Tausende Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen um erhebliche Teile ihres investierten Geldes fürchten. Über Jahre hatte die Life Forestry Switzerland AG Beteiligungen an Teakbäumen in Costa Rica und Ecuador als langfristige, nachhaltige und zugleich besonders renditestarke Geldanlage vermarktet. Nun ist die Schweizer Muttergesellschaft zahlungsunfähig – und es bestehen erhebliche Zweifel daran, welchen tatsächlichen Wert die vermeintlich sicheren Baum-Investments überhaupt noch haben.
Besonders viele Betroffene gibt es offenbar in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. In Leipzig hat sich inzwischen eine Interessengemeinschaft gebildet, der sich mehr als 1.000 Anleger angeschlossen haben. Insgesamt könnten bis zu 7.000 Menschen betroffen sein.
Rund 200 Millionen Euro sollen investiert worden sein
Über einen Zeitraum von rund 20 Jahren sollen Anleger insgesamt etwa 200 Millionen Euro in das Geschäftsmodell gesteckt haben. Das Prinzip erschien zunächst einfach: Die Kunden erwarben Teakbäume, die auf Plantagen in Costa Rica und Ecuador wachsen sollten. Nach mehreren Jahren sollten die Bäume gefällt, das wertvolle Holz verkauft und der Erlös an die Anleger ausgezahlt werden.
Life Forestry stellte dabei attraktive Erträge in Aussicht. In früheren Verkaufsunterlagen war von jährlichen Renditen zwischen fünf und zwölf Prozent die Rede. Ein Investment von 5.000 Euro sollte sich innerhalb von 20 Jahren auf einen Betrag zwischen etwa 13.000 und 48.000 Euro entwickeln können.
Gerade als bei älteren Anlagen die Zeit der Ernte und damit der erwarteten Auszahlung näher rückte, geriet das Modell jedoch ins Wanken.
Schweizer Muttergesellschaft ist zahlungsunfähig
Die Life Forestry Switzerland AG beantragte im November 2025 ein Insolvenzverfahren. Dieses wurde jedoch mangels Masse eingestellt. Damit fiel ausgerechnet jene Gesellschaft aus, die Vertragspartner zahlreicher Anleger war und sich um Bewirtschaftung, Pflege und späteren Verkauf der Teakbäume kümmern sollte.
Für die Anleger stellt sich seitdem die entscheidende Frage: Wem gehören die Bäume tatsächlich – und wie viel sind sie überhaupt wert?
Die Antworten darauf könnten für viele Betroffene ernüchternd ausfallen.
Zweifel am versprochenen Eigentum an einzelnen Bäumen
Viele Kunden gingen davon aus, tatsächlich Eigentümer bestimmter Teakbäume geworden zu sein. Urkunden, Nummerierungen, Metallplaketten an den Bäumen und teilweise sogar GPS-Koordinaten sollten die Zuordnung dokumentieren.
Genau dieses Eigentumsmodell wird inzwischen von Anlegeranwälten infrage gestellt.
Der Bautzener Kapitalmarktrechtsanwalt Jens Reime, der nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Betroffene vertritt und die Plantagen in Südamerika besichtigt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Anleger in Costa Rica und Ecuador offenbar kein vom Grundstück unabhängiges Eigentum an einzelnen Bäumen erwerben können.
Damit könnte eine zentrale Vorstellung vieler Investoren – nämlich Eigentümer ganz bestimmter Teakbäume zu sein – rechtlich nicht die Sicherheit bieten, die Anleger aufgrund der Vermarktung möglicherweise erwartet hatten.
Noch schwerer wiegt ein weiterer Verdacht: Nach Angaben der beteiligten Rechtsanwälte gibt es Hinweise darauf, dass Bäume oder Plantagenflächen möglicherweise mehrfach verschiedenen Anlegern zugeordnet worden sein könnten. Abschließend geklärt ist dieser Vorwurf bislang nicht.
Anlegeranwälte rechnen mit erheblichen Verlusten
Auch die wirtschaftlichen Aussichten sind düster. Statt der ursprünglich erwarteten hohen Gewinne geht es inzwischen offenbar vor allem darum, möglichst viel vom eingesetzten Kapital zu retten.
Rechtsanwalt Klaus Seimetz, dessen Kanzlei nach eigenen Angaben mehr als 400 Anleger vertritt, hält bei einer Verwertung Rückflüsse von lediglich etwa 30 bis 50 Prozent des investierten Kapitals für möglich.
Noch drastischer fällt die Einschätzung von Jens Reime aus. Er beziffert den Wert der vorhandenen Teakbäume in Costa Rica und Ecuador auf rund 50 Millionen Euro. Sollten insgesamt tatsächlich etwa 200 Millionen Euro investiert worden sein, entspräche dies lediglich einem Viertel dieser Summe.
Im ungünstigen Fall könnten Anleger damit erhebliche Verluste erleiden. Von den einst beworbenen Renditen wäre dann nicht nur nichts übrig – möglicherweise wäre ein großer Teil des eingesetzten Kapitals verloren.
Ex-Geschäftsführer weist Schadenersatzansprüche zurück
Der langjährige Geschäftsführer der Life Forestry Switzerland AG, Lambert Liesenberg, weist die Vorwürfe zurück. Gegenüber dem MDR erklärte er, es sei kein Schaden entstanden. Deshalb bestünden seiner Auffassung nach auch keine Schadenersatzansprüche.
Wesentliche Detailfragen blieben jedoch unbeantwortet. Dazu gehört insbesondere, wie viele Teakbäume tatsächlich gepflanzt und Anlegern vermittelt wurden, welchen realistischen Marktwert die Plantagen besitzen und ob ausreichende finanzielle Rückstellungen für die langfristige Pflege der Bestände vorhanden sind.
Gerade diese Punkte sind für die Anleger entscheidend.
Anwälte verfolgen unterschiedliche Strategien
Inzwischen versuchen mehrere Kanzleien auf unterschiedlichen Wegen, Vermögen für die Anleger zu sichern.
Rechtsanwalt Reime setzt vor allem auf Schadenersatzforderungen. Verfahren beziehungsweise rechtliche Schritte sollen dabei nicht nur Deutschland und die Schweiz, sondern auch Costa Rica, Ecuador und Liechtenstein betreffen. Nach seiner Strategie könnten verbliebene Gesellschaften, eine Stiftung sowie gegebenenfalls Vermögenswerte verantwortlicher Personen in Anspruch genommen werden.
Die Dresdner Kapitalmarktrechtsanwältin Kerstin Bontschev empfiehlt ihren Mandanten dagegen auch strafrechtliche Schritte in Deutschland und der Schweiz. Nach ihren Angaben vertritt ihre Kanzlei rund 80 Anleger mit Investments zwischen 3.000 und 150.000 Euro. Sie hat die betreffenden Verträge gekündigt und wegen behaupteter Falschangaben widerrufen.
Rechtsanwalt Seimetz verfolgt wiederum eine Kombination aus strafrechtlicher Aufklärung und wirtschaftlicher Verwertung der vorhandenen Teakbestände. Schadenersatzforderungen stehen bei ihm zunächst nicht im Vordergrund, weil noch offen sei, gegen wen solche Ansprüche tatsächlich erfolgreich durchgesetzt werden könnten.
Aus der grünen Geldanlage könnte ein jahrelanger Rechtsstreit werden
Für die Betroffenen zeichnet sich damit keine schnelle Lösung ab. Zunächst muss geklärt werden, welche Bäume und Plantagen tatsächlich vorhanden sind, wem welche Rechte daran zustehen, wie hoch ihr realer Verkaufswert ist und welche weiteren Vermögenswerte gegebenenfalls für Ansprüche der Anleger zur Verfügung stehen.
Hinzu kommt die Frage, ob bei der Vermarktung der Anlagen falsche oder irreführende Angaben gemacht wurden. Auch der Verdacht, dass Bäume oder Flächen möglicherweise mehrfach vermittelt worden sein könnten, bedarf einer belastbaren rechtlichen und tatsächlichen Klärung.
Aus einem Investment, das mit Nachhaltigkeit, wachsendem Sachwert und Renditen von bis zu zwölf Prozent beworben wurde, ist damit für Tausende Anleger ein schwer kalkulierbares finanzielles Risiko geworden.
Besonders bitter ist die Situation für diejenigen, die größere Teile ihrer Altersvorsorge, Abfindungen oder Ersparnisse in die Teakholz-Anlagen gesteckt haben. Selbst wenn sich ein Teil des Geldes über Holzverkäufe oder Schadenersatzforderungen zurückholen lässt, dürfte die Aufarbeitung nach Einschätzung der beteiligten Anwälte nicht Monate, sondern möglicherweise mehrere Jahre dauern.
Damit steht für viele Anleger inzwischen nicht mehr die ursprünglich versprochene Rendite im Mittelpunkt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie viel ihres eingesetzten Geldes können sie überhaupt noch retten?