Dark Mode Light Mode

ICE-Beamter schießt Mann in Austin nieder – Bürgermeister fordert unabhängige Untersuchung

MIH83 (CC0), Pixabay

Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Austin im Bundesstaat Texas einen Mann angeschossen und schwer verletzt. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, 20. September, im Norden der texanischen Hauptstadt. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurde der Mann am Oberkörper getroffen und in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand wurde zunächst als ernst, aber stabil beschrieben.

Inzwischen wurde der Verletzte von seiner Anwältin als Wilber Rafael Garces Perez, ein 28-jähriger Venezolaner, identifiziert. Was unmittelbar vor der Schussabgabe geschah und weshalb der ICE-Beamte seine Waffe einsetzte, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Der demokratische Bürgermeister von Austin, Kirk Watson, fordert deshalb eine unabhängige und transparente Untersuchung. Auch die örtliche Polizei soll nach seinem Willen daran beteiligt werden.

Schuss fiel nach einem Verkehrsstopp

Nach den bislang bekannten Informationen ereignete sich der Zwischenfall kurz vor 13 Uhr Ortszeit im Norden Austins.

Die Polizeichefin von Austin, Lisa Davis, erklärte, dass die örtliche Polizei weder an dem ursprünglichen Einsatz noch an der Schussabgabe beteiligt gewesen sei. Demnach ereignete sich der Vorfall nach einem Verkehrsstopp.

Davis sagte zudem, möglicherweise habe es eine kurze Verfolgung zu Fuß gegeben. Sie betonte allerdings, dass es sich dabei zunächst um vorläufige Informationen handele und den örtlichen Behörden noch nicht alle Einzelheiten bekannt seien.

Damit bleibt eine der entscheidenden Fragen bislang offen: Warum schoss der ICE-Beamte auf den 28-Jährigen?

Eine abschließende Darstellung des Ablaufs lag zunächst nicht vor.

Mann am Oberkörper getroffen

Nach Angaben der Rettungskräfte erlitt Garces Perez vermutlich eine Schussverletzung am Oberkörper.

Er wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Bürgermeister Watson erklärte anschließend, der Zustand des Mannes sei ernst, aber stabil.

Nach Angaben seiner Anwältin Kate Lincoln-Goldfinch wurde Garces Perez später aus dem Dell Seton Medical Center entlassen und in Gewahrsam der Einwanderungsbehörde übergeben. Die Anwältin äußerte zugleich Sorge darüber, dass seine Familie zunächst keine ausreichenden Informationen über seinen Aufenthaltsort erhalten habe.

Anwältin: Mann war gerade für DoorDash unterwegs

Nach Darstellung seiner Anwältin arbeitete Garces Perez zum Zeitpunkt des Vorfalls als Lieferfahrer für DoorDash.

Das Unternehmen bestätigte gegenüber CBS News, dass er sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Rahmen einer Lieferung befunden habe. DoorDash erklärte dem Bericht zufolge, den Fall zu untersuchen.

Die Anwältin erklärte zudem, Garces Perez sei legal in die Vereinigten Staaten eingereist.

Bundesbehörden stellen die aufenthaltsrechtliche Situation dagegen anders dar. Nach Angaben aus Bundesbehörden habe gegen den Venezolaner eine endgültige Abschiebungsanordnung bestanden. Reuters berichtet ebenfalls über widersprüchliche Angaben zwischen der Rechtsvertretung des Mannes und den Bundesbehörden.

Welche Darstellung seines aktuellen Aufenthaltsstatus rechtlich zutrifft, lässt sich anhand der bislang öffentlich bekannten Informationen nicht abschließend beurteilen.

Bürgermeister Watson verlangt unabhängige Untersuchung

Der Vorfall hat in Austin deutliche politische Reaktionen ausgelöst.

Bürgermeister Kirk Watson erklärte, dass die Polizei seiner Stadt an der Untersuchung beteiligt werden müsse. Eine unabhängige Stelle solle einen Blick auf den Vorgang werfen.

Watson stellte infrage, ob ICE den Schusswaffeneinsatz allein untersuchen sollte. Eine Beteiligung der örtlichen Behörden könne nach seiner Auffassung die Glaubwürdigkeit der Untersuchung erhöhen.

Auch der demokratische Kongressabgeordnete Greg Casar, dessen Wahlkreis Teile von Austin umfasst, fordert eine vollständige unabhängige Untersuchung.

Casar verlangt zudem die Veröffentlichung vorhandener Bodycam-Aufnahmen und eine Aufklärung darüber, ob der beteiligte Beamte gegen geltendes Recht verstoßen hat.

ICE-nahe Behörde soll Ermittlungen führen

Gerade die Zuständigkeit für die Ermittlungen sorgt für Diskussionen.

Nach Informationen von CBS News soll Homeland Security Investigations (HSI) die Untersuchung führen, während das FBI unterstützend beteiligt ist. HSI gehört selbst zu ICE.

CBS weist darauf hin, dass eine federführende Rolle von HSI bei Schusswaffeneinsätzen von ICE-Beamten eine Abweichung von früheren Praktiken darstellt. Das FBI hatte traditionell eine zentrale Rolle bei Untersuchungen zu Angriffen auf Bundesbeamte sowie möglichen bundesrechtlichen Bürgerrechtsverletzungen.

Genau vor diesem Hintergrund verlangen Politiker in Austin eine zusätzliche unabhängige Beteiligung örtlicher beziehungsweise texanischer Ermittlungsbehörden.

Vorwürfe über mehrere Schüsse bislang nicht bestätigt

Der Austiner Stadtrat Mike Siegel erhob unterdessen weitergehende Vorwürfe zum Ablauf.

Nach seiner Darstellung soll ein ICE-Beamter zunächst das Fahrzeug des Mannes gerammt und anschließend mehrfach geschossen haben. CBS berichtet über diese Aussagen, weist sie jedoch als Siegels Darstellung aus. Eine unabhängige Bestätigung dieses Ablaufs lag zunächst nicht vor.

Medien berichteten am Tatort über einen beschädigten dunkelblauen Toyota Corolla, an dem mutmaßliche Einschusslöcher zu sehen gewesen seien.

Auch daraus lässt sich bislang jedoch nicht zuverlässig rekonstruieren, wie sich die Situation unmittelbar vor der Schussabgabe entwickelte.

Weiterer ICE-Schusswaffeneinsatz in Texas

Der Vorfall in Austin ist nicht der erste Schusswaffeneinsatz eines ICE-Beamten in Texas in diesem Sommer.

Am 7. Juli 2026 wurde Lorenzo Salgado Araujo in Houston von einem ICE-Beamten tödlich angeschossen. Die Ermittlungen zu diesem Fall dauern an.

Auch außerhalb von Texas kam es 2026 zu weiteren Schusswaffeneinsätzen im Zusammenhang mit ICE-Operationen. Die einzelnen Fälle unterscheiden sich allerdings in ihren Umständen und müssen jeweils getrennt betrachtet werden.

Entscheidende Fragen bleiben offen

Im Fall von Austin steht deshalb zunächst die Rekonstruktion des tatsächlichen Geschehens im Mittelpunkt.

Fest steht bislang, dass ein ICE-Beamter während eines Einsatzes auf Wilber Rafael Garces Perez schoss und ihn verletzte. Die Polizei von Austin war nach eigenen Angaben weder am ursprünglichen Einsatz noch an der Schussabgabe beteiligt.

Noch ungeklärt ist dagegen, was den Schusswaffeneinsatz konkret auslöste, ob und welche Gefahr für die beteiligten Beamten bestand und ob der Einsatz der Schusswaffe rechtmäßig war.

Genau diese Fragen sollen nun die Ermittlungen beantworten. Der politische Streit hat bereits begonnen: Bürgermeister Kirk Watson und weitere örtliche Politiker verlangen, dass die Untersuchung nicht allein innerhalb der Bundesbehörden geführt wird, sondern unabhängige Stellen einbezogen werden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Thamm & Partner: Anleger warten auf Abfindungen – Anwalt stellt Liquiditätsvorbehalt infrage

Next Post

Gateway Real Estate AG: 35,6 Millionen Euro Gewinn – doch der Abschlussprüfer warnt vor Fortführungsrisiken