Die Bilanzsumme der Windpark Chransdorf Infrastruktur GmbH sank zum 30. September 2025 von rund 3,619 Millionen Euro auf 3,095 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von etwa 14,5 Prozent.
Auf den ersten Blick könnte das nach einer deutlichen wirtschaftlichen Schrumpfung aussehen. Tatsächlich erklärt sich die Entwicklung jedoch fast vollständig durch den sinkenden Buchwert der technischen Anlagen.
525.000 Euro Abschreibungen – keine neuen Investitionen
Die technischen Anlagen und Maschinen stehen Ende September 2025 noch mit 3,041 Millionen Euro in der Bilanz. Ein Jahr zuvor waren es rund 3,566 Millionen Euro.
Der Anlagenspiegel liefert die Erklärung: Die ursprünglichen Anschaffungs- und Herstellungskosten betragen 8,4 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr kamen keine neuen Anlagen hinzu.
Gleichzeitig wurden weitere 524.994 Euro abgeschrieben. Die kumulierten Abschreibungen erhöhten sich dadurch von 4,834 Millionen auf 5,359 Millionen Euro.
Damit sind rechnerisch bereits rund 63,8 Prozent der ursprünglichen Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten abgeschrieben.
Das sollte allerdings nicht als außerplanmäßiger Wertverlust interpretiert werden. Der Abschluss weist keine außerplanmäßige Abschreibung aus. Vielmehr zeigt der Anlagenspiegel reguläre Abschreibungen auf die bestehende Infrastruktur.
Trotzdem beträgt der Jahresverlust null Euro
Interessant wird der Abschluss beim Ergebnis.
Die Gesellschaft weist für 2024/25 einen Jahresfehlbetrag von exakt 0,00 Euro aus. Auch im Vorjahr wird in der Bilanz kein Jahresverlust ausgewiesen.
Das Eigenkapital bleibt deshalb nahezu unverändert bei rund 8.651 Euro.
Es besteht aus 26.000 Euro gezeichnetem Kapital, einer Kapitalrücklage von 1.500 Euro und einem Verlustvortrag von 18.848,89 Euro.
Das Stammkapital ist nach Angaben des Unternehmens vollständig eingezahlt.
Eigenkapitalquote von gerade einmal 0,28 Prozent
Rein rechnerisch entspricht das Eigenkapital von 8.651 Euro bei einer Bilanzsumme von knapp 3,095 Millionen Euro einer Eigenkapitalquote von lediglich rund 0,28 Prozent.
Isoliert betrachtet wäre eine derart niedrige Quote auffällig.
Bei dieser Gesellschaft würde eine klassische Betrachtung der Eigenkapitalquote allerdings ein unvollständiges Bild vermitteln. Denn die Passivseite wird fast vollständig von einem Rechnungsabgrenzungsposten bestimmt.
Dieser beträgt 3.040.591 Euro.
Bemerkenswert ist: Das ist auf den Cent genau der Buchwert der technischen Anlagen und Maschinen auf der Aktivseite.
Der entscheidende Bilanzposten: 3,04 Millionen Euro Rechnungsabgrenzung
Passive Rechnungsabgrenzungsposten werden nach Angaben der Gesellschaft für Einnahmen gebildet, die bereits vor dem Bilanzstichtag zugeflossen sind, wirtschaftlich aber Erträge für eine bestimmte Zeit nach dem Bilanzstichtag darstellen.
Genau dieser Posten dominiert die Bilanz.
Von insgesamt 3,095 Millionen Euro Passiva entfallen 3,041 Millionen Euro beziehungsweise rund 98,3 Prozent auf den passiven Rechnungsabgrenzungsposten.
Das unterscheidet Windpark Chransdorf deutlich von einem typischen fremdfinanzierten Windpark, dessen Passivseite überwiegend aus Bankdarlehen besteht.
Hier stehen gerade einmal 37,50 Euro Bankverbindlichkeiten in der Bilanz.
Anlagenwert und Rechnungsabgrenzung sinken parallel
Noch interessanter wird die Konstruktion im Vorjahresvergleich.
2024 betrug der Buchwert der technischen Anlagen rund 3,566 Millionen Euro. Gleichzeitig belief sich auch der passive Rechnungsabgrenzungsposten auf rund 3,566 Millionen Euro.
2025 sinkt der Anlagenbuchwert aufgrund der Abschreibungen auf 3,041 Millionen Euro – und der Rechnungsabgrenzungsposten sinkt ebenfalls auf exakt 3,041 Millionen Euro.
Die Differenz beträgt in beiden Fällen rund 525.000 Euro.
Das spricht sehr deutlich für einen unmittelbaren bilanziellen Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen.
Der vorliegende Anhang erläutert allerdings nicht im Detail, aus welchem konkreten ursprünglichen Geschäft beziehungsweise welcher Zahlung dieser passive Rechnungsabgrenzungsposten entstanden ist. Deshalb wäre es zu weitgehend, aus der bloßen Parallelität eine konkrete rechtliche oder wirtschaftliche Konstruktion abzuleiten.
Fest steht lediglich: Abschreibungsentwicklung und Auflösung des passiven Rechnungsabgrenzungspostens verlaufen betragsmäßig parallel.
Bilanzsumme sinkt deshalb fast automatisch mit
Damit lässt sich auch der starke Rückgang der Bilanzsumme besser einordnen.
Sie sinkt um rund 524.000 Euro. Gleichzeitig reduziert sich der Buchwert der technischen Anlagen um etwa 525.000 Euro und auf der Gegenseite der passive Rechnungsabgrenzungsposten ebenfalls um rund 525.000 Euro.
Das sieht auf den ersten Blick nach einer deutlichen Schrumpfung aus, ist aber wesentlich durch diesen bilanziellen Mechanismus geprägt.
Deshalb wäre die Aussage, das Unternehmen habe innerhalb eines Jahres wirtschaftlich rund 14,5 Prozent seiner Substanz verloren, nicht gerechtfertigt.
Kaum frei ausgewiesene Liquidität
Kritischer ist ein anderer Punkt.
Die Gesellschaft weist lediglich 19.417,94 Euro Bankguthaben aus. Im Vorjahr waren es rund 18.000 Euro.
Hinzu kommen nur 8,59 Euro Forderungen gegen verbundene Unternehmen sowie aktive Rechnungsabgrenzungsposten von 34.648,58 Euro.
Damit ist die unmittelbar ausgewiesene Liquiditätsreserve gemessen an der Bilanzsumme sehr klein.
Allerdings sind gleichzeitig auch die kurzfristig bilanzierten Verbindlichkeiten überschaubar.
Nur rund 35.000 Euro Verbindlichkeiten
Insgesamt bestehen Verbindlichkeiten von lediglich 35.124 Euro.
Davon entfallen 35.086,50 Euro auf verbundene Unternehmen und nur 37,50 Euro auf Kreditinstitute.
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen bestehen vollständig aus Lieferungen und Leistungen gegenüber den Gesellschaftern. Sämtliche Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Hinzu kommen sonstige Rückstellungen von 10.300 Euro, insbesondere für die Prüfung des Jahresabschlusses und die Erstellung der Steuererklärungen.
Von einer klassischen hohen Fremdfinanzierung des Windparks kann auf Grundlage dieser Bilanz damit keine Rede sein.
Keine Mitarbeiter, keine Geschäftsführervergütung
Auch die operative Struktur ist ausgesprochen schlank.
Die Windpark Chransdorf Infrastruktur GmbH beschäftigte 2024/25 keine Arbeitnehmer. Auch die drei Geschäftsführer Michael Struhalla, Carsten Heckt und Sven Dippel erhielten von der Gesellschaft keine Vergütung.
Gesellschafter sind die Großräschen Wind GmbH mit 60 Prozent und die Altdöbern Wind GmbH mit 40 Prozent.
Die Gesellschaft ist damit ersichtlich als spezielle Infrastrukturgesellschaft organisiert und nicht als klassisches Unternehmen mit eigenem Personalapparat.
Der Verlustvortrag bleibt der Schwachpunkt im Eigenkapital
Ganz ohne kritischen Punkt ist die Kapitalstruktur dennoch nicht.
Dem gezeichneten Kapital von 26.000 Euro und der Kapitalrücklage von 1.500 Euro steht weiterhin ein Verlustvortrag von 18.848,89 Euro gegenüber.
Damit sind rechnerisch bereits rund 68,5 Prozent der Summe aus Stammkapital und Kapitalrücklage durch frühere Verluste aufgezehrt.
Das verbleibende Eigenkapital beträgt nur 8.651,11 Euro.
Andererseits kam 2024/25 kein weiterer Verlust hinzu. Der Eigenkapitalpuffer hat sich deshalb im aktuellen Geschäftsjahr nicht weiter verschlechtert.
Ungewöhnliche Bilanz, aber kein klassisches Krisenbild
Wer lediglich auf die Eigenkapitalquote von 0,28 Prozent schaut, könnte zu einem alarmierenden Urteil gelangen. Der vollständige Abschluss zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.
Die Gesellschaft hat praktisch keine Bankschulden, nur rund 35.000 Euro Verbindlichkeiten und weist für das Geschäftsjahr keinen neuen Verlust aus.
Der mit Abstand größte Passivposten ist keine klassische Finanzverbindlichkeit, sondern ein passiver Rechnungsabgrenzungsposten. Dieser entwickelt sich zudem exakt parallel zum Buchwert der technischen Anlagen.
Kritisch bleiben das sehr geringe absolute Eigenkapital von lediglich 8.651 Euro, der hohe Verlustvortrag und die geringe ausgewiesene Bankliquidität.