, dass die Ermittler nicht lediglich von einzelnen Autodiebstählen ausgehen. Vielmehr steht der Verdacht einer organisierten und über einen langen Zeitraum arbeitenden Tätergruppe im Raum.
Fahrer bereits zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt
Der Mann, der Maximilian Stoppa bei dem Einsatz in Lauchhammer mit einem Fahrzeug erfasst hatte, musste sich bereits vor dem Landgericht Cottbus verantworten.
Der 27-jährige Pole wurde wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Rechtskräftig ist dieses Urteil allerdings noch nicht. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben Revision eingelegt. Deshalb muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Verfahren befassen.
Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess eine Verurteilung wegen Mordes und eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Das Landgericht folgte dieser rechtlichen Bewertung jedoch nicht.
Ermittlungen gegen mutmaßliches Netzwerk gehen weiter
Mit den neuen Festnahmen rückt nun das mutmaßliche Netzwerk hinter den Fahrzeugdiebstählen stärker in den Mittelpunkt.
Für die Ermittler ist dabei nicht nur die Aufklärung der einzelnen Autodiebstähle von Bedeutung. Sie wollen offenbar auch die Strukturen dahinter aufdecken: Wer organisierte die Diebstähle? Wer beschaffte Informationen über die Fahrzeuge? Wer übernahm die gestohlenen Autos und wie wurden diese anschließend in Polen verwertet?
Die Festnahmen könnten deshalb einen wichtigen Schritt bei der Aufklärung einer jahrelangen Serie grenzüberschreitender Autodiebstähle darstellen.
Für sämtliche jetzt Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Ob und in welchem Umfang sich die Vorwürfe gegen die einzelnen Männer bestätigen, müssen die weiteren Ermittlungen und gegebenenfalls spätere Gerichtsverfahren zeigen.