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Frauen vom Dienst abgezogen: Streik legt Eiffelturm lahm – jetzt ist das Wahrzeichen wieder offen

Pexels (CC0), Pixabay

Auslöser war ein privater Besuch am Samstag. Die Delegation gehörte zur hinduistischen Organisation Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS). Rund 100 Menschen nahmen nach übereinstimmenden Berichten daran teil. Der Besuch stand im Zusammenhang mit Feierlichkeiten zur Einweihung eines Hindu-Tempels im Großraum Paris.

Bereits vor dem Besuch gab es eine ungewöhnliche Bitte. Nach Darstellung der Betreibergesellschaft SETE sollte die Besichtigung so organisiert werden, dass die Kontakte eines geistlichen Vertreters mit Frauen möglichst gering blieben. Die Leitung kam dieser Bitte zumindest teilweise nach.

Mitarbeiterinnen mussten ihre Plätze verlassen

Was das praktisch bedeutete, schilderten Arbeitnehmervertreter anschließend deutlich. Mitarbeiterinnen seien aufgefordert worden, ihre Arbeitsplätze zu verlassen, während Männer ihre Positionen übernahmen, sagte Gewerkschaftsvertreterin Diane Davoine der Nachrichtenagentur Reuters. Betroffen war nach Angaben der Betreibergesellschaft insbesondere der Besuch der dritten Etage.

Nach Angaben der Gewerkschaft CGT waren nicht ausschließlich unmittelbar beim Eiffelturm angestellte Frauen betroffen. Auch Mitarbeiterinnen von Fremdfirmen sollen entsprechende Anweisungen erhalten haben. Die Gewerkschaft sprach davon, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts ausgegrenzt, ersetzt und faktisch „unsichtbar“ gemacht worden seien.

Damit wurde aus einer organisatorischen Entscheidung innerhalb kürzester Zeit eine Grundsatzfrage: Wie weit darf ein öffentlich zugängliches Wahrzeichen auf religiöse oder kulturelle Wünsche einer Besuchergruppe eingehen, wenn dadurch Mitarbeiterinnen anders behandelt werden als ihre männlichen Kollegen?

Am Montag eskaliert der Konflikt

Über das Wochenende wuchs der Ärger innerhalb der Belegschaft. Am Montag versammelten sich Beschäftigte, um mit der Leitung über den Vorfall zu sprechen und darauf zu drängen, dass sich eine solche Situation nicht wiederholt. Schließlich kam es zur Arbeitsniederlegung. Der Eiffelturm blieb für Besucher geschlossen.

Für Paris war das weithin sichtbar. Eines der bekanntesten Wahrzeichen der Welt konnte wegen eines innerbetrieblichen Konflikts nicht besucht werden – und aus einem Vorfall während einer privaten Besichtigung war binnen zwei Tagen eine öffentliche Debatte über Gleichberechtigung geworden.

Die Beschäftigten machten deutlich, dass es ihnen nicht lediglich um einen einzelnen Dienstplan ging. Sie sahen vielmehr einen grundsätzlichen Konflikt mit dem Anspruch, Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Geschlecht gleichzubehandeln.

Betreiber räumt Fehler ein

Inzwischen hat die Betreibergesellschaft reagiert und ihre damalige Entscheidung ausdrücklich kritisiert. Die Bedingungen der Delegation hätten nicht akzeptiert werden dürfen. Sie seien mit den Grundsätzen der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Neutralität bei Besichtigungen des Denkmals nicht vereinbar gewesen.

Das ist eine bemerkenswert deutliche nachträgliche Bewertung der eigenen Entscheidung.

Die Betreibergesellschaft kündigte nicht nur eine Untersuchung an. Es sollen auch Maßnahmen ergriffen werden, die verhindern, dass sich ein vergleichbarer Vorgang wiederholt. Darüber hinaus sind Gespräche mit Arbeitnehmervertretern vorgesehen.

Politik schaltet sich ein

Der Fall blieb nicht auf die Belegschaft und die Betreiber des Eiffelturms beschränkt. Auch französische Politiker reagierten.

Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire erklärte, er könne den Ärger der Beschäftigten nachvollziehen und bezeichnete deren Unzufriedenheit als berechtigt. Die Vorgänge müssten vollständig aufgeklärt werden.

Besonders deutlich äußerte sich die Präsidentin der französischen Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet. Sinngemäß machte sie deutlich, dass Gastfreundschaft nicht bedeuten könne, französische Grundwerte aufzugeben. Frauen gehörten selbstverständlich zum öffentlichen Leben und dürften nicht unsichtbar gemacht werden.

Damit bekam der Vorfall eine politische Dimension, die weit über die Frage hinausgeht, wer während einer Führung auf welcher Etage des Eiffelturms arbeitet. Es geht um das Verhältnis zwischen Religionsfreiheit, kultureller Rücksichtnahme, Gleichberechtigung und den Prinzipien des französischen Staates.

Hinduistische Organisation entschuldigt sich

Auch BAPS reagierte auf die öffentliche Kritik. Die Organisation erklärte, die Besichtigung sei wegen der Größe der Gruppe früh am Tag organisiert worden, um andere Besucher möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Nach eigener Kenntnis sei niemandem der Zugang zum Eiffelturm verwehrt worden. Gleichzeitig entschuldigte sich BAPS für entstandene Verletzungen oder Unannehmlichkeiten.

Damit unterscheiden sich die Darstellungen in einem wichtigen Punkt: Während Arbeitnehmervertreter konkrete Anweisungen gegenüber weiblichen Beschäftigten schildern, weist BAPS darauf hin, nach eigener Kenntnis sei niemandem der Zugang verwehrt worden. Die genaue Verantwortung und der Ablauf sollen nun untersucht werden.

Dienstagmorgen kehren die Touristen zurück

Am Dienstagmorgen war vom Streik zumindest für die Besucher zunächst nichts mehr zu spüren. Der Eiffelturm öffnete wieder. Kurz vor 9.30 Uhr passierten Besucher bereits die Sicherheitskontrollen.

Damit dauerte die unmittelbare Schließung nur einen Tag. Die politische und gesellschaftliche Debatte dürfte jedoch länger anhalten.

Denn die Affäre wirft eine schwierige Frage auf: Wie soll mit religiösen Sonderwünschen umgegangen werden, wenn deren Erfüllung zur unterschiedlichen Behandlung von Männern und Frauen führt?

Für die Betreiber des Eiffelturms scheint die Antwort nach dem Vorfall klarer zu sein als noch am Samstag. Die entsprechenden Bedingungen hätten gar nicht erst akzeptiert werden dürfen.

Und so hat eine einzige Besuchergruppe etwas geschafft, womit wohl niemand gerechnet hatte: Nicht ein technischer Defekt, schlechtes Wetter oder eine Sicherheitslage brachte den Betrieb des Pariser Wahrzeichens zum Erliegen – sondern ein Streit darüber, ob Frauen für die Wünsche von Gästen von ihren Arbeitsplätzen verschwinden sollen.

Der Eiffelturm ist wieder offen. Die Diskussion darüber, wie es überhaupt so weit kommen konnte, hat dagegen gerade erst begonnen.

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