Dark Mode Light Mode

Nach Kratom-Tee: 22-Jähriger erleidet zweimal Herzstillstand – Ärzte berichten über außergewöhnlichen Fall

Eliens (CC0), Pixabay

Der medizinische Notfall begann in der Wohnung des 22-Jährigen. Nach Angaben der behandelnden Ärzte brach der junge Mann plötzlich zusammen.

Sein Mitbewohner fand ihn bewusstlos, krampfend und ohne tastbaren Puls vor und begann unmittelbar mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Der anschließend eintreffende Notarzt bestätigte einen Herzstillstand.

Nach etwa vier Minuten Herzmassage und der Gabe von Adrenalin konnten Herzschlag und Kreislauf zunächst wiederhergestellt werden.

Doch damit war die Gefahr nicht vorbei.

Zweiter Herzstillstand

Der 22-Jährige erlitt einen weiteren Herzstillstand.

Erneut waren intensive Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich, bevor die Herz-Kreislauf-Funktion wiederhergestellt werden konnte.

Intubiert und unter maschineller Unterstützung der Herzdruckmassage wurde der Patient schließlich in die Innsbrucker Universitätsklinik gebracht.

Für die Ärzte stellte sich zunächst die entscheidende Frage: Warum erleidet ein junger Mann plötzlich einen derart schweren medizinischen Notfall?

Ärzte fanden zunächst keine schwere Grunderkrankung

Nach dem vorliegenden Bericht ergaben umfangreiche Untersuchungen keinen Hinweis auf eine schwerwiegende Grunderkrankung.

Der 22-Jährige galt demnach grundsätzlich als gesund.

Auch die ersten toxikologischen Untersuchungen lieferten zunächst keine eindeutige Erklärung. Im Blut fanden sich dem Bericht zufolge keine Hinweise auf Alkohol, Beruhigungs- oder Schlafmittel beziehungsweise Antidepressiva.

Auch Amphetamine, Kokain oder Opiate wurden bei der Urinanalyse nicht festgestellt – mit Ausnahme von Fentanyl, das als Schmerzmedikament eingesetzt worden war.

Dann berichtete der Patient über den Konsum von Kratom-Tee.

500 Mikrogramm Mitragynin pro Liter Blutplasma

Daraufhin veranlassten die Mediziner gezielte Untersuchungen.

Diese ergaben eine Mitragynin-Konzentration von 500 Mikrogramm pro Liter Blutplasma.

Mitragynin gehört zu den wesentlichen wirksamen Inhaltsstoffen von Kratom.

Die Ärzte ordnen diesen Wert in ihrem Bericht auch anhand anderer Fälle ein: Bei einer weltweiten Auswertung von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom sei im Mittel eine Konzentration von 398 Mikrogramm Mitragynin pro Liter Blutplasma festgestellt worden.

Dieser Vergleich bedeutet allerdings nicht, dass sich aus einem bestimmten Mitragynin-Wert unmittelbar ableiten lässt, ob ein Konsument einen Herzstillstand erleidet oder stirbt.

Puls fällt auf 25 bis 30 Schläge pro Minute

Auch nach der erfolgreichen Wiederbelebung blieb der Zustand des Patienten problematisch.

Der junge Mann entwickelte wiederholt eine extreme Verlangsamung seines Herzschlags. Zeitweise wurden lediglich 25 bis 30 Herzschläge pro Minute festgestellt.

Die Ärzte entschieden sich schließlich für die Implantation eines Herzschrittmachers.

Vorübergehend traten außerdem leichte neurologische Probleme auf.

Nach insgesamt zwei Wochen konnte der 22-Jährige jedoch ohne weitere Folgeschäden aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Was ist Kratom?

Kratom wird unter anderem als Tee konsumiert. Dieser wird häufig aus Pulver hergestellt, das aus den Blättern des südostasiatischen Kratom-Baums gewonnen wird.

Dass es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, sollte allerdings nicht mit gesundheitlicher Unbedenklichkeit gleichgesetzt werden.

Bereits im Juli 2025 warnte nach dem vorliegenden Bericht das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor einer Anwendung von Kratom zu medizinischen Zwecken. Sicherheit und Wirksamkeit seien bislang nicht ausreichend geprüft.

Kratom werde im Internet unter anderem als pflanzliches Mittel gegen Schmerzen, Entzündungen, Husten, Angst und Depressionen beworben.

Auch die Verbraucherzentrale warnte dem Bericht zufolge davor, dass Kratom-Pulver abhängig machen und gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen könne.

Ein schwerer Einzelfall – keine Aussage über jedes Kratom-Produkt

Bei der Einordnung des Innsbrucker Falls ist dennoch Vorsicht notwendig.

Es handelt sich um einen medizinisch dokumentierten Einzelfall. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass jeder Konsum von Kratom-Tee zwangsläufig zu schweren Herzrhythmusstörungen oder einem Herzstillstand führt.

Nach Darstellung der Innsbrucker Mediziner handelt es sich jedoch um den ersten österreichischen Fall eines Herzstillstands im Zusammenhang mit einer isolierten Kratomvergiftung. Die gezielte toxikologische Untersuchung bestätigte dabei eine deutlich erhöhte Mitragynin-Konzentration.

Die Ärzte ziehen daraus eine klare Warnung: Obwohl Kratom teilweise als vergleichsweise risikoarme Substanz wahrgenommen werde, könne der Konsum schwere und potenziell tödliche Nebenwirkungen hervorrufen.

Der Fall des 22-Jährigen macht diese Gefahr besonders deutlich: Zwei Herzstillstände, eine massive Verlangsamung des Herzschlags und schließlich die Implantation eines Herzschrittmachers standen hier im zeitlichen und nach ärztlicher Bewertung toxikologischen Zusammenhang mit dem Kratom-Konsum.

Dass der junge Mann das Krankenhaus nach zwei Wochen ohne weitere Folgeschäden verlassen konnte, ändert nichts daran, wie lebensbedrohlich der Verlauf war.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Totes Baby in Beckum gefunden – Polizei sucht dringend nach der Mutter

Next Post

Phoenix Reederei Bereederungs GmbH & Co. KG: Vergütung für Nachtragsverteilung festgesetzt