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Bäckerei Michely insolvent: Fast 100 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Pexels (CC0), Pixabay

Die Krise im deutschen Bäckerhandwerk trifft einen weiteren traditionsreichen Handwerksbetrieb. Die Bäckerei Michely aus Schleswig-Holstein hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind neun Filialen und fast 100 Beschäftigte. Noch ist allerdings keineswegs entschieden, dass der Betrieb schließen muss. Die Geschäfte bleiben zunächst geöffnet und der vorläufige Insolvenzverwalter sieht durchaus Chancen für eine Fortführung.

Neun Filialen und eine zentrale Backstube betroffen

Die Bäckerei Michely wurde 2003 von Torben und Maren Michely gegründet. Aus dem ursprünglichen Handwerksbetrieb entwickelte sich über die Jahre ein regionales Filialunternehmen mit Bäckereien und größeren Cafés.

Heute betreibt das Unternehmen neun Standorte im Kreis Segeberg, in Neumünster und in Hamburg. Das Herzstück ist die Backstube in Stuvenborn in Schleswig-Holstein. Dort werden die Backwaren für die Filialen hergestellt.

Mit der Insolvenz steht nun nicht nur die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel. Fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen um ihre Arbeitsplätze bangen.

Gestiegene Kosten treffen auf zurückhaltende Verbraucher

Die Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zeigen ein Problem, mit dem derzeit viele handwerkliche Bäckereien zu kämpfen haben.

Auf der einen Seite sind die Betriebskosten erheblich gestiegen. Energie ist teuer, ebenso zahlreiche Rohstoffe. Insbesondere Mehl hat sich seit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich verteuert.

Auf der anderen Seite verändert sich das Kaufverhalten. Verbraucher achten angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten stärker auf den Preis. Das bekommen klassische Bäckereien unmittelbar zu spüren. Brot und Brötchen vom Discounter oder aus dem Supermarkt sind für viele Kunden eine günstigere Alternative zum Einkauf beim Handwerksbäcker.

Für Betriebe mit eigener Produktion, Personal, Verkaufsstellen und Cafés ist dieser Preiskampf besonders schwierig. Sie müssen deutlich höhere Kostenstrukturen finanzieren als die Backstation eines großen Handelskonzerns.

Insolvenz bedeutet noch nicht das Ende

Trotz der angespannten Lage gibt es für Michely Hoffnung.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck beurteilt den Betrieb positiv. Er beschreibt das Unternehmen als gut aufgestellt und hebt insbesondere die engagierte Belegschaft hervor. Die Aussichten auf einen Weiterbetrieb seien gut.

Damit besteht zumindest die Möglichkeit, im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine wirtschaftliche Lösung zu finden.

Auch ein massiver Stellenabbau scheint derzeit keineswegs beschlossene Sache zu sein. Sollte eine tragfähige Lösung für das Unternehmen gefunden werden, rechnet der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben nicht mit einem umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen.

Filialen und Cafés bleiben geöffnet

Für die Kunden ändert sich zunächst nichts. Alle Standorte sollen weiterbetrieben werden. Auch die Cafés bleiben geöffnet. Brot, Brötchen, Kuchen und andere Backwaren werden weiterhin hergestellt und verkauft.

Gerade dieser fortlaufende Geschäftsbetrieb kann für eine mögliche Sanierung entscheidend sein. Bleiben Kunden und Umsätze erhalten, steigen grundsätzlich die Chancen, einen Betrieb fortzuführen oder einen Investor beziehungsweise Käufer zu finden.

Für die fast 100 Beschäftigten beginnt dennoch eine Zeit großer Unsicherheit. Erst der weitere Verlauf des Insolvenzverfahrens wird zeigen, ob und in welcher Form die Bäckerei Michely dauerhaft erhalten werden kann.

Bäckerhandwerk zunehmend unter wirtschaftlichem Druck

Der Fall Michely steht nicht allein. Deutschlands Bäckerbranche kämpft seit Jahren mit steigenden Energie-, Rohstoff- und Personalkosten. Gleichzeitig müssen inhabergeführte und mittelständische Betriebe gegen die preisgünstigen Angebote großer Supermarkt- und Discounterketten bestehen.

Nach den vorliegenden Angaben mussten allein im ersten Halbjahr 2026 bereits 63 Bäckereien Insolvenz anmelden.

Die Entwicklung zeigt damit ein grundsätzliches Problem: Selbst Betriebe mit langjähriger Marktpräsenz und einem etablierten regionalen Filialnetz können zunehmend in Schwierigkeiten geraten, wenn höhere Kosten nicht vollständig über die Verkaufspreise an die Kunden weitergegeben werden können.

Für Michely ist die Insolvenz deshalb zunächst ein Versuch, den Betrieb wirtschaftlich neu aufzustellen. Ob die Sanierung gelingt und tatsächlich nahezu alle Arbeitsplätze erhalten werden können, dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden.

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