Nach rund 130 Jahren Firmengeschichte ist die Prinz & Co. GmbH Stahlrohre mit Stammsitz im nordrhein-westfälischen Wickede in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Das zuständige Amtsgericht hat am 9. September 2026 ein Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet. Betroffen sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters insgesamt 310 Beschäftigte an vier deutschen Standorten.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann aus Essen bestellt. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst ohne Einschränkungen fortgeführt werden. Gleichzeitig hat die Suche nach Investoren begonnen.
Traditionsunternehmen besteht seit 1896
Prinz & Co. wurde bereits 1896 gegründet und entwickelte sich im Laufe seiner Geschichte zu einem international tätigen Spezialisten für geschweißte und gezogene Präzisionsstahlrohre.
Das Unternehmen ist insbesondere als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig. Die hergestellten Stahlrohre werden unter anderem in Autositzen, Cockpit- und Airbaghalterungen sowie Hydraulikarmen für Kofferraumtüren eingesetzt.
Damit ist das Unternehmen eng mit einer Branche verbunden, die derzeit selbst unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht.
Krise der Autoindustrie belastet das Unternehmen
Als einen wesentlichen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt der vorläufige Insolvenzverwalter die gegenwärtige Krise in der Automobilindustrie.
Hinzu kamen demnach gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie hohe Fixkosten.
Besonders problematisch sei schließlich die Entwicklung während der Sommermonate gewesen. In dieser Zeit sei der Umsatz deutlich eingebrochen und habe das Unternehmen zusätzlich finanziell belastet.
Trotzdem bewertet Holzmann die operative Ausgangslage nicht ausschließlich negativ. Die derzeitige Auftragslage sei stabil, das Unternehmen verfüge über wettbewerbsfähige Produkte und qualifizierte Beschäftigte.
310 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen
Von dem Verfahren betroffen sind vier deutsche Standorte.
Am Stammsitz in Wickede arbeiten demnach rund 110 Menschen. In Altena sind es etwa 150 Beschäftigte, in Werl weitere 20 und in Westönnen rund 30.
Damit geht es insgesamt um 310 Arbeitsplätze.
Die gesamte Prinz-Mayweg-Gruppe beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 400 Mitarbeiter an sechs Standorten. Neben den deutschen Betrieben bestehen Standorte im tschechischen Ostrava und im portugiesischen Ilhavo.
Löhne und Gehälter zunächst abgesichert
Für die Beschäftigten bedeutet das Insolvenzeröffnungsverfahren nicht automatisch den Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Der Geschäftsbetrieb soll zunächst vollständig weiterlaufen. Die Löhne und Gehälter der betroffenen Arbeitnehmer sind nach den vorliegenden Angaben für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.
Ob sämtliche Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können, steht allerdings noch nicht fest.
Dies dürfte wesentlich davon abhängen, ob eine wirtschaftlich tragfähige Sanierung gelingt und gegebenenfalls ein Investor gefunden werden kann.
Investorensuche hat begonnen
Der vorläufige Insolvenzverwalter will nun die Sanierungsmöglichkeiten für das Unternehmen und die gesamte Prinz-Mayweg-Gruppe prüfen.
Unterstützt wird Holzmann dabei von seinem Kanzleikollegen Dr. Dominic Poster.
Gespräche mit Kunden und Lieferanten laufen bereits. Gleichzeitig wurde die Suche nach möglichen Investoren eingeleitet.
Eine stabile Auftragslage kann für ein solches Sanierungsverfahren ein wichtiger Faktor sein, weil dadurch grundsätzlich die Möglichkeit besteht, den operativen Geschäftsbetrieb fortzuführen und einem Investor ein funktionierendes Unternehmen zu übergeben.
Insolvenzverfahren ist noch nicht endgültig eröffnet
Rechtlich wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Insolvenzeröffnungsverfahren und einem bereits eröffneten Insolvenzverfahren.
Mit der Entscheidung vom 9. September ist zunächst das vorläufige Verfahren eingeleitet und ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden.
In dieser Phase werden insbesondere die wirtschaftliche Situation, das vorhandene Vermögen und die Voraussetzungen für die Eröffnung eines regulären Insolvenzverfahrens geprüft.
Erst anschließend entscheidet das Insolvenzgericht über die eigentliche Verfahrenseröffnung.
Nächster Traditionsbetrieb unter Druck
Der Fall Prinz & Co. zeigt erneut, wie stark die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Automobil- und Stahlindustrie inzwischen auch traditionsreiche mittelständische Zulieferer treffen können.
Hohe Energie- und Rohstoffkosten, erhebliche Fixkosten und eine schwächere Nachfrage können gerade bei spezialisierten Produktionsunternehmen schnell zu Liquiditätsproblemen führen.
Für Prinz & Co. beginnt nun die entscheidende Sanierungsphase. Der laufende Betrieb, die vorhandenen Aufträge und die bereits gestartete Investorensuche bieten eine Grundlage für eine mögliche Fortführung.
Ob das 130 Jahre alte Unternehmen dauerhaft erhalten und wie viele der 310 betroffenen Arbeitsplätze gesichert werden können, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch offen.