Ein neues Dirndl für das Oktoberfest, professionell fotografiert vor bayerischer Bergkulisse und angeblich um 60 oder sogar 70 Prozent reduziert: Kurz vor der Wiesn locken zahlreiche Online-Shops mit vermeintlichen Trachten-Schnäppchen. Doch Verbraucherschützer warnen: Hinter auffällig günstigen Angeboten können Fake-Shops stecken. Manche Kunden bekommen nach der Bezahlung überhaupt keine Ware, andere erhalten minderwertige Produkte, die mit den Bildern im Internet kaum etwas gemeinsam haben.
Gerade vor dem Oktoberfest ist die Nachfrage nach Dirndl, Lederhose und Trachtenzubehör groß. Das machen sich unseriöse Anbieter zunutze. Ihre Internetseiten wirken teilweise so professionell, dass sie auf den ersten Blick kaum von den Shops etablierter Händler zu unterscheiden sind.
Für Verbraucher wird es dadurch immer schwieriger, ein echtes Sonderangebot von einer Betrugsmasche zu unterscheiden.
Bezahlt – und das Dirndl kommt nie
Bei der Verbraucherzentrale Bayern häufen sich entsprechende Beschwerden. Ann-Kathrin Edinger von der Verbraucherzentrale berichtet von Kunden, die sehr günstige Dirndl oder andere Trachtenartikel bestellt haben und anschließend entweder gar keine Lieferung oder Ware von deutlich schlechterer Qualität erhalten hätten.
Die Methoden unterscheiden sich.
Im schlimmsten Fall bezahlen die Kunden und warten anschließend vergeblich auf ihr Paket. Andere bekommen zwar ein Dirndl zugeschickt – doch Farbe, Schnitt und Material haben mit den professionellen Produktfotos aus dem Online-Shop wenig zu tun. Teilweise berichten Betroffene von billigem Stoff oder unangenehmem Geruch.
Die vermeintliche Ersparnis kann so schnell zum teuren Ärgernis werden.
Fake-Shops kopieren bekannte Trachtenhändler
Besonders tückisch ist, wie professionell manche Seiten gestaltet sind. Betrüger können den Internetauftritt etablierter Unternehmen nachahmen und dabei Produktbilder, Namen und andere Gestaltungselemente übernehmen.
Auch Künstliche Intelligenz erleichtert es, in kurzer Zeit professionell wirkende Webseiten und auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittene Inhalte zu erstellen. Eine modern gestaltete Internetseite ist deshalb allein längst kein Beweis dafür, dass hinter einem Shop tatsächlich ein seriöses Unternehmen steht.
Wie weit die Verwechslungsgefahr gehen kann, zeigt das Beispiel des Trachtenhändlers Angermaier. Das Unternehmen wurde auf einen Online-Shop mit einem sehr ähnlichen Namen aufmerksam, der mit hohen Rabatten für Trachten wirbt.
Die Folgen bekommt der echte Händler unmittelbar zu spüren. Geschäftsführerin Nina Munz berichtet sogar von Kunden, die bei dem anderen Anbieter bestellte Ware an Angermaier zurückschickten. Die gelieferten Produkte seien qualitativ sehr minderwertig gewesen und hätten nicht richtig gepasst.
Auch die echten Händler werden zu Opfern
Fake-Shops schädigen damit nicht nur Verbraucher. Für etablierte Unternehmen können sie ebenfalls zum Problem werden, wenn ihr guter Ruf oder ein ähnlich klingender Name benutzt wird, um Kunden in die Falle zu locken.
Angermaier hat die verdächtige Seite nach Angaben von Munz auf verschiedenen Portalen gemeldet. Dort werde sie inzwischen als Fake gekennzeichnet. Damit verschwindet der Shop allerdings nicht automatisch aus dem Internet.
Direkt gegen die Seite vorzugehen, sei schwierig. Ein Grund dafür ist, dass die Betreiber solcher Angebote häufig im Ausland sitzen. Die rechtliche Durchsetzung von Ansprüchen und das Abschalten der Seiten können dadurch kompliziert werden.
Bis ein betrügerischer Shop verschwindet, können bereits zahlreiche Bestellungen eingegangen sein. Zudem können neue Seiten unter anderen Adressen auftauchen.
80 Prozent Rabatt? Misstrauen kann sich lohnen
Für Verbraucher bedeutet das: Gerade außergewöhnlich hohe Rabatte sollten Anlass sein, ein Angebot genauer zu überprüfen.
Ein Dirndl, das bei anderen Händlern mehrere Hundert Euro kostet und plötzlich für einen Bruchteil des üblichen Preises angeboten wird, muss nicht automatisch ein Betrugsangebot sein. Preisnachlässe von 70 oder 80 Prozent können jedoch ein Warnsignal darstellen – insbesondere dann, wenn fast das gesamte Sortiment drastisch reduziert ist.
Vor der Bestellung lohnt sich deshalb ein Blick ins Impressum. Gewerbliche Online-Shops in Deutschland müssen dort bestimmte Angaben machen. Name und Anschrift des Unternehmens sollten nachvollziehbar sein. Unstimmige Adressen, fehlende Kontaktmöglichkeiten oder ein vollständig fehlendes Impressum sind Warnzeichen.
Auch die Rücksendebedingungen verdienen Aufmerksamkeit. Käufer sollten bereits vor der Bestellung prüfen, wohin sie einen Artikel im Fall einer Retoure schicken müssten. Liegt die Rücksendeadresse außerhalb der Europäischen Union, können hohe Versandkosten entstehen.
Vorsicht, wenn nur Vorkasse möglich ist
Ein weiterer wichtiger Hinweis ist die Zahlungsweise. Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn ein unbekannter Händler ausschließlich Vorkasse per Überweisung verlangt.
Denn wurde das Geld einmal überwiesen, lässt sich die Zahlung häufig nur schwer zurückholen.
Zudem sollten Käufer Bewertungen nicht ausschließlich auf der Seite des Händlers lesen. Ein Fake-Shop kann positive Kundenmeinungen selbst erstellen oder übernehmen. Aussagekräftiger können unabhängige Erfahrungsberichte auf anderen Plattformen sein.
Dabei gilt allerdings ebenfalls: Einzelne Online-Bewertungen sind kein sicherer Beweis für die Seriosität eines Shops. Auch Bewertungen können manipuliert werden. Entscheidend ist deshalb das Gesamtbild.
Fakeshop-Finder kann verdächtige Seiten überprüfen
Zusätzliche Unterstützung bietet die Verbraucherzentrale mit ihrem Fakeshop-Finder. Dort können Nutzer die Internetadresse eines Shops eingeben. Das kostenlose Werkzeug untersucht die Seite anhand verschiedener technischer und inhaltlicher Merkmale und gibt eine Einschätzung zum möglichen Risiko ab.
Ein solcher Check kann besonders sinnvoll sein, wenn ein unbekannter Anbieter mit außergewöhnlich günstigen Preisen wirbt.
Grundsätzlich empfiehlt sich vor einem Kauf eine einfache Frage: Ist dieses Angebot realistisch – oder ist es möglicherweise zu gut, um wahr zu sein?
Was tun, wenn das Geld schon weg ist?
Wer erst nach der Bezahlung bemerkt, dass möglicherweise etwas nicht stimmt, sollte möglichst schnell handeln.
Betroffene können sich an die Verbraucherzentrale wenden und den konkreten Fall prüfen lassen. Je nach verwendeter Zahlungsmethode kann außerdem die eigene Bank oder der Zahlungsdienstleister kontaktiert werden. Bei Kreditkarten- oder bestimmten Zahlungsdienstleister-Zahlungen bestehen unter Umständen Möglichkeiten, eine Zahlung zu reklamieren oder zurückzuholen.
Wichtig ist außerdem, Beweise zu sichern. Screenshots des Shops, der Produktbeschreibung, des Bestellvorgangs und der Kommunikation mit dem Anbieter können später hilfreich sein. Auch Bestellbestätigungen, Rechnungen und Zahlungsnachweise sollten aufbewahrt werden.
Bei vielen Online-Käufen besteht grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Bei betrügerischen oder unseriösen Anbietern liegt das praktische Problem jedoch häufig darin, dieses Recht überhaupt durchsetzen zu können. Fehlt eine funktionierende Kontakt- oder Rücksendeadresse, kann selbst eine eigentlich klare Rechtslage wenig helfen.
Der schnelle Wiesn-Kauf kann teuer werden
Kurz vor dem Oktoberfest steigt bei vielen der Zeitdruck: Das Dirndl muss noch rechtzeitig geliefert werden, die Lederhose fehlt oder für den Wiesn-Besuch wird kurzfristig ein neues Outfit gesucht. Genau diese Situation können unseriöse Händler ausnutzen.
Deshalb lohnt es sich, selbst bei einem vermeintlichen Trachten-Traumpreis einige Minuten in die Überprüfung des Shops zu investieren.
Denn hinter bayerischer Bergkulisse, professionellen Dirndl-Fotos und einem riesigen Rabatt muss nicht zwangsläufig ein Münchner Trachtenhändler stecken. Im schlimmsten Fall bleiben vom vermeintlichen Wiesn-Schnäppchen nur ein leerer Geldbeutel – und die Erkenntnis, dass 70 Prozent Rabatt manchmal 100 Prozent Ärger bedeuten.